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Volk und Land · 1919-07-03 · Heft 27 (3.7.1919) · p. Seite 839-840

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 27 (3.7.1919)
Date
1919-07-03
Page
Seite 839-840 (sequence 8)
Language
German
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839 VOLK UND LAND 840 NOTSTANDSARBEITEN IN PALAESTINA Von Dr. N. Honi g. Wir erleben heute die eigenartige Erscheinung, daß statt der Freude, die wir alle über die bevorstehende Masseneinvvanderung nach Palästina empfinden sollten, ängstliche Gemüter in Furcht vor einer Zertretung unseres Kolonisationswerkes durch ein einwanderndes Massenelend aufgehen. Man wird solchen kleinmütigen Leuten wirksam entgegentreten können, wenn wir ihnen folgende Möglichkeiten für eine großzügige Notstandsaktion in Palästina vor Augen halten: 1. Die ungeheuere Ausdehnung brachliegenden Bodens stellt uns vor die Notwendigkeit, noch vor Ausarbeitung von Gesamtplänen für neue. Kolonien dieselben durch Okkupations- und Pachtgenossenschaften, die mit den unbedingt notwendigen Mitteln und dem als Nationaleigentum zu erklärenden Boden durch den Nationalfonds und die nationalen Gesellschaften versehen werden müssen, provisorisch unter den Pflug zu nehmen. Die Einwandererzahl, die durch solche, über das ganze Land auszudehnenden Genossenschaften Beschäftigung finden wird, dürfte eine ganz beträchtliche sein. Die mit der Anlernung der aus städtischen Berufen stammenden Einwanderern verbundenen Schwierigkeiten könnten durch Heranziehung von Vorarbeitern aus den Kreisen erfahrener Landwirte und Landarbeiter überwunden werden. 2. Die Aufforstung der für die Bodenkultur ungeeigneten Gebiete, die Bewässerung des Jordantals und der in der Küstenebene gelegenen Flußgegenden, die Entwässerung der versumpften Landstrecken am Hulesee und in der Küstenebene könnten schon in den ersten Jahren Hand in Hand mit der Anlegung neuer Kolonien oder noch vorher mit Arbeitergenossenschaften in Angriff genommen werden. Die damit zu schaffende Arbeitsgelegenheit dürfte ebenfalls eine ganz beträchtliche sein. 3. Trotz des während des Krieges erfolgten Ausbaues des Verkehrswesens dürften noch -so manche Straßen und Wege, Klein- und Nebenbahnen anzulegen sein. Die Anlage von modernen Häfen in Jaffa und Haifa (vielleicht auch in Akaba, sobald dieser Ort mit dem Eisenbahnnetz Palästinas verbunden sein wird) wird keinen Aufschub mehr erleiden. Die alsbaldige Vornahme sämtlicher notwendiger Verkehrsarbeiten wird ebenfalls einen beträchtlichen Teil zur Hebung der durch Masseneinwanderung entstandenen Arbeitslosigkeit beitragen. 4. Großes Interesse für die Vornahme von Notstandsarbeiten verlangt der Häuserbau. Nicht nur für die unbemittelten Schichten, die den größten Teil der Einwanderer stellen werden, sondern auch für vermögende Familien, deren Einwanderung aus naheliegenden Gründen mit größter Energie erstrebt werden müßte, werden tausende neuer Häuser erbaut werden müssen. Unter Bildung von Baugenossenschaften und Baugesellschaften sowie durch Uebertragung der Achusaidee auf den Häuserbau (indem vermögende, zur Uebersiedlung bereite Familien sich zwecks Errichtung eigener Wohnviertel zusammentun) würde die Bautätigkeit einen bedeutenden Umfang annehmen. 5. Ein wirksames Mittel zur Heranziehung vermögender Familien und vor allem zur Hebung des Fremdenverkehrs und in dessen Folge zur Hebung des Gewerbes ist die Anlage von Badeorten an den Heilquellen am Tiberiassee, im Jordantal und vor allem am Toten Meer, dessen bromhaltiges Wasser bekanntlich große Heilkraft besitzt. Durch Errichtung von Badeort- und Baugesellschaften sowie durch entsprechenden Ausbau des Verkehrswesens würde ein bedeutsamer Faktor zur Behebung der Arbeitslosigkeit gewonnen werden. 