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Volk und Land · 1919-06-19 · Heft 25-26 (19.6.1919) · p. Seite 819-820

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 25-26 (19.6.1919)
Date
1919-06-19
Page
Seite 819-820 (sequence 30)
Language
German
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VOLK UND LAND 820 819 mir als das größte Unglück. Dagania ist der Versuch dessen im Kleinen, was der Bolschewismus im Großen will. Dagania ist ein Stück Land, auf dem sich eine Gruppe, etwa 14 Arbeiter, niedergelassen haben. Diese Gruppe stellte in bezug auf Moral und andern guten Eigenschaften die besten Leute dar, die es nur geben kann. Und diese Leute bearbeiten nun den Boden Daganias. Und sie bearbeiteten ihn gut. Sie erzielten einen beträchtlichen Gewinn. Der wurde in die gemeinsame Kasse gelegt, und jeder hatte gleichen Anteil an dem Gelde. So kam es, daß der Einzelne arm war; so arm, daß er keinen zweiten Rock hatte und keine Marke für den Brief an die Mutter in Europa. Und dieses Leben erscheint euch als ein Glück, euch von der Linken? Erscheint es euch als ein Glück so arm zu sein, daß sie, als einer von ihnen, krank wurde, an das Palästinaamt iij Prag um Geld 'schreiben mußten für eine Erholungsreise für den Kranken? Wenn euch Armut als ein. Glück erscheint, so hattet ihr es in Dagania sicher. Das wäre, als wenn alLe Menschen in der Eisenbahn 4. Klasse fahren wollten, damit es alle gleich hätten. Ich bin viel mehr dafür, nicht zur 4. Klasse herabzusteigen, sondern den andern heraufzuhelfen in die 2. Klasse, wo ich bin. Das nenne ich Sozialismus. Ich 'meine, es muß bei solch einem Unternehmen einer Sein, der leitet, der für technische Besserung der Einrichtungen usw. sorgt. Der beste Idealist, der Bildner und Schaffer dieser Gruppe, Zwi Jehuda, ist natürlich als erster herausgeschoben! werden, denn die Masse geht hinweg über ihre Führer, wie sie hinweggegangen ist über Liebknecht, Landauer usw. Denn die Masse ist nicht idealistisch. Und so sehen wir, es gibt keinen Ausweg: wollen Sie den Sozialismus Wahrheit werden lassen, so proklamieren Sie den Klassenkampf. Mir sind die Poale- Zion lieber als Sie; denn sie kämpfen mit ehrlicheren Waffen, sie bekennen laut den Klassenkampf. Und der Klassenkampf ist auch etwas allmähliches. Doch ich werde sowohl die Extreme vom rechts wie von links verwarfen. Wir werden den Klassenkampf haben wie alle anderen Staaten, und das Tempo wird das gleiche sein wie in der ganzen Welt. Doch Wenn Ihnen daran liegt, in Palästina die Möglichkeit einer großen, guten Kolonisation zu schaffen, so nehmen Sie diesem Kampf die schärfstem Stacheln.. Dann kommen wir zu einem Gemeinwesen, das Sie versuchen werden, zu stürzen, daß die anderen aber mit Erfolg verteidigen werden. C h. A r loso ro f f: Die Notlage der arbeitenden Massen im Osten ist viel gewaltiger als alles, was man bisher hier davon gesagt hat. Wenn Ruppin gestern darauf hingewiesen hat, daß es nicht die erste Katasprophe ist, die heute über die jüdischem Massen im Osten hereingebrachen ist, so muß man darauf erwidern, daß noch zu keiner Zeit die jüdischem Massen im Osten etwas ähnliches durchlebt haben wie das, was heute über sie hereingebrochen ist. Diese Notlage wird durch vier Tatsachen charakterisiert. Einmal dadurch, daß die Schützenlinie lange Zeit des Krieges durch die von jüdischen Massen bewohnten Gebiete gegangen ist und jeder, der die Okkupation kennt, weiß was das bedeutet. Dazu kommen Bolschewismus und der nationale Haß, der in großen Gebieten des Osten durch die polnische Entwicklung ein Verbleiben der Juden unmöglich macht Und zudem werden den Massen im Osten, durch das amerikanische und englische Einwanderungsverbot ihre letzte Zuflucht versperrt. So ist ihre Notlage auf das Höchste gestiegen. Aber ebenso schwer, wie die Linderung dieser Not ist die schwierige Lage, die in Palästina für uns