Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 25-26 (19.6.1919)
- Date
- 1919-06-19
- Page
- Seite 809-810 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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809 VOLK UND LAND 810 liehe Pumpen, Wasserschnecken, Dynamomaschinen oder Transmissionen überträgt. Das Rad ist auf einem eisernen oder hölzernen Turm von passender Höhe montiert, und dieser in der Erde fundiert oder auf Gebäudedächern befestigt. Die Räder haben selbsttätige Regulierung nach Windrichtung und stärke, meistens so, daß sie sich bei zu starkem Wind aus dem Winde drehen und bei nachlassendem Wind durch Federkraft in die ursprüngliche Lage zurückgedreht werden. Durch Kugellagerung und passende Flügelform ist ein Anlauf bei dem kaum merklichen Winde von etwa 2 m/Sek. gewährleistet. Die solide Lagerkonstruktion und die Zentralschmierapparate sollen den Motor gegen Windstöße unempfindlich machen und die Bedienung vei einfachen. Die Motoren arbeiten Tag und Nacht selbständig ohne jegliche Aufsicht Und mit nur sehr geringer Bedienung. Diese besteht in der ein- bis zweimal wöchentlichen Schmierung der Lager, die der Kolonist, bzw. der Gewerbetreibende selbst vornimmt und in einer Hebelbewegung zum Abstellen oder Einstei len des Motors. Ferner muß einmal in mehreren Jahren der Farbenanstrich des Eisengerüstes, der als Rostschutz dient, erneuert werden. Bei guten Ausführungen, wie z. B. den dänischen vierflügigen Mühlen nach Prof, la Cour oder den Stahlwindturbinen der Firma „Vereinigte Windituir binenwerke“ u. a. in Dresden, bei welchen die Flügel sorgfältig 'konstruierte, bzw. keine Scharniere haben, sind! auch die Reparaturen auf ein Mindestmaß herabgesetzt. Diese könnten z. B. bei den zuletzt erwähnten Motoren durch Abnützung der Zahnräder und der Lager oder durch Abspannung der Regulierfeder erforderlich werden. Das dürfte aber im allgemeinen erst nach mehreren Jahren, bzw. erst dann ein treten, wenn die ganze Anlage ziemlich amortisiert sein wird. Einige Firmen geben weitgehende Garantien; so z. B. die Dresdner Windturbinenwerke übernehmen die Garantie für absolute Sturmsicherheit für fünf Jahre. Dieser Punkt ist für die palästinensischen Verhältnisse, wo man auch mit den heftigen West- und Südwestwinden oder mit den manchmal orkanartigen Schirokkowinden rechnen muß, von großer Bedeutung. Die Windmotoren werden normal bis zu 12 m Raddurchmesser gebaut, bei welcher Größe sie eine Leistung bis höchstens 23 PS entwickeln können, und zwar bei einer Windstärke von höchstens 8 m/Sek. Geschwindigkeit. Stärkere Winde werden aus Festigkeitsgründen nur bis zu dieser Grenze ausgenützt. Die größten Räder (20 m Durchmesser) entwickeln eine Höchstleistung von zirka 45 PS (am Rade gemessen). Die größten dänischen sogenannten Kegelmotoren nach Sörensen mit 26,85 m Durchmesser, leisten bei einem Winde von 7 m/Sek. 50 PS. Die Friedenspreise der Motoren ohne Turmgerüste waren in Deutschland 550 bis 6800 M., mit eisernen Turmgerüsten zirka 1000 bis 10000 M. (Nach Friedr. Barth. * Die zweckmäßigste Betriebskraft. III. S. 86/87.) Die Windmotoren eignen sich zum direkten oder indirekten Antrieb von Pumpen für Be- und Entwässerung von Ländereien, Rlantagen und Gärtnereien, zur Wasserversorgung von einzelnen Häusern, Spitälern, Eisenbahnstationen, Ziegeleien, Fabriken und Dorfgemeinden (Kolonien) und zur Abwässerbeseitigung in Gemeinden, zum Antrieb Von landwirtschaftlichen Maschinen und für kleingewerbliche Betriebe. So werden sie mit Erfolg Verwendet zum Antrieb von Häckselmaschinen, Dreschmaschinen, Haferquetschen, Trieurs, Schrot-, Dünger-, und sonstigen Mahlmühlen. Sie betreiben Milchseparatoren und Butterzentrifugen, sie liefern die Kraft für kleine Kunsteisfabriken, für Stellmacher und Schmiede, für Sägewerke und Kartonnagenfabriken. Sie liefern, indem sie mit passenden Dynamomaschinen gekuppelt werden, Elektrizität zur Beleuchtung von Haus und Stall, von Werkstätten