Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 25-26 (19.6.1919)
- Date
- 1919-06-19
- Page
- Seite 805-806 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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$05 VOLK UND LAND 80ö betrieb wirtschaftlich arbeiten könnte. In noch stärkerem Maße gilt dßs für die Motoren, die mit den Gichtgasen der Hochöfen arbeiten, die noch dazu an diese örtlich gebunden sein 'würden. b) Die 5 a uggas motor e n, die mit einem aus Anthrazit oder Koks gewonnenen, sogenannten Kraftgas arbeiten, sind günstiger als die Dampfmaschinen, da $ie den Brennstoff besser ausnützen. Die in Syrien und im Lybanon vorkommende minderwertige Braunkohle* 3) könnte, mittels neuzeitiger Methoden für die Erzeugung von Kraftgas, auch verwendet werden. Dazu wären allerdings besondere Gasgeneratoren notwendig, die die ohnehin großen Anlagekosten inoch erhöhen würden. Die Anlagekosten bilden überhaupt den wundesten Punkt dieser Motore, die besondere Gaserzeuger, womöglich noch Doppelgeneratoren, Gasreiniger für den giftigen Auspuff erfordern, und Ikommen den Anlagekosten gleich großer Kohlendampfmaschinen ungefähr gleich zu stehen. Aber auch die Betriebskosten sind hoch genug: zu den teuren Anthrazitköhlen und deren Transportkosten kommt der Kühlwasserverbrauch, die sachkundige und peinliche Bedienung, von (weicher die Betriebssicherheit der ganzen Anlage abhängt und die oft vorzunehmende Reinigung des Motors und der Kühlräume. Trotzdem kann man, wie Ing. Wilibuschewitz nachgewiesen hat4), eine höhere Rentabilität der Sauggasmotoren gegenüber den am meisten in Palästina gebrauchten Motoren, den Petroleummotoren, jiachweisen, worüber noch später die Rede sein wird. Die Sauggasmotoren bürgern sich aiuch immer mehr in Palästina ein, und verdrängen allmählich, z. B. aus der Mühlenindustrie5), den Petroleummotor. c) Die Benzin-, Petroleum- und Spiritusmotoren. Diese Motoren eignen sich besonders gut für landwirtschaftliche Und gewerbliche Kleinbetriebe undl sind, mit Ausnahme der zuletzt erwähnten, in Palästina die am meisten verbreiteten Typen. Ihre Verwendungsfähigkeit wird begünstigt (durch ihre gemeinsamen guten Eigenschaften, wie z. B. ihr Verhältnis mäßig billiger Preis, die gute Ausnützung und das geringe Volumen der Brennstoffe, also Ersparnis an Transport- und Anlagekosten (keine Gasgeneratoren, Kessel und Lagerräume), Betriebsbereitschaft, geringe Wartung. Die Entscheidung über die Wahl dieser Motore hängt natürlich in erster “Reihe von den Kosten des Brennstoffes ab. Spiritus scheidet vorläufig aus, weil er zu teuer ist, um dafür importiert werden zu können, und Schwierigkeiten beim Anlassen bietet, obwohl er besser ausgenützt Wird! und weniger feuergefährlich ist als etwa Benzin. In Zukunft kann aber der Spiritusmotor unter Umständen einige Bedeutung in Palästina gewinnen, wenn nämlich die Spiritusindustrie, die mit Rücksicht auf die im Lande in großen Mengen vorhandene Durra und auf die ausdehnbaren Kartoffelkulturen gute Aussichten hat, genügend billigen Brennspiritus liefern würde. Petroleum ist zu billigerem Preis äjs Benzin in Palästina zu haben, und wird daher trotz gewisser Nachteile diesem gegenüber, sehr viel für Motore verwendet. Trotz (dieser Vorteile der Petroleummotore darf nicht übersehen werden, daß auch/ dieser Brennstoff, da er aus Rußland und Amerika importiert wird, noch immer sehr teuer ist, und daß der aus Mesopotamien zu erhaltende noch auf sich warten lassen wird; daß er wegen Feuersgefahr abgelagert werden muß, wofür bis jetzt ein mitunter sehr erheblicher Betrag an die türkischen Behörden zu zahlen war, und daß auch nach einer evtl. Abschaffung dieser Steuer besondere feuerfeste Lagerräume oder Behälter den Betrieben angegliedert werden müssen, wodurch die Anlagekosten etwas wachsen werden. Ferner haben diese 3) Ruppi/n, Syrien als Wirtschaftsgebiet, S. 127. 