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Volk und Land · 1919-06-19 · Heft 25-26 (19.6.1919) · p. Seite 793-794

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 25-26 (19.6.1919)
Date
1919-06-19
Page
Seite 793-794 (sequence 17)
Language
German
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793 VOLK UND LAND 794 Volk ausiiiben kann. Wir stoßen hierbei auf ein Problem, das einmal in allen seinen Konsequenzen durchgedacht werden muß. Die heutigen arabischen Städte Palästinas — und in diesem Zusammenhang hat auch Jerusalem als arabische Stadt zu gelten — mit ihrem Schmutz und ihrer Enge, ihrer Luit- und Licht'osigkeit sind überhaupt einer durchgreifenden Sanierung nicht fähig, es sei denn, daß kein Stein auf dem anderen bleibt. So wird es das Zweckmäßigste sein, die neu erwachsenden Städte neben den al'.e.i in abgesonderter Lage erstehen zu lassen. Ein Anfang ist in Jaffa mit dem Wohnviertel Tel Awiw gemacht, für Haifa bestehen ähnliche Pläne, für Jerusalem liegt der wahrhaft großzügige Gedanke von Flinders Petrie vor, das ganze alte Jerusalem zu einem archäo'o^ischen Mus.un größten Stils werden zu lassen und das neue jenseits der Tälerkette aufzuhauen. Nur so wird es möglich sein, in den Städten Palästinas alle hygienischen Einrichtungen durchzuführen; gesunde, weiträumige Bauweise, Kanalisation). und Wasserleitung, Straßenreinigung und Müllabfuhr. Es muß nach großen einheitlichen Plänen gebaut werden, im allgemeinen, nicht im privaten Interesse, mit Ausschaltung der Mietskasernen und der Schlotwälder, Gärten müssen in die Städte, die Städte müssen dörflicher, die Dörfer städtischer werden. Das ist nur durchführbar, wenn bei gesunder Bodenreform das Gemeinwesen weitgehende Oberaufsicht im Wohnungsbau und der Wohnungskontrolle sich vorbehält. Ob wir in Palästina eine starke Industrie haben werden, steht noch dahin; in jedem Fall aber müssen j wir von Anfang an eine staatlich fundamenüerte sorgsam e Gewerbehygiene haben, deren oberster Grundsatz die Sicherste lung der Gesundheit de; Arbeitenden ist. Als weiteres Gebiet staatlicher Sanitäisarbeit nenne ich endlich die -Na h r u ng s m i 11 e 1 Kontrolle, die am besten in einem eigenen Institut zentralisiert wird. — Einem besonderen fachmännischen Referat muß hierbei die Einrichtung von Schlachthäusern Und Fleischbeschau, die Bekämpfung der Tierseucheni und der tierischen Schädlinge Vorbehalten werden. Sie sehen, es sind gewaltige sanitäre Aufgaben, die vor uns liegen. Und es sind nicht Dinge, die blos nebenbei zum Schmuck des Daseir.s gehören, sondern die zum guten Teil an die Fundamente unserer, vö'k schen Existenz rühren. Wir haben hier nicht nur unseren eigenen Vorteil rm Auge, sondern wir haben eine große Mission am Orient zu erfüllen, den wir zum ersten Mal nach tausendjährigem Hindämmern wieder zu einem freudigen, arbeitsamen, gesunden, glücklichen b^d wahrhaft menschlichen Dasein erwecken wollen. KURORTE, LUNGENHEILSTAETTEN UND ERHOLUNGSHEIME IN PALAESTINA*) Von Dr. Aron Sandler. ‘Schon im ersten Stadium der Einwanderung werden in Palästina eine Anzahl Heilstätten geschaffen werden müssen. Einiges hierüber, was für weitere Kreise von Interesse sein dürfte, will ich kurz zusammenfassend darstellen, eine ausführlichere Darstellung behalte ich mir für später vor. Heilstätten und Kurorte, die die natürlichen Heilfaktoren des Landes ausnutzen sollen, sind erstens notwendig zur Gesunderhaltung der