6. Die Mineralschätze Palästinas würden, obgleich sie nicht zu übertriebenen Erwartungen berechtigen, Arbeitgebern und Arbeitern zu lohnender Beschäftigung verhelfen. Der zu erwartende große Bedarf an Düngungsmitteln, deren verhältnismäßig hoher Preis und der heute schon befriedigende Stand des Transportwesens wird die bisher als unrentabel erachtete Ausbeutung der Phosphatlager, besonders bei Es-Salt, nunmehr gewinnbringend gestalten. Die bedeutenden Lager an Asphaltkalk bei Nebi Mussa würden erfolgreich bei Straßenpflasterung, wofür gleichfalls ein großer Bedarf im Lande entstehen wird, Verwendung finden. Die Gewinnung von Asphalt und Bitumen sowie von Staßfurter Produkten aus dem Salzwasser des Toten Meeres verdient ebenfalls in diesem Rahmen unsere Aufmerksamkeit. Vielleicht werden die mit aller Energie vorzunehmenden Bohrungen nach den vermutlich vorhandenen Erdölquellen am Toten Meer und im Adschlun eine ganz neue Phase in die Industrie Palästinas hineintragen. 7. Zu den größten Erwartungen berechtigen uns die in den Wasserkräften Palästinas ruhenden Energiequellen. Wenn deren Nutzbarmachung für die Industrie auch in einer ferneren Zukunft liegt, so ließe sich dennoch durch die Erschließung der zahlreichen kleineren Wasserkräfte die Energie für die Elektrifizierung der Bahnen vor allem! aber für den Antrieb der für die Bewässerung in den Kolonien in Verwendung befindlichen Motoren gewinnen. Für die Notstandsaktion könnte auch die große Jordanwasserkraft ins Auge gefaßt werden, deren billige Energie für die 'Herstellung von Kalkdünger Verwendung finden könnte. Es könnte damit eine provisorische Industrie ins Leben gerufen werden, die es ermöglichte, für die Anlage von Spinnereien und Webereien und sonstigen im Lande anzusiedelnden Industrien die hierfür erforderliche lange Zeit anderweitig auszunutzen. Durch Heranführung der Elektrizität an die nächsten Küstenorte wird die Kalkdüngerindustrie (durch die billige Beschaffung sowohl der ersteren als des in der Nähe in Ueberfluß vorhandenen Kalkes) schnell zum Export nach dem ganzen Mittelmeergebiet schreiten können. 8. In den Rahmen der Notstandsaktion müßte auch die eine und die andere der von unseren Fachleuten schon jetzt als aussichtsreich befundenen Industrien gezogen werden. Man muß sich davor hüten, in theoretische'r Verbohrtheit die Beschränkung auf die landwirtschaftliche Kolonisation zu predigen. Es gilt unsagbares Elend zu lindern und die Verwiriclichung unseres nationalen Ideals im gegenwärtig günstigen Moment zu sichern. Die harte Wirklichkeit ist zwingender als jede zurechtgelegte Theorie, die uns durch ihre Beschränkungen die Schmach bringen wird, daß ein großer Teil der zur Uebersiedlung nach Palästina bereiten Masse in die Schwitzhöllen und Massenquartiere der europäisch-amerikanischen Industriestädte verschwinden wird. Ueber die Aufbringung der erforderlichen Kapitalien sowie über Organisationsfragen können in diesem engen Rahmen nur Andeutungen gegeben werden. Man wird sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß für eine so großzügige Notstandsaktion ungeheuere Kapitalien notwendig sind, für die selbst die 100 Millionen Dollar-Anleihe in Amerika nicht ausreichen wird. Es wird daher unumgänglich sein, private Kreise in weitestem Umfang zur Beteiligung an den vielen zu gründenden Gesellschaften und Unternehmungen heranzuziehen. Damit dies mit Erfolg geschehen kann, ist eine umfassende Propaganda durch zahlreiche hierfür einzusetzende Kommissionen in allen

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