4) „Altneuland“ 1904, 353 ff. 5) Trietsch, Palästina-Handbuch, 3. Aufl. S. 233 und 252. Motoren, wie übrigens alle anderen Verbrennungsmotoren, eine kürzere Lebensdauer, verursachen also größere Amortisationsquoten, erfordern eine sachkundige Wartung, sorgfältige Kühlung, öftere Reinigung und ziemlich viele Reparaturen. Waren bei den Sauggasbetrieben die Anlagekosten zu hoch, so sind es bei den Petroleummotoren die Betriebskosten, die den Ausschlag geben. Von einer gewissen Größe an werden daher die Sauggasmotoren wirtschaftlicher als die Petroleummotoren arbeiten. d) Die Oel- /und Rohölmotoren (Dieselmotoren). Diese arbeiten imit Rohöl und seinen Derivaten, wie z. B. Gasöl oder mit dem aus Teeröl gewonnenen Parrafinöl, je nach dem jeweiligen Preise des Brennstoffes. Sie /nutzen die Brennstoffe besser aus als alle änderen Verbrennungsmotoren und haben auch den geringsten Kühlwasserverbrauch, weswegen sich hier die direkten Betriebskosten günstiger stellen. Sie besitzen keine Zündapparate, die überall sonst viele Reparaturen verursachen, sind' betriebsbereit, sehr leicht und schnell anzulassen (und von größerer Lebensdauer. Zwar sind die Anlagekosten höher als bei den anderen Verbrennungsmotoren, auch etwas höher als die der Sauggasmotoren; die Betriebskosten sind aber kleiner als bei jenen *und ungefähr gleich wie bei diesen. Den Ausschlag zwischen den Sauggas- und diesen Motoren wird in Palästina einerseits das Verhältnis der Kosten der für iden Motorenbetrieb nötigen Änthrazit- bzw. Rohölmengen6) geben und andererseits der Wert, den man auf die rein technischen Vorteile des Dieselmotors (Betriebsbereitschaft, geringere Wartung, weniger Reparaturen, reinlicher Betrieb) legt. Dies gilt für die mittleren und größeren Betriebe, während für die kleineren der Petroleum- Und Benzinmotor als die vorteilhaftesten unter den Gasmotoren betrachtet werden müssen. 3. Wasserkraftmotoren. Es sind wohl die Maschinen, die für die Zukunft Palästinas, trotz der damit verbundenen großen Anlage kosten, von der größten Bedeutung sein werden. Die ganz eigentümlichen geographischen Verhältnisse Palästinas, die auf verhältnismäßig kurzen Strecken sehr starke Gefälle aufweisen, schreiben den Wasserkräften des Landes, bei dem Mangel an Kohle und Erdöl, die erste Rolle in der späteren Versorgung mit Kraft Und' elektrischem Licht zju. Man vergegenwärtige sich z. B., daß der Jordan allein auf einer gesamten Luftlinienlänge Von etwa 200 km ein Gefälle von 914 m aufweist, ateo durchschnittlich etwa 4,5 m pro Kilometer, und daß der Merorm und Genezarethsee geradezu natürliche Stauseen bilden z/ur Regulierung der erforderlichen Wassermengen bei schwankendem Wassergehalt des Jordans selbst Aber auch die nach dem Mittelländischen Meer abftießenden Gewässer haben wegen des schmalen Landstreifens zwischen Gebirge und Meer ein großes Gefälle, bilden oft direkt Wasserfälle, und auch im Ostjordanland ist man vor kurzem bei Tell-esch-Schehab, beim Bau der Hedschasbahn, auf Wasserfälle am Jarmuk gestoßen, die zur Versorgung eines großen Teils Palästinas mit Elektrizität genügen dürften7). Die allerdings sehr schwankende Wassermenge, die nebst dem Gefälle, der wichtigste Faktor zur Beurteilung der vorhandenen Wasserkräfte dieser Flüsse bildet, ließe sich durch eine den geographischen und meteorologischen Eigentümlichkeilen des Landes angepaßte Wasserwirtschaft sichern. In der Tat sind es gerade diese Eigentümlichkeiten, zu welchen e) Nach Ruppki op. eit. S. 127 sind vor Kriegs^ ausbruch von der American Standard Oil Co. OeL brumnenarbeiten bei Kumub 70 km südlich Hebron in Angriff genommen und wegen des Krieges unterbrochen worden. 7) Elektrotechn. Zeitschrift 1916, S. 436 und 480 und „Helios“, Fachzeitschrift für Elektrotechnik, 1917 S. 59.