besteht. Palästina erfordert den Aufbau in einer organischen Weise. Auch der MaximiJismus kann nicht der zentralen Bedeutung Palästinas gerecht werden. Er kann Palästina zu einem Einwanderungsland, nicht aber zu einem Land des jüdischen Volkes machen. Die zentrale Bedeutung Palästinas verlangt, daß wir die Einwanderung und den Aufbau Palästinas in einer bestimmtem Richtung organisieren, damit die Aufgabe, die Palästina an uns stellt, von dein neuen Jischuw erfüllt werden kann. Gerade weil die Not im Osten so groß ist, aber auch weil die Kraft des Ostjudentums stark und groß ist, müssen wir alle unsere Kräfte dafür einsetzen, die Palästina-Kolonisation organisatorisch zu gestalten und Einfluß auf die Gestaltung des Landes zu gewinnen. Die Fraktion Hapoel-Haza’ir empfindet die schwere Verantwortung durchzusetzen, daß die arbeitenden Massen des jüdischen Volkes Anteil gewinnen am Aufbau Palästinas. Der Tradition des Hapoel-Haza'ir gemäß muß die Hechaluz-Bewegung, die während der_ Kriegsjahre eine führende Rolle gespielt hat, heute in ihrer vollsten Bedeutung erkannt werden. Beim Aufbau Erez-Israels können nur vom ihr die schwierigen Aufgaben erfüllt werden, von denen Elias Auerbach gesprochen hat. Die Hechaluz-Bewegung, soweit sie noch vorbereitet werden muß, ist allein imstande, gerade weil die Juden fremd in der Landwirtschaft sind, die Grundlage für die ackerbautreibende Bevölkerung Palästinas zu entwickeln. Ihr als Pionierbewegung liegt die Pflicht der nationalen Wiedergeburt Palästinas, der Wahrung die£ Charakters Palästinas, als des nationalen Zentrum® ob. Nicht um Maximalismus und Minimalismus handelt es sich, sondern um eine Kolonisationsmethode, die Palästina aufbaut ini Geiste des Hapoel-Haza'ir, im Geiste der Arbeit und des Sozialismus. Wir müssen uns klar werden, was der Sozialismus im unserem Sinne für dem Aufbau des jüdischen Gemeinwesens in Palästina bedeutet. Er ist die einzig mögliche Kolonisationsmethode. In den Händen der Gemeinschaft muß alles liegen, was die Wirtschaft des Ländles betrifft. Sie muß Produktion und Verteilung regeln und hur die Interessen der Gemeinschaft und nicht die der einzelnen Klassen dürren maßgebend 'sein. Nur durch diese Methode ist eine möglichst große Einwanderung und die Schaffung des nationalen Zentrums im Palästina möglich. Schon die Nationalisierung des Bodens, sichert jedem gegen geringen Pachtzins Boden ans den Händen der Gemeinschaft und sichert so die Frage der jüdischem Arbeit und zugleich die Arbeiterfrage. Wo eine vollkommene Sozialisierung noch unmöglich ist, muß das Mitbiestimmiungsrecht der arbeitenden Massen gewährleistet werden. Wir werden stets dafür eintreten, daß die arbeitenden jüdischen. Massen freie Menschen in ihrem Lande sein werden, teilnehmend nicht nur am wirtschaftlichen, sondern auch am kulturellem Leben des Landes. Die Befreiung der Arbeit wird von. uns gefordert schon um der nationalen und kulturellen Bedeutung Palästinas als Zentrum der ganzen Nation zu begründen. Dies kann nur gesichert werden, wenn die Arbeiter, wenn die jüdischen Massen, in denen noch starke jüdische Kultur lebt, an ihr teilnehmen, nicht so wie es jetzt am Europa Ist. Auch bei einer Massenkolonisatiom wird dem Hechaluz die zentrale Bedeutung Zugemessen sein, als Pionierbewegung der nationalen und sozialen Erneuerung zu wirken. DÜas Leben in Dagania ist dier jerste Versuch! eines gelebten. Sozialismus. Dr. Brünn: Ich rede hier als Palästinenser und Jude und Zionist. In dem sachlichen, ausgezeichneten Referat des Herrn Dr. Strauß, habe auch ich, wie viele andere schon hervorgehoben haben, nur das Eine vermißt: den „jüdischen Geist“. Palästina aber muß im jüdischen Geist aufgebaut werden. Denn was trennt tins jüdische Sozialisten sonst noch von der sozialistischen Gemeinschaft? ln der Praxis, wenn der jüdische Geist nicht

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