neu angesiedelten Bevölkerung, die in ein Land mit ungewohntem Klima und ihr unbekannten Krankheiten verpflanzt werden soll, sowie zur Verhütung der weiteren Ausbreitung von neu eingeschleppten Krankheiten, besonders der Tuberkulose. Sie sollen zweitens unter Ausnutzung des Klimas, der physikalischen Beschaffenheit des Landes und seiner Heilquellen dem Lande durch Anziehung von Besuchern aus fremden Ländern eine Quelle nationalen Reichtums erschließen. Zur ersten Gruppe gehören hauptsächlich die Lungenheilstätten und Lungenheimstätten und die Genesungs¬ und Erholungsheime. Bis in die achtziger Jahre gab es in Palästina fast keine Tuberkulose, und der einzelne Fall wurde wie ein Unikumhei den Aerzten herumgesehickt. Das Klima des Landes hemmt die Entwicklung dieser Krankheit und ist, wie längst bekannt, der raschen Ausheilung beginnender Fälle förderlich. Heute aber ist die Krankheit dort ziemlich stark verbreitet^ und zwar ist sie durch die russischen Juden eingeschleppt worden, die in den achtziger Jahren dort einwanderten und durch ihre soziale Lage, geringe körperliche Beschäftigung, ihren Ernährungszustand uid in ihrer Eigenschaft als Städtebewohner besonders hierfür disponiert waren. Im letzten Jahrzehnt wanderten jemenitische 'Juden ein und fielen dieser Seuche in erschreckender Zahl zum Opfer. Nur wenige scheinen sie aus Jemen mitgebracht zu haben, die meisten erwarben sie im Lande, disponiert durch die Reisestrapazen, Unterernährung, Lebensweise, vielleicht auch durch den Umstand, daß sie aus einem bisher noch nicht genügend mit Tuberkulose durchseuchten Lande kamen — wie ja auch die Araber in Palästina, wenn die Tuberkulose in ihr Dorf eingeschleppt wird, in erschreckender Zahl .daran zugrunde gehen, und wie auch die Neger in Aegypten in Massen an dieser von den Europäern eingeschleppten! Seuche sterben. Wenngleich ich die Angaben Muchs über Hunderttausende von schweren Tuberkulosefällen in Palästina für übertrieben halte, und alle praktischen Erfahrungen dahin lauten, daß noch heute die Tuberku-’ lose dort seltener als in Deutschland, chirurgische Tuberkulose sogar sehr selten ist, so ist doch eine erhebliche Zunahme der Krankheit sicher. Man kann nicht den vom Wind aufgewirbelten Kalkstaub dafür verantwortlich machen — denn dieser war ja auch früher vorhanden. Es war eben nach der Einwanderung nichts gegen die Ausbreitung der Seuche geschehen; die überlasteten Krankenhäuser können solche Falle nicht aufnehmen, die Behandlung dort wäre auch wenig aussichtsreich, Anstalten zur Isolierung sind nicht vorhanden, die Kranken bleiben in der Familie und verbreiten dort die Keime unter ihren Angehörigen, wobei die Uebertragung der Seuche durch die ungünstigen Wohnungsverhältnisse und die Herabsetzung der Widerstandsfähigkeit infolge chronischer Malaria begünstigt wird. Diese Zustände und ihre Folgen sind bei der bevorstehenden Masseneinwanderung in erhöhtem Grade zu erwarten. Es ist daher dringende Pflicht, rechtzeitig die Seuche einzudämmen und hierbei die Heilkraft des Klimas auszunutzen. Fälle von schwerer Tuberkulose dürfen nicht ins Land eingelassen werden, im Interesse der Volksgesundheit, aber auch in ihrem eigenen Interesse, da ihre Krankheit durch JClimawechse^ Staub, Reiieanstrengting *) In stark gekürzter Form wurde dieser Aufsatz auf dem Palästina-Delegierten tag der deutschen Zionisten vorgetragen.

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