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Volk und Land · 1919-06-19 · Heft 25-26 (19.6.1919) · p. Seite 823-824

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 25-26 (19.6.1919)
Date
1919-06-19
Page
Seite 823-824 (sequence 32)
Language
German
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823 reicht auch nicht aus, daß jüdische Menschen nach Palästina gehen. Dadurch ist das jüdische Leben noch nicht verbürgt. Vielmehr fängt unsere Aufgabe da erst an. Denn gerade in dem Herübergehen der jüdischen Menschen liegt auch eine große Gefahr. Die Massen des Ostens, die herüberströmen werden, und die wir nicht aufhalten wollen und können, werden eine furchtbare Wirtschaftskatastrophe herbeitühren und werden Palästina von einem Einwanderungsland zu einem Wiederauswanderungsiand machen. Durch alle diese Katastrophen hindurch aber muß das jüdische Palästina verwirklicht werden. Und das ist die erste Aufgabe des Hechaluz. Der Hechaluz soll der Vortrupp des jüdischen Volkes werden, um die Arbeit dort zu diszuplinieren. Und seine zweite Aufgabe ist seine wichtigste: Er soll den Menschen, die'herüberkomimen, das Vorbild der neuen jüdischen Gemeinschaft geben. Wenn wir vom Aufbau Palästinas sprechen, so wissen wir, daß -er nicht erfolgen kann durch das Kommando iigendeiner Leitung, von oben her, sondern nur durch den Geist der Menschen, die gewillt sind, gemeinschaftlich ihr alltägliches Leben einzusetzen für den jüdischen Aufbau. Und1 die Menschen, die das wollen bilden den Hechaluz. Die Hechaluz- Bewegung ging von Amerika aus 'und bat jetzt auch einen großen Teil der deutschen Juden ergriffen,;und viele von der Jugend sind aufs Land gegangen oder erlernen ein Handwerk, umi sich schon "jetzt auf das Leben in Palästina vorzubereiten. Und was hat nun der Hechaluz Vomi Delegiertentag zu fordern? Den Geist zu schaffen durch irgendwelche Institutionen ist natürlich unmöglich. Aber den einzelnen Menschen, die diesen Geist tragen, die Möglichkeit zu geben, sich auf Palästina vorzubereiten! Denn hier liegt bis jetzt noch eine große Schwierigkeit. Es sind so viele, die wohl den festen Willen auf Palästina haben, die sich aber nicht vorbereiten können, einfach deshalb, weil ihnemdas Geld dazu fehlt. Und das ist etwas Furchtbares! Wir fordern deshalb vom Delegiertentag, daß er seine zentrale Aufgabe im Ausbau und in der Unterstützung des Hechaluz erblickt zum Aufbau Palästinas. Daß er den Menschen, die das Geld zur Ausbildung nicht haben, die Mittel gewährt. Es ist notwendig, landwirtschaftliche Lehrstellen zu schaffen. Es bestehen wohl in Deutschland schon einige; doch sind die meist aus privater Initiative errichtet worden. Deshalb fordern wir, vdaß man uns aus denn Aufbau-Fonds für Palästina Mittel für den Hechaluz gibt. J. Reichert: Sehr geehrte Konferenz, es ist in der Geschichte des deutschen Zionismus das erste Mal, daß eine sozialistische Gruppe entstanden ist. Dadurch ist eine große Differenzierung entstanden. Diese Differenzierung wird von mancher Seite als Nachteil angesehen. Ich aber und mit mir die Fraktion Hapoel-Hazair meinen, daß diese Differenzierung notwendig und gut ist. Die Hapoel-Hazair-Bewegung, die diese Differenzierung in den Delegiiertentag hineingetragen hat, hat auch die historische Verantwortung auf sich genommen, die Folgen dieser Differenzierung weiter zu tragen. Wir wollen dadurch der Jugend, die nach Palästina gehen will, den Weg dahin zeigen. Und wie wir zu unserer Freude sehen, haben unsere Ideen auch einen großen Teil dieses Delegiertentages erfaßt. Wir hoffen, daß diese Differenzierung auch in der Zukunft ausschlaggebend sein wird. Aber etwas muß uns allen höher stehen als diese Differenzierung, die ausgjng von Palästina und in der Diaspora bereits einen großen Teil der Jugend und der Arbeiterschaft erfaßt hat: Das nationale Interesse. Die Hapoel-Hazair-Bewegung, die in Palästina entstanden ist, ist ein Produkt der jüdisch-nationalen Erneuerung. Ihre sozialistische Forderung, die vor etwa 