und Kellereien, sowie-zum Antrieb von Elektromotoren, Ventilatoren, Pumpen usw. Während des Weltkrieges wurden die Windmotoren in Deutschland zu den Maschinen der Dringlichkeitsklasse I gerechnet, so hoch hat man sie bei dem Mangel an Rohstoffen schätzen gelernt. Dem Betrieb mit Windmotoren haften zwei Mängel an, die das bisherige Mißtrauen und Vorurteil gegen sie erweckten. Erstens die Unbeständigkeit und Unregelmäßigkeit des Windes und zweitens die verhältnismäßig hohen Anschaffungskosten. Was das erste anbetrifft, fürchtet man einerseits, daß der Wind zu lange ausbleiben kann, andererseits, daß die Windschwankungen auch unerträgliche Lichtschwankungen in windelektrischen Anlagen verursachen müssen. Allein aus den statistischen meteorologischen Daten eines Landes kann man die Zahl der jährlichen Windstillen und deren längste ständige Dauer feststellen und danach die Windkraft auf Vorrat arbeiten lassen. So z. B. indem man Wasserreservoire auffüllen läßt, die einen Vorrat für so viele Tage enthalten, als die längste Windstille andauern kann, oder indem man der windelektrischen Anlage eine den Windstillen und dem Elektrizitätsverbrauch entsprechende Akkumulatorenbatterie angliedert, die eigentlich in den meisten Fällen, besonders für Beleuchtung, geradezu unentbehrlich sein wird (nicht aber für Fernpumpen). Andererseits sind die Windstillen lauge nicht so andauernd 'wie man im allgemeinen annimfnt. In Deutschland werden z. B. Akkumulatoren für einen Verbrauch von 4 bis 5 Tagen bemessen. Der Wind ist in den höheren Luftschichten stärker als unten, wo er durch Reibung an Erde, Gebäude und Bäume an Kraft verliert So Erklärt sich, daß moderne Windmotoren bereits anlaufen, wenn unten noch kein Wind zu spüren ist. „Wieviel nutzbarer Wind vorhanden ist, merkt man erst daun, wenn man eine gute Windturbine hat“, schreibt Herr Prof. Strecker12). Außerdem kann Was die befürchteten Lichtschwankungen betreffen, so ist durch eifrige Bemühungen des Prof. La Cour und besonders durch den Wettbewerb der Großfinnen A. E. G., Siemens-Schuckert-Werke, Oerlikon und Vereinigte Windturbinenwerke in Dresden ein einwandfreier elektrischer Betrieb ermöglicht ,wordien13). Es wurde einerseits eine genügende Spannungsregulierung erzielt, z. B. durch eine besonders gebaute Dynamomaschine, deren magnetisches Feld .sich umgekehrt wie die Drehzahl des Motors selbsttätig ändert, andererseits wurde, z. B. durch spezielle Automaten, ein Rückkehrstrom von der Batterie zur Dynamo, der Kraftverhist und Beschädigungen veranlassen würde, unmöglich gemacht. Bei den neuesten Systemen geschieht alles vollkommen automatisch, so daß weder Fachkenntnisse noch Bedienung notwendig ist. Nur die Akkumulatorenbatterie erfordert einige Wartung, die sehr leicht und billig ist, sowie niedrige direkte Betriebskosten für Instandhaltung. Diesem ersten Nachteil der Windmotoren kann also Unbedingt abgeholfen werden. Der andere Nachteil, die hohen Anschaffungskosten, beeinträchtigen selten ihre Rentabilität gegenüber den anderen Motoren. Es läßt sich im Gegenteil in sehr vielen Fällen eine wirtschaftliche Ueberlegenheit dieser fast betriebskostenlosen Motore gegenüber allen anderen nachweisen. Es ist im Grunde genommen eine Frage der Finanzierung der Betriebe, die darin besteht, dem einzelnen Kolonisten und Kleingewerbe, sowie den Kolonien und Genossenschaften das Anlagekapital unter leichtesten Bedingungen zu verschaffen. Was schließlich die Eignung der Windmotoren für die palästinensischen Windverhältnisse betrifft, so Hegen darüber Aeußerungen von zuverlässigen sachkundigen Kennern des Landes und von Fachmännern vor, die die in Palästina bereits in Betrieb genommenen Turbinen gesehen haben. Außer 12) Sachs. Landwirtschaft!. Zeitschrift 1912, Nr. 29. man immer noch Je nach dem Fall, ein Göpelwerk oder einen Gasmotor als Reserve bereit halten. 13) Näheres darüber ini „Moderne Windturbinen“ von Otto Stertz, Leipzig 1912, S. 118 ff.