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Volk und Land · 1919-06-19 · Heft 25-26 (19.6.1919) · p. Seite 825-826

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 25-26 (19.6.1919)
Date
1919-06-19
Page
Seite 825-826 (sequence 33)
Language
German
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826 VOLK und LAND 825 Verhältnisse, der hat auch gesehen, wie die arabische Jugend unsere Jugend verdorben hat. Der hat auch, j wo er hinkam, nur die arabische Sprache gehört. Und j worauf ist das zurückzuführen? Darauf, daß das jü-; disehe Leben von andern gemacht wurde. Und es wird davon keine Erlösung geben, wenn nicht das Schaffen am Boden und an der Kultur in jüdischen Händen liegen wird. Das ist die Bürgschaft, die uns die Möglichkeit I für eine gesunde kulturelle Erneuerung gibt Die gesunde { kulturelle Erneuerung kann nur>geschafferi werden durch | gpcrrndes jüdisches Leben. Und das können wir schaffen, c daß wir uns mit den Arabern verfeinden. Die sind dem fleißigen jüdischen Arbeiter, der von seiner Hände Schaffen lebt, nicht böse. Feindlich gesinnt sind sie nur dem jüdischen Besitzer, der sie ausbeutet. Denn der jüdische Arbeiter, der höhere Ansprüche hatte und deshalb nicht in den alten Kolonien angestellt wurde, kann ihnen ihr Leben nur verbessern. Und deshalb müssen wir in Palästina ein gesundes, sozialistisches Leben schaffen. „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen!“ KAPITAL UND ARBEIT Zusammenfassendie Wiedergabe des Referates von Dr. Max Strauß. Die Verbindung zionistischer und sozialistischer Tendenzen beweist nicht, wie viele Zionisten glauben, einen Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl. Es gibt in Europa heute keine bewährten Wirtschaftsformen, da das bestehende Wirtschaftssystem sich in einer sehir schweren Krisis befindet. Außerdem haben die großen Führer des Zionismus immer an einen Neubeginn, reicht an eine bloße Uebertragung des bestehenden, europäischen Systems nach Palästina gedacht. Die Entwicklung zum Sozialismus hin ist eine geschichtliche Notwendigkeit und die Zionisten, die das sehen und dementsprechend für eine sozialistische Gestaltung Palästinas eintreten, handeln nicht aus einem schwächeren, sondern aus einem' schärferen Verantwortlichkeitsgefühl heraus. Bei der Erörterung der Frage des Verhältnisses von Kapital und Arbeit in Palästina ist von einer einfachen Grundtatsache auszugehen, daß nämlich beide Faktoren, jüdisches Kapital und jüdische Arbeit, für unsere Kolonisation in gleicher Weise unentbehrlich sind. Unser Problem ist nicht, wie das der europäischen Völker, die Organisation vorhandener Produktionsmittel, vielmehr die Neugewinnung von Produktionsmitteln, über die unsere palästinensische jüdische Volkswirtschaft noch nicht verfügt. Dazu wird es für absehbare Zeit notwendig sein, Kapital aus anderen Ländern zur Kolonisation Palästinas heranzuziehen. Dieses Kapital hat eine Reihe unentbehrlicher Funktionen; Den Erwerb des Bodens, die Vorbereitung des L^ßdes (Sanierung, Okkupationsarbeiten, Schaffung von Wohnstätten), die Beschaffung von Produktionsmitteln und die Ernährung der Einwanderer bis zu dem Zeitpunkt, in dem ihre Arbeit hinreichenden Ertrag abwirft. Ist jüdisches Kapital ein unentbehrliches Mittel für die Kolonisation, so muß ihre Grundlage die jüdische Arbeit sein. Abgesehen davon, daß sie uns erst die Berechtigung gibt, den Aufbau eines jüdischen Gemeinwesens zu erstreben, gibt sie auch in nationaler Beziehung allein die Gewähr für seinen dauernden Bestand. Fremdnationalle Oberschichten haben sich fast stets dier andersnationalen arbeitenden Bevölkerung anpassen müssen. Endlich vermeidet