824 zehn Jahren in die palästinensische Arbeiterschaft hineingetragen wurde, scheint uns die Lösung zu sein, um auf das jüdische Golusleben in Palästina die Hapoel-Hazair-Gedankcn, die dem Empfinden der jüdischen Arbeiterschaft dort entsprechen, folgen zu lassen. Aus diesem Bewußtsein heraus hat sich der Hapoel Hazai'r in den Dienst der gemeinsamen Sache, der Volkssache gestellt und aus dieser Verantwortung stellt der Hapoel- Hazair seine Forderungen auf. Heute ist von mancher Seite gesagt worden, was wir gehofft und. erwartet haben. Und doch sind unsere Gedanken noch nicht im ganzen Volk. Das haben uns einige Redner gezeigt, die uns sehr enttäuscht haben. Besonders mein Vorredner hat uns gezeigt, daß der alte jüdische Geist von einer schweren Kruste umgeben ist, und wir müssen ihn reinigen. Der jüdische Geist muß eine Wiedergeburt durchmachen. Lesen wir in der jüdischen Geschichte der letzten Jahrhunderte, so zeigt sie uns, daß wir Knechte waren. Dieser Geist der Abschaffung der Knechtschaft liegt unseren Forderungen zugrunde. Wir wollen ein neues jüdisches Leben, ein gesundes soziales und nationales Leben. Mau kommt, und man sagt uns: „Ihr seid Experimentatoren! Ihr wollt mitmachen!“ Oder: „Ihr wollt Palästina zu Eurem Versuchskaninchen machen l“ Ich bin überzeugt, daß schon im alten Judentum, zur Zeit der Propheten, die Leute bei deren Reden gesagt haben: „Wir sollen Eure Versuchskaninchen sein!“ Man muß zum neuen Aufbau von Palästina alles sagen, was gesagt werden muß, und Palästina kann nur sozialistisch aufgebaut werden; denn es gibt keine andere. Möglichkeit, die uns ein neues jüdisches Leben verbürgt. Wir müssen von allen Genossen unseres Volkes eins verlangen; es gibt nur einen Imperativ, dem sich das ganze Volk fügen muß; das ist der nationale Imperativ. Keine Klasse soll Vorrechte haben. Wir werden ankämpfen gegen jede Diktatur, von welcher Seite sie kommen mag, mit allen Mitteln. Geehrter Delegiertentag, Wir* hoffen sehr, daß die Diktatur der linken Seite, die in letzter Zeit so laut proklamiert wird, der die Zentren der Arbeiterschaft angehören, sich auf ihr gesundes nationales Gefühl besinnen werden. Und auch die Rechtsstehenden dürfen nicht kämpfen gegen die „Diktatur des Proletariats“. Wir hoffen, da& diese Diktatur des Proletariats von Palästina abgewendet werden kann. Und wenn das nicht geschieht, so werden wir auch weiter unsere Pflicht tun und dann genügend Freunde auch im andern Lager finden, die uns vor der Gefahr bewahren. Aber wir wünschen dies nicht im Sinne derjenigen, welche kapitalistisch denken. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie nicht da sein würden. Ihr, die Ihr so sprecht von Kapitalismus, Ihr habt gar kein Recht, über die Diktatur des Proletariats zu sprechen, denn das kapitalistische System, das nach Palästina verpflanzt werden soll, ist auch die Diktatur einer Klasse. Es soll da aber nur eine Diktatur geben, die Diktatur des jüdischen Volkes. Und diese großen Programme, die unserer harren, wollen wir von vornherein lösen. Das Problem der jüdischen Arbeit in Palästina, über das Strauß referierte, das ist das Kernproblem unseres Lebens in Palästina. Der alte Jischuw hat aufgehört. Es gab wohl schon eine Zeit, wo man in Palästina Boden in Besitz nahm; aber nur den Boden, nicht auch die Arbeit. Nach diesem System sind viele der alten Kolonien aufgebaut, wie z. B. Petadb Tikwah. Dort fehlt der jüdische wahre Geist. Petach Tikwah ist eine Korruption jüdisch-nationaler Oekomomie. Das wird keiner abstreiten, der das Leben dort gesehen hat, wo 3000 arabische Arbeiter angestellt waren, um den Boden zu bebauen und nur einige wenige hundert jüdische Arbeiter, so daß die Mehrzahl der jüdischen Arbeiter im Lande, wo es noch andere, ähnlich eingerichtete Kolonien gab, brotlos waren, lind nur mit Mühe ihr Leben fristeten. Und wer wird sagen, daß ein solches Leben nicht korrupt ist! Wer einen Einblick gehabt hat in die VOLK UND LAND

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