Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 25-26 (19.6.1919)
- Date
- 1919-06-19
- Page
- Seite 811-812 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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812 811 .1 -■ -= -.= ~ VOLK UND LAND den bereits erwähnten Hinweisen des Herrn Davis Trietsch in seinem Palästina-Handbuch, schreibt z. B. Herr Dr. Leon Schulmann-Jaffa im Archiv für Wirtschaf tsforschung1 im Orient, I. Jahrgang (1916) S. 78 ff.: ,,Auch die Windpumpen werden in nächster Zeit gebührende Beachtung finden. Die landwirtschaftliche Versuchsstation Atlith bestätigt, daß eine Windpumpe daselbst sehr gut arbeitet und könnte im Lande, wo im Sommer unaufhörlich der Passatwind weht, gute Verwendung finden. . . . Die versuchsweise eingerichtete Windpumpe in Atlith, die den größten Teil des Jahres (nach Aussage anderer das ganze Jahr) in Bewegung bleibt, gibt ca. 3 cbm. Wasser die Stunde, also 30—35 cbm täglich. . . ,“14) Ferner antwortete Herr Ing. S. Kaplansiky auf eine vom Verfasser gestellte dies bbezügli che Frage durch einen Brief an das Zionistische Zentralbüro15): „Eine „Eine Windturbäne sah lieh im Gebrauch in der Versuchsstation in Atlith und hörte von Agronom Bermann, daß sie sich bewährt hat. An sich scheint mir, daß Palästina em weites Anwendungsgebiet für Windmotoren darstellt. Die Winde an der Meeresküste, ebenso am Tiberiassee16) treten mit einer solchen Regelmäßigkeit auf, daß jeder Techniker bei einer flüchtigen Beobachtung den Eindruck hat, daß hier eine billige Kraftquelle außerordentlich vernachlässigt wird.“ Ebenso günstig äußerte sich Herr Dr. Arthur Ruppin vom zionistischen Palästina-Amt über die Windmotoren, von denen er viel hält und von denen er glaubt, daß sie in Palästina viel Verbreitung finden können17). Sind diese Aeußerungen mit Ausnahme des Zeugnisses von Herrn Kaplansiky bzw. Bermann über den Motor in Atlith, (hauptsächlich als Meinungen von bekannten und hervorragenden, aber auf dem Gebiete der Windmotoren nicht fachmännisch vorgebildeten Kennern und Förderern der wirtschaftlichen Verhältnis:« Palästinas zu bewerten, so sind1 die folgenden Meinungsäußerungen des Herrn Dipl.-Ing. Ernst Frank die eines Spezialisten, der die „Vereinigte Windturbinenwerke“ in Dresden vor dem Kriege in Palästina vertreten hat. Er schreibt in einem Briefe vom 1. Nov. 1917 an 14) Also 10—15 Windstunden täglich. 15) Briet vom 25. Juni 1917, 16) In Ain-et-Tabgha hat, nach einer Mitteilung des Herrn Dr. Ruppin, der deutsch-katholische Verein seit 10 Jahren einen Windmotor in Betrieb, der gut funktioniert. Ebenso ist kurz vor dem Kriege von einem deutschen Kolonisten in Haifa ein Windmotor aufgestellt worden. 17) Brief vom 28. Juni 1917. den Verfasser, aus der Etappe in BeerSeba: „Ueber Betriebsergebnisse kann ich Ihnen folgendes mitteilen: Tabgha am Tiberiassee: Der Motor hat angeblich befriedigend funktioniert. Haifa: Ein kleiner Motor (wohl Amerikaner)18) im Garten eines Deutschen leistet nicht befriedigend. Hedschas-Balin: Die Reinschmotoren19) an den Stationen der genannten Bahn haben zu Beanstandungen keinen Anlaß gegeben.“ Ueber die größte andauernde Windstille und die dadurch bedingte Größe des Wasserreservoirs ibzw. der Akkumulatorenbatterie meint Herr Frank, daß man vermutlich „mit weniger als viertägiger Aufspeicherung auskommen kann“. In Deutschland: .rechriHT man, wie bereits erwähnt, mit 4—5 Tagen andauernder Windstille. Schließlich meint Herr Frank: „Zusammenfassend ist meine Ansicht die, daß Windmotoren in Palästina mit Nutzen verwendet werden können; daß eine erfolgreiche Einführung im großen und ganzen aber erst dann möglich ist, wenn durch umfängliche Windbeobachtungen die Entwurfsgrundlagen sichergestellt worden sind.