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Volk und Land · 1919-06-19 · Heft 25-26 (19.6.1919) · p. Seite 791-792

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 25-26 (19.6.1919)
Date
1919-06-19
Page
Seite 791-792 (sequence 16)
Language
German
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791 VOLK UND LAND 792 Von ganz besonderer Bedeutung, weit größer a's in Europa, wird die Tätigkeit der Schulärzte sein. In ihren Händen wird der wichtigste Teil der Trachombekämpfung liegen. Denn das T rachom, diese furchtbare Augenerkrankung, von der heute etwa ein Drittel der Bevölkerung Palästinas befallen ist, wird meist im frühen Kindesalter erworten. In dicsten ersten Jahren aber, wo die Kinder in Kindergärten und Schulen von einer Zwangsbehandlung erfaßt werden können, sind die Aussichten für die Heilung, zum mindesten für die Verhinderung weiterer Uebertragung, ausgezeichnet, während später oft schon unheilbarer Schaden angerichtet ist. Von den Schulen aus muß allmählich im ganzen Volk die Anschauung Wurzel fassen, daß e9 nicht nur ein Unglück, sondern auch eine Schande ist, Trachom zu haben, weil es ein Zeichen von Unsauberkeit und Unachtsamkeit ist. Nachdem schon vor dem Kriege ein Plan1 zur systematischen Ausrottung des Trachoms nach meinen Vorschlägen ausgeaifoeitet und am hygienischen Institut in Jerusalem zentralisiert worden ist, muß jetzt diese Arbeit mit aller Kraft aufgenoimmen werden. Hierzu werden wir vor alem der Schulärzte bedürfen* Die berufliche und wirtschaftliche Organisierung der Aerzte muß natürlich, eine freiwillige sein. Der Staat muß sie fördern, indem er ungeeignete Elemente femhält und ausmerzt, vor allem aber durch Förderung der ärzt’ichen Fortbildung und Einrichtung von Bibliotheken, deren Fehlen bisher aufs schmerzlichste empfunden wurde. Gegen die schematisch geforderte Sozialisierung des ärztlichen Standes habe ich, bei voller Klarheit über die schweren Fehler des jetzigen Systems, die stärksten sachlichen Bedenken. Aber hier ist nicht der Ort zur ausführlichen Diskussion dieser Frage. An Aerzten w*irdl in Palästina kein Mangel sein. Auch wenn, wie ich als sicher annehme, die Universität in Jerusalem im (nächsten Jahrzehnt zur Ausbildung von Äer2ten nicht imstande sein wird, dürfte die Einwanderung den Bedarf mehr als reichlich decken. Weit schwieriger liegen die Verhältnisse für das Krankenschwesterwesen, und hier ist noch erhebliche organisatorische Arbeit zu leisten. Zwar Werden wir für die erste Zeit wohl in genügender Zahl ausgebildete Schwestern aus Europa und Amerika heranziehen können; wir müssen aber darauf bedacht sein, in wachsendem Maße Schwestern direkt für Palästina heranzubilden. Die Hauptschwierigkeit liegt dabei für die hiesigen Verhältnisse darin, daß die Schülerinnen bei 31/2 bis 2-jähriger Ausbildung sich wegen der bedeutenden Kosten dieser Ausbildung für weitere drei Jahre hier verpflichten müssen, so daß sie für Palästina erst in etwa 5 Jahren verfügbar würden. Wir müssen deshalb versuchen, mit dien ausbildenden Orgsn sationen zu einem Abkommen zu gelangen, daß diese Zeit für jüdische Schwestern, die nach Palästina gehen, abgekürzt wird, vielleicht gegen eine teilweise Geldentschädigung. Das Ideal ist natürlich, Schwestern in Palästina selbst auszubilden. Das ist bei dem jetzigen Zustand der dortigen Krankenanstalten und (dem Mangel beamteter Aerzte zur Zeit nicht möglich, muß aber in kürzester Frist ermöglicht werden. Dazu müßte ein Schwester norden, mit dem Sitz in Jerusalem, gegründet werden, der den Schwestern Heim und Rückhalt gibt, die f/ür die Arbeit geeigneten auswählt, ihre Ausbildung überwacht und ihre spätere Verteilung regelt. Eine staatliche Prüfung muß die Ausbildung abschließen. Das Arbeitsgebiet der Schwester ist nicht nur die Tätigkeit am Krankenhaus. Eine bedeutsame Rolle wird die Schwester in Kolonien und1 Städten als öemeindeschwester