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Volk und Land · 1919-06-19 · Heft 25-26 (19.6.1919) · p. Seite 803-804

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 25-26 (19.6.1919)
Date
1919-06-19
Page
Seite 803-804 (sequence 22)
Language
German
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803 - VOLK UND LAND .- ■ ■= -— ■■===" — - 804 MOTORISCHE PR1MAERKRAEFTE FUER PALAESTINA Vortrag, gehalten im1 „Verband jüdischer Ingenieure für den technischen Aufbau Palästinas“, Berlin. Von Dipl.-Ing. M. Mayersohn. Das Grundproblem der Palästina-Kolonisationsarbeit besteht bekanntlich darin, auf einem sehr kleinen Territorium, wie dem Palästinas, einen möglichst großen Teil des jüdischen Volkes anzusiedeln. Das kann natürlich nur durch eine im höchsten Grade intensive landwirtschaftliche und industrielle Kolonisation geschehen, wobei jene das Ziel zu verfolgen hat, aus einer und derselben Bodenfläche möglichst viele Produkte herauszuwirtschaften, während diese die Produktionsmöglichkeiten für möglichst viele Menschen auf einem und demselben Flecken zu schaffen bestrebt ist. Es ist einleuchtend1, daß dies nür durch eine möglichst vollkommene Aus-, nützung aller Naturkräfte des Landes und durch die Anwendung der modernsten Methoden, herausgebildet aus den letzten Errungenschaften der Wissenschaften und der Technik, geschehen kann, wie dies bereits Herzl in seinem „Altneuland“ vorgeschwebt hat. Es wäre daher angebracht, wenn einmal eine kritische Umschau über die technischen Hilfsmittel gehalten würde, die uns zu diesem Zwecke zur Verfügung stehen. Indessen sollen sich die folgenden Ausführungen nur auf die maschinentechnischen Hilfsmittel beschränken, und zwar nur auf die verschiedenen Betriebsarten, die den motorischen Kraftbedarf der Landwirtschaft, der Industrie des Kleingewerbes und der Gemeindeeinrichtungen in Palästina decken könnten. Es sollen nach einer Uebersicht über diese Betriebsarten diejenigen herausgefunden werden, die sieh für eine intensive Palästinakolonisation am besten eignen, (und es soll insbesondere auf die Windmotoren hingewiesen werden, als auf diejenigen Maschinen, die für die nächste Zukunft für landwirtschaftliche Betriebe und für das Kleingewerbe, sowie für Gemeindeanlagen der Kolonien und Stadtviertel zu allererst mit in Frage kommen dürften. Die Landwirtschaft braucht motorische Kraft für den Betrieb der landwirtschaftlichen Maschinen und zur Be- und Entwässerung von Gärten, Plantagen und Ländereien. Zwar werden Motoren zu diesen Zwecken meist nur auf ausgedehnten Gütern angeschafft, um dem Mangel an Landarbeitern labzuhelfen, und so scheint es zunächst, als ob diese Anschaffung der Forderung einer intensiven Kolonisation widerspricht, die ja mit einer möglichst großen Anzahl Menschen auf denselben Flecken rechnet Tatsächlich/ handelt es sich aber darum, den einzelnen Kolonisten sowohl als den Genossenschaften diejenigen motorischen Kräfte zur Verfügung zu stellen, die ihnen Menschenlund Tierkräfte für andere Zwecke freimachen und es ihnen ermöglichen, aus ihrem Boden in rentabler Weise möglichst viel herauszuwirtschaften. Der Jude, der durch seinen Intellefctuarsmus im allgemeinen verhindert wird, ein regelrechter Bauer, ein „am jhaarez“ im buchstäblichsten Sinne zu werden, wird es leichter halben, wenn er über Maschinen herrschen wird. Die Maschinen werden seinen Intellekt mehr beschäftigen und seiner Tendenz, den Betrieb zu industrialisieren, entgegexiikommen. Zwar ist vorläufig der Gebrauch von landwirtschaftlichen Maschinen, besonders .von Motorpflügen, in Palästina insofern bis zu einem gewissen Grade mißglückt, als einerseits dem Mehraufwand an Produktionskosten kein genügender Mehrgewinn entsprach, und andererseits die angewandten Maschinen den Bodenverhältnissen Palästinas nicht angepaßt waren1). Die