“ Weitere Ausführungen des Verfassers, die an anderer Stelle erscheinen werden, werden an Hand von Daten über die Windverhältnisse Palästinas unter Berücksichtigung des gesamten verwendbaren Windbeobachtungsmaterials darlegen, an welchen Orten des Landes, inwiefern und welche Arten von Windmotoren sich für die landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation Palästinas eignen; werden die bisherigen Erfahrungen mit diesen Motoren in anderen Ländern besprechen und werden untersuchen, inwiefern ihre Wirtschaftlichkeit, trotz höherer Anlagekosten, allen anderen bisher besprochenen Motoren gegenüber gewährleistet wird. Aus den bisherigen Ausführungen läßt sich aber das Eine wohl einsehen, daß nämlich nur diejenigen Motoren in Palästina auf die Dauer wirtschaftlich werden arbeiten können, die nicht von den fremden einzuführenden teuren Brennstoffen, sondern von den Naturkräften des Landes: Wasser, Sonne und Wind abhängig sind, und daß für die ersten dringendsten Sanierungsundl Bewässemngsarbeiten die Windmotoren mit in erster Reihe berücksichtigt werden müssen. lö) Dieser Motor scheint also nicht mit dem von Herrn Dr. Ruppin erwähnten, der Dresdner Fabrikat ist, identisch und wohl auch nicht richtig dimensioniert zu sein. Die alten amerikanischen Fabrikate sind) von den deutschen und dänischen überflügelt worden. Den Motor in Atlith scheint Herr Frank nicht gesehen zu haben. iy) Fabrikat Carl Reinsch, jetzt Vereinigte Windturbinenwerke, Dresden. Die Türken haben in den Wasserstationen der Hedschasbahn 20 solcher Windmotoren aufgestellt. AUS DEN DEBATTEN Zum Referat Hanfke. Ester mann - Hamburg: Es hat den Anschein, daß in dieser Debatte zunächst zu prinzipiellen Dingen prinzipiell Stellung genommen wird, daß also eine Beratung der einzelnen Fragen noch nicht stattfindet. Ich möchte daher nur einige Worte über eine prinzipielle Auffassung sagen. Man hat vielfach das Empfinden, daß wir gezwungen sind, in vielen Dingen unsere Erwartungen zurück aistecken und daß wir unsere Hoffnungen getäuscht sehen. Es gingen durch die Presse merkwürdige Sachen. Es wurde gesagt, daß man den Juden in Palästina nur die Gleichberechtigung gebe /und dies sei eine große Enttäuschung. Man braucht es nur umzukehren und die Dinge liegen so; daß diejenigen, die in Palästina wohnen, die Rechte haben wie die Juden in anderen Ländern sie erstreben. Wir denken nicht daran, Völker zu vergewaltigen. Es ist selbstverständlich), daß wir in Palästina Gleichberechtigung für alle beanspruchen und wenn man uns das in dem Sinne entgegenhalt, daß uns dadurch eine Enttäuschung geworden sei, so können wir nur antworten, daß man über die Auffassung der Gleichberechtigung eines Volkes in einem Lande, nicht die richtige Auffassung hat. /- * Zum Referat Trietsch. D r. R u p p i n: Ich beginne mit der Erwiderung auf das, was Herr Trietsch anläßlich seines heutigen Referates gegen Oettinger vorgebracht hat. Ich hätte nichts dagegen, wenn man das Buch sachlich hier angreifen wollte; aber es kommt mir vor, als sähe ich einen Indianerhäuptling vor mir, der den blutigen Skalp des Besiegten hoch emporhebt. Herr Trietsch tritt schon seit zwei Jahren mit Vorwürfen gegen Oettinger auf, nun mluß er die Entdeckung des vermeintlidien Rechenfehlers Oettingers