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Volk und Land · 1919-06-19 · Heft 25-26 (19.6.1919) · p. Seite 807-808

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 25-26 (19.6.1919)
Date
1919-06-19
Page
Seite 807-808 (sequence 24)
Language
German
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808 807 -t ■ t — VOLK UND LAND die Höhenverhältnisse des Mittelländischen und des Toten Meeres mit in erster Reihe gehören, die die Phantasie zahlreicher Ingenieure und nicht zuletzt unseren Theodor Herzl beschäftigten und zu immer neuen grandiosen Entwürfen anregten8). Das alles sind aber Aussichten für eine spätere Zukunft Weder meteorologische (Regenmengen) noch hydrometrische (Flußwassermengen), noch Nivellierungsmessungen liegen in auch nur angenähert genügender Anzahl und Zuverlässigkeit vor, als daß der Bau von Wasserkraftanlagen in der nächsten Zukunft in Angriff genommen werden könnte. Jedenfalls fällt hier dem Jüdischen Nationalfonds und anderen evtl, erst zu gründenden nationalen Finanzinstiluten, die gewaltige Aufgabe zu, mit dem Erwerb von Grund und Boden nicht nur zu landwirtschaftlichen Zwecken, sondern auch zur Ausführung'der nötigen Wasserbauten die spätere Versorgung des Landes mit elektrischen Licht- und Kraftzentralen tu ermöglichen. Für die unmittelbaren Zwecke einer Versorgung der landwirtschaftlichen und kleingewerblichen Betriebe mit Motorkräften kommen von den Wasserkraftmaschinen nur Wasserräder und kleinere Turbinen in Betracht, für welche aber in den meisten Fällen ein Reservemotor (Gasmotor) nötig (sein wird Sowohl die einen wie die anderen eignen sich aber nur für besonders günstig am Wasser gelegene Betriebe und können also vorderhand keine allgemeine Bedeutung gewinnen. 4. Der Sonnenmotor. Dieser verhältnismäßig noch wenig1 bekannte Motor besteht aus einer Niederdruck-Dampfmaschine, deren Dampf durch .die Sonnenwärme erzeugt wird Die Sonnenstrahlen wurden zu diesem Zwecke (bei der ersten Ausführung) mittels parabolisch gekrümmten, nach der Sonne drehbaren Spiegeln auf in den Brennpunikttinien derselben gelagerten gläsernen Wasserrohren konzentriert, wodurch das Wasser zum Sieden und zum Verdampfen gebracht wurde. Die Drehung nach der Sonne geschah automatisch. Der Abdampf wurde kondensiert und zurück in die Wasserrohren selbständig befördert. Die Anlage erforderte daher fast keine Bedienung, keinen Brennstoff, auch fast kein Speisewasser, da immer dasselbe wiederholt destillierte Wasser gebraucht wurde, und hat eine größere Lebensdauer (kein Kesselstein). Die Anlagekosten sind sehr hoch, in Kairo 80 000 M. für einen lOOpferdigen Motor, machen aber natürlich prozentual immer weniger aus, je größer die Anlage ist. Erforderlich für die Aufstellung eines Sonnenmotors soll eine Temperatur von über 20° C während möglichst vieler Tagesstunden und Jahrestagen sein. Diese Verhältnisse herrschen im allgemeinen in Ländern unterhalb des 37. .Breitegrades, also auch in Palästina, wo z. B. die Gebiete El-Arisch, der Nedjeb, das Edomland und das Ostjordanland (Moab, Ammon) mit der angrenzenden arabischen Wüste besonders in Frage kämen. Da die Sonne nur während etwa 5—8 Stunden ami Tage genügende Wärme entwickelt, und sie, wenn auch nur für wenige Tage im Jahre von Wolken. bedeckt wird, muß die Anlage im Verein mit einer genügend reichlich bemessenen Akkumulatorenbatterie arbeiten, wenn man ständige Kraftentnahme ermöglichen will. Der Sonnenmotor treibt dann eine Dynamomaschine an, und diese lädt die Batterie auf. Betriebserfahrungen liegen bis jetzt meines Wissens nur von drei solchen Anlagen vor, und zwar von einem 10 pferdigen Sonnenmotor in Pasadena in Kalifornien, Anlagekosten 10 000 Mark, einem 50 pferdigen in Tacony bei Philadelphia und einem lOOpferdigen in Meadi bei Kairo, Anlagekosten 80 000 M. Außerdem ist vor Kriegsausbruch ein 100 pferdiger Motor von der englischen Regierung für ») Siehe u. a. „Altneuland“ III, 173 ff., „Palästina* IV, 132, VI, 143 ff. und besonders VIII, 143. Elektroitechm. Anzeiger 1919, Nr. 335 S. 162. Dr. Gradenwitz: Die wirtschaftliche Erschließung und Elektrisierung Palästinas. Tayiba im Sudan in Ausführung gegeben. Zwar wies jede neue Ausführung technische Verbesserungen auf, den größten Mangel aber scheinen diese Motoren bewahrt zu haben, und zwar den, daß sie die Soiinenwärme nicht genügend: .ausnützen können. So z. B. wird in einem Von dein Erfinder Frank Shuman herausgegebenen Prospekt0) selbst zugegeben, daß der längste Tagesbetrieb in Meadi bei Kairo nur Sy* Stunden dauerte, nachdem er zuerst 350 Tage X 8 Stunden/Tag als Betriebszeit angenommen hatte, und daß während der anderen Tagesstunden die Sonne zu schwach war, um genügenden Dampf erzeugen zu können. Außerdem berichtet Herr Professor Lummer10), daß der Motor bei Kairo, den er bei der Arbeit sehen wollte, im Winter bei einer Temperatur von 20° Celsius immer noch nicht Anlaufen wollte. Er reiste nach mehrtägigem Aufenthalt ab, ohne den Motor laufen gesehen zu haben. Insofern gibt also die in dem erwähnten Prospekt von einem amerikanischen Zivilingenieur aufgestellte Rentabilitätsberechnung, auch abgesehen von der ziemlich willkürlichen, weil nicht auf Erfahrung beruhenden Feststellung der Amortisationsqüote der Anlage, ein übertrieben günstiges Bild ab, wenn dieser ihr eine Arbeitszeit von 365 Tagen zu 10 Stunden zugrunde legt. Trotzdem ist anzunehmen, daß ein Betrieb mit Sonnenmotor in Palästina, bei den teuren Brennstoffen, sich in der Zukunft mindestens ebenso wirtschaftlich günstig stellen wird, wie der Betrieb mit Wiasserkraftmaschinen. Nach Shumans Berechnung beginnt nämlich der Sonnenmotor rentabel zu arbeiten in Ländern, wo der Kohlen-Friedenspreis höher als 8 sh./Tonne ist. Man kann daher sogar erwarten, daß mit der Vervollkommnung der Sonnenmotoren, die Versorgung Palästinas mit Elektrizität in Zukunft mittels der. kombinierten Wasser- und Sonnenkraftanlagen geschehen wird, indem man die Tatsache ausnützen wird, daß zur Zeit des größten Wassermangels die Sonnenhitze .am größten ist und! umgekehrt, während der Regen- und Winterzeit. Man wird sich allerdings nicht entschließen, zu Siedlungszwecken noch irgendwie brauchbares La^nd für die Sonnenkraftanlagen zu opfern, sondern man wird Steppen- und Wüstenländereien dazu nehmen (ein Dunam mit Spiegeln bedeckten Landes soll etwa 90 PS liefern können) und die gewonnene elektrische Energie nach dem Wöhnlande schicken, wofür amerikanische Vorbilder bereits existieren. Aber auch diese sind Zukunftsprobleme, die sicherlich werden gelöst werden, wenn eine stärkere jüdische Bevölkerung im Lande selbst die Sache in die Hand nehmen wird'. Für die uns näher liegenden Zwecke der kleinen landwirtschaftlichen und industriellen Betriebe kommen aber diese Sonnenmotoren mit Rücksicht aiuf die zu höhen Anlagekosten, vielleicht auch wegen ihrer vorläufigen Unvollkommenheit noch nicht in frage. ' I . . Anders steht es aber mit denjenigen Motoren, mit . welchen wir uns noch jetzt zu beschäftigen haben. 5. Die Windmotoren. Auch, auf diese, ebenfalls wenig bekannten Motoren, ebenso wie auf die Sonnenmotoren, hat Herr Davis Trietsch bereits seit mehreren Jahren als auf mit Rücksicht auf die palästinensischen Verhältnisse sehr geeignete Maschinen wiederholt hingewiesen11). Der Windmotor besteht aus einem Rade mit mehreren Flügeln, in der letzten Zeit aus Stahlblech, das vom Winde in Rotation versetzt wird, Und welches diese Bewegung mittels Zahnräder und Wellen auf unterhalb oder auch in größerer Entfernung sich befindy) Gedruckt bei ’Rixoin: and Arnold, London E. C., Poultry 29; vid auch „The Engineer“ 1914, S. 484. A practical sun-power plant. 10) „Kultur und Radium“, Berliner Tageblatt vom 17. 12. 16. 1X) Trietsch, „Palästina-Handbuch**, 3. Aufl. S. 249 und 252.

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