die jüdische Arbeit die unerträgliche Verschärfung der Verhältnisse, die beim Ueberwiegen/ fremder Arbeit durch das Zusammentreffen sozialer und nationaler Gegensätze auf die Dauer eintreten müßte. Steht so die Notwendigkeit beider Faktoren für den Aufbau Palästinas fest, so erhebt sich weiter die Frage nach ihrer Beschaffenheit. Das jüdische Kapital kann in Palästina in verschiedenen Formen auftreten; 1. Kapitalien, die zur Verfügung des Volkes stehen, als unbeschränktes Eigentum (Nationalfonds) oder als verzinsliche Anleihe. Trotz aller Anstrengungen wird es kaum möglich siein, den ganzen Kapitalbedarf für Palästina auf diese Weise zu decken. 2. Rubaschoff hat darauf hingewiesen, daß man die jüdischen Gemeinden zu einer erheblichen regelmäßigen Beitragsleistung für den Aufbau Palästinas heranziehen müsse. Die Propaganda dafür wird einen wesentlichen Teil unserer Diasporaarbeit bilden müssen, indessen ist für die nächsten Jahre noch nicht auf Erfolg zu rechnen. 3. Es wird also unumgänglich nötig sein, auch Privatkapital in Palästina arbeiten zu lassen. Das wird aber nicht, wie viele das verlangen, in uneingeschränkter Weise geschehen dürfen. Es ist allerdings richtig, daß ein Teil der Privatkapitalisten aus ideellen Motiven nach Palästina gehen wird, aber es ist fraglich, ob dies der größere Teil ist. Außerdem besteht sogar bei Zionisten häufig eine absolute Trennung zwischen ihrer ideellen zionistischen Arbeit und ihrem praktischen Verhalten im Wirtschaftsleben. Wenn man sagt, daß in Palästina bisher keine großen Reichtümer erworben worden sind, so li€gt dies nur an den zurückgebliebenen wirtschaftlichen Verhältnissen des Landes. Günstige Konjunkturen sind stets rücksichtslos ausgenutzt worden (Bodenspekulation, Mietswucher). Die Bedenken gegen eine unbeschränkte Freiheit des Privatkapitals verstärken sich bei einer Betrachtung der Beschaffenheit d$r jüdischen Arbeiterschaft, die überwiegend aus gelernten Arbeitern besteht und daher, sowie infolge der geistigen Veranlagung des jüdischen Volkes, für die. sozialistischen Ideen sehr empfänglich ist. Der Redner spricht sodann über die Grundprinzipien des Sozialismus. Die jüdische Arbeiterschaft wird sich nur dann in ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina einfügen, wenn sie die Ueberzeugung hat, nicht für die Interessen einzelner Kapitalisten, sondern für die Volksgesamtheit zu arbeiten. Diese seelische Tatsache ist genau so real, wie die seelische Stimmung des Kapitalisten, der sein Geld nur gegen einen angemessenen Nutzen herzi^eben entschlossen ist. Ein gefährliches Experiment machen nur die, die mit dieser Tatsache nicht rechnen. Welchen Weg gibt es, sich gegenüber den widerstreitenden Interessen von Kapital und Arbeiterschaft zu verhalten? Manche Sozialisten wollen zunächst das Privatkapital ungezügelt arbeiten lassen, umi dann, wenn es seine Aufgabe erfüllt hat, eine sozialistische Revolution durchzuführen. Das ist indessen eine Unmöglichkeit, da die Arbeiter nicht so lange warten würden', sondern der Kampf in Palästina vom ersten Tage an einsetzen würde. Es muß also die Aufgabe des jüdischen Gemeinwesens sein, sich um einen Ausgleich zu bemühen, jedoch nicht in der Richtung, daß man sich auf den Boden des Kapitalismus stellt und widerwillige Zugeständnisse an die Arbeiterschaft macht, sondern, in- *) Infolge Erkrankung des Referenten war es uns bisher leider nicht möglich, den Wortlaut dieses Referats zu erlangen. Wir müssen uns mit der hier folgenden kurzen Zusammenfassung begnügen. Wir verweisen aber auf die Wiedergabe der Diskussionsreden zu diesem Thema.

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