Maschinen werden sich aber nach der notigen Fühlungnahme zwischen Fabrikanten und Kunden unschwer umkonstruieren lassen, während mittels zweckmäßig durchgeführten Meliorationen, wie Ent- und Bewässerung, sowie Düngung und durch Anwendung einer geeigneteren, billigeren }) Nach Ruppin, Syrien als Wirtschaftsgebiet, S. 79 ff. Motorkraft sich die Einnahmen aus den erzielten Doppelernten werden so steigern können, daß eine zufriedenstellende Rentabilität gewährleistet wird. Das Kleingewerbe in den Kolonien und Städten braucht motorische Kraft zum Antrieb der verschiedenen Arbeite maschinen, wie Drehbänke, Sägen, Bohrer, Mühlen, Pressen, Pumpen für Eisfabrikation usw., und auch hier würde die Leistungsfähigkeit des einzelnen Kleingewerblers bedeutend wachsen, wenn er die Maschinen, auch die, die er früher mit der Hand oder mit dem Fuße antrieb, wie Hobeln, Schleifsteine, durch eine genügend billige motorische Kraft betreiben könnte. Die Gemeinden schließlich brauchen motorische Kraft zumi Antreiben der Pumpen für Wasserversorgung, zur Beseitigung der Abwässer und zur Lichterzeugung. Diese Kraft muß so billig sein, daß sie einen möglichst niedrigen Wasserzins ermöglicht, der zu keiner aus hygienischen Gründen zu verwerfenden Sparsamkeit mit Wasser zwingt (genügende Wassermengen natürlich vorausgesetzt). Da sowohl Kohlen als Petroleum vom Auslande gegen hohe Preise eingeführt werden müssen, wird sich eine Lichtversorgung der Gemeinden allem Anscheine nach nur durch Elektrizität bewerkstelligen lassen. Auch hier kommt es darauf an, die primäre motorische Kraft zu finden, die für die Verhältnisse Palästinas billig genug äst, um mit Erfolg angewendet werden zu können. Ehe Motore. die uns zur Verfügung stehen, und die wir nun auf ihre Brauchbarkeit für palästinensische Verhältnisse zu prüfen haben, sind nun folgende: 1. Die Dampfmaschine. Diese ist zweifellos die betriebssicherste, eignet sich aber weniger für landwirtschaftliche und gewerbliche Kleinbetriebe, da sie erst bei größeren Leistungen, als sie hier in Frage kommen, wirtschaftlich arbeitet. Sie erfordert große Anlagekosten für Maschinenkessel, Kondensator, Fundamente, Esse, Kohlenlagerräume und große Betriebskosten für Kohlen, Kohlentransporte, Instandhaltung (Kesselreinigung) und für die durch einen ständigen Maschinisten vorzunehmende Wartung. Die Lokomobile für den Antrieb von Dresch- und Häckselmaschinen erfordern auch große Kosten für Kohlen und deren Transport, nützen dabei den Brennstoff schlechter als andere Wärmekraftmaschinen aus, und! können nur einen kleinen Teil des Jahres gebraucht werden, da sie nicht betriebsbereit sind und jedesmal erst eingeheizt werden müssen. Sie werden auch in Europa immer mehr von den Benzin- und Petroleummotoren verdrängt. In Palästina würden die Dampfmaschinen und! Dampfturbinen für große industrielle oder Gemeindeanlagen nur dann Aussicht auf Verbreitung haben, wenn die vermeintlichen oder auch wirklich vorhandenen Kohlenläger der Türkei jund Syriens in genügendem Maße ausgebeutet und' durch ein entwickeltes Verkehrswesen genügend verbilligt sein werden3 * 5). 2. Die Verbrennungskraftmaschinen (Gasmotoren) unterscheiden sich je nach dem Brennstoff in a) die Leucht- (und Gichtgasmotoren. Diese kommen für Palästina, für eine absehbare Zeit nicht in Frage. Sollte auch in nicht allzu langer Frist die Gasbeleuchtung in Palästina eingeführt werden, so dürfte sich der Gaspreis, wegen der teueren einzuführenden Kohle zu hoch stellen, als daß ein Motoren- 3) Nach der „Elektrotechnischen Zeitschrift“, Jahrg. 1917, S. 53, dürfte sich nämlich die Türkei „bei richtiger Ausnützung der vorhandenen Kohlenlager vom Auslände unabhängig machen können.“ Vergl. auch „Palästina“ IV, 311 und' 325 und „Altneuland" 1906, 71.

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