spielen, als GehTin, dies Arztes und Trägerin der sozialen Fürsorge, ganz besonders in der Säuglingspflege, ferner als Sch ulschwester’bei der Bekämpfung des Trachoms und der Malaria. — Um den Schwestern die notwendige Arbeitsfreudigkeit zu erhalten, werden wir verhindern müssen, daß ihre Arbeitskraft so ausgebeutet und so sch’eeht entlohnt wird, wie das fast überall im der Welt jetzt noch der Fall ist. — ln ähnlicher Weise wie für die Ausbildung von Schwestern müssen wir für die von Laborantinnen für die vielen aus dem Boden wachsenden Institute sorgen. Wie wir in all diesen Gebieten werden Neues schaffen müssen, so auch bei einem weiteren sehr wichtigen Zweige des Heilpersonals, den Hebammen. Hier liegt noch vieles sehr im Argen. Zwar gibt es auch schon im heutigen Palästina einzelne ganz hervorragende jüdische Hebammen, die ihren geschickten Schwestern aus dem 2. Buch Mos:9 alle Ehre machen; bei vielen aber ist die Ausbildung mangelhaft, und sie arbeiten unter sehr ungünstigen, sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen. Das ist umso beklagenswerter, als ihnen eine sehr große Bedeutung für die Volksgesunriheit und Volks Vermehrung zukommt. Aufräumen müssen wir mit dem aus Europa überpflanzten Vorurteil, das sie auf eine niedere soziale Stufe herabdrückt. Wir brauchen nicht nur gut ausgebildete, sondern gebildete Hebammen, die auf der Höhe moderner Wissenschaft und Hygiene stehen, und deshalb müssen sie wirtschaft'ich besser gestellt werden als’ bisher. Das Dringlichste ist die sofortige Einrichtung eines Hebamm eai-L eh rinsti tüts, das an geeignete größere Krankenhäuser anzuschließen ist, unter ärztlicher Leitung und Aufsicht einer tüchtigen Ober-Hebamme. Es sollte keine Hebamme zur Praxis zugelassen werden, die nicht ehe gründliche Ausbildung ncchwcise.i kann, und in, naher Zukunft keine, die nicht durch unsere eigene Schule gegangen ist und1 hier Unser Diplom erworben hat. Um aber wirklich ihren wichtigen Aufgaben gerecht zu werden und nicht auf dunkeln Nebenerwerb angewiesen zu sein muß die jüdische Hebamme als Beamtin mit festem Gehalt anges e li wer den, in den Kolonien sowohl wie in den städtischen Kommunen. Dieses Gehalt verpflichtet sie zur Hilfeleistung bei den Anmen und den einer Krankenkasse angeschlossenen Familien; von der übrigen Bevölkerung muß sie nach angemessenem festen Tarif entlohnt werden,. sio daß sich rasch eine Bevorzugung 'der Tüchtigen und Gewissenhaften unter ihnen ergeben wird. Wiederholte Verfehlungen sind) unniachsidhtlich mit der Entziehung des Diploms zu bestrafen. Ich muß es mir versagen, im Rahmen dieses Referats auf eine "Reihe wichtiger sanitärer Einrichtungen einzugehen, die staatlicher und privater Initiative entspringen können, undl voraussichtlich für die Entwicklung des Landes und den Fremdenverkehr eine große Bedeutung gewinnen werden, wie Bäder, Heistütten, und Erholungsheime, die Ausnutzung der zukunftsreiche« Heilfaktoren des palästinensischen K.irnas, der heißen Quellen und ähnlicher Dinge. Vielleicht wird sich im Verlauf der Diskussion Gelegenheit bieten, darauf zurückzukomm e«. Kurz aber möchte ich zum Schluß noch hinweisen auf die gewaltigen sanitären Aufgaben, die unserer Verwaltung gestellt sind. Mit dem Ei .- zug der ersten Arbeiter muß zur Organisation einer großzügigen Krankenversicherung geschritten werden. Den jüdisichen Landarbeiter werden Krankenkassen überhaupt erst konkurrenzfähig gegenüber dem arabischen machen. Hand in Hand damit werden Unfall- und Invalidenversicherung gehen, und auch das ganze Lebensversicherungsgewerbe wird zweckmäßig von vornherein in öffentliche Hand übernommen werden können. 1 Von unübersehbarer Tragweite, nicht nur in hygie* nischer, sondern auch in sozialer und kultureller Richtung, ist der Einfluß, den das Gemeinwesen durch Anlage gesunder Wohnstätten für das ganze

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