Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 25-26 (19.6.1919)
- Date
- 1919-06-19
- Page
- Seite 781-782 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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781 VOLK und LAND 782 schaftsräume nicht entbehren kann, wenn man 30 Arbeiter zu beherbergen und 70 zu verpflegen hat, und das Haus und seine Umgebung sauber und schön erhalten soll. Die Mädchen aus Kinereth, der Farm des Verbandes, haben bei einer solchen Gelegenheit gezeigt, was sie wert sind. Der Segen eines Frauenbeirates wird sich hier ebenso zeigen wie beiim Bau einfacher Kolonistenhäuser, über die schon oben die Rede war, denn der Mann übersieht die Forderungen des Alltages. Er kennt die Arbeit der Frau zu wenig und kann daher auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Dinge nicht urteilen. Das erschwert der Frau aber ihre Arbeit und deshalb muß sie in Dingen der Wohnungshygiene und in Dingen der Inneneinrichtung gehört werden. Die Leitung großer Wirtschaftsbetriebe wie Einwanderer- und Arbeiterheime usw. gehört ebenfalls in das Gebiet der Frau, ja sie muß vollständig in den Händen der Frauen liegen. Natürlich sind auch jetzt schon Frauen in Arbeiterheimen tätig, aber ihr praktischer Rat wird nicht gehört. Pflicht des Verbandes ist es daher, den Zusammenschluß der palästinensischen Frauen und ihre Angliederung an den Verband anzustreben, denn nur auf diese. Weise werden sie sich1 die nötige Autorität verschaffen können. Von diesem Zusammenschluß wird auch die einheitliche Durchführung des ganzen Verbandsprogrammes zum größten Teil abhängen. Wir treten jetzt, wie wir alle hoffen und glauben, in eine neue Phase der Palästinaarbeit. Der Verband wird bestrebt sein, ausführliche Programme für die einzelnen von ihm geplanten Institutionen auszuarbeiten und sie der zionistischen Organisation vorzulegen. Schon die einzelnen hier angeführten Punkte unseres Arbeitsprogrammes zeigen, auf welchen Gebieten die Mitarbeit der jüdischen Frauen für die Kolonisation von besonderem Wert ist. Sie zeigen aber auch, daß die Aufgaben, die ihrer warten, von ungeheuren Dimensionen sind und daß es nicht angeht, sie allein die ganze Last tragen zu lassen. Der X. Kongreß hat eine Resolution angenommen, in der er „insbesondere auch Unternehmungen, welche die Ausbildung der Frauen für die Landwirtschaft bezwecken", zu fördern empfiehlt. — I>iese Resolution ist, wie auch manche andere, die Frauen betreffende, auf dem Papier stehen geblieben. Jetzt ist die Zeit der Erfüllung gekommen, und zwar heißt es, nicht dabei allein stehen zu bleiben, sondern die Zeichen der Zeit zu erkennen und auf dem Wege weitergehen. Wie wir gezeigt haben, handelt es sich nicht allein um landwirtschaftliche Erziehung der Frau, sondern um alle Gebiete des sozialen Lebens. Es gibt eben kein Gebiet, auf dem die Frauen ausgeschaltet werden können. Sie sind die Säulen des Hauses, die Erzieherinnen der Kinder. Sie halten Gegenwart und Zukunft zugleich in den Händen. Wer an diesen Problemen vorbeigeht, zeigt, daß er nicht reif ist für gesunde Volkspolitik. Ich kann unseren Männern den Vorwurf nicht ersparen, daß sie da vieles nicht mit dem nötigen Emst erfaßt haben. Diese Sünde muß gut gemacht werden. Unsere Weisen sagen: „Meine Frau, das ist mein Haus'*. Sorgen Sie dafür, daß in dem neuen jüdischen Heim die richtige Frau das richtige jüdische Haus bauen kann. Helfen Sie uns, diese Frau zu erziehen. Sie werden damit dem jüdischen Volke den besten Dienst erweisen. Und wenn Sie das wollen, unterstützen Sie bitte die Anträge, die wir dem Palästina-Delegiertentage unterbreiten. Diese Anträge lauten: „Der Delegiertentag beschließt, das Erziehungsprogramm des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina E. V. in sein Palästinpprogramm aufzunehmen." „Der Delegiertentag beschließt die Berufung von Vertreterinnen dieses Programmes in die einzelnen Aemter, die mit der Durchführung seines Palästina- Programms sowohl in Palästina selbst, als auch in der Diaspora, betraut werden." Nochmals: Helfen Sie uns, indem Sie diese Anträge annehmen. ALLGEMEINE HYGIENE UND Referent: Dr. W. Mein Referat auf dem; heutigen Delegiertentag soll Sie nicht mit tiefer Wissenschaft behelligen, soll Ihnen nicht interessante Probleme aus dem Gebiete der Hygiene bringen, sondern will Ihnen die Bedeutung der Hygiene für den Aufbau Palästinas deutlich vor Augen führen. Wenn die Delegierten von dieser Tagung lernen, nicht nur lernen, sondern als Ueberzeugung nach Hause mitnehmen, daß die Gesundheitsfragen in Palästina nicht mehr wie bisher en canaiUe behandelt werden dürfen, dann wird man diese Tagung bereits als eine erfolgreiche bezeichnen dürfen. Palästina ist von Natur ein gesundes Land mit einem — von kleinen. Strichen abgesehen — ausgezeichneten Klima. Wenn wir trotzdem heute in Palästina — auch in den jüdischen Siedlungen — eine Menge Krankheiten haben, mehr als in den Kulturländern Europas, so kann man diese unliebsame Tatsache auf verschiedene Ursachen zurückführen. Zur Zeit der Mischnah, auch noch Jahrhunderte später bis etwa zur Herrschaft der Abassiden, war Palästina ein blühendes Land. Von dieser Zeit an Wurden Syrien und Palästina durch Jahrhunderte ein Schauplatz der Kämpfe zwischen Arabern, Seldschucken, Kreuzfahrern, Mamelucken, wodurch das Land immer mehr und mehr zur Einöde herabsank. Durch den Einfall der Mongolen, die raubend und plündernd durch das heilige Land zogen, wurde der Zustand noch verschlimmert. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Palästina von den Osmanen erobert und blieb seitdem bis heute unter türkischer Herrschaft. Es hatte zwar jahrhundertelange SANIERUNG IN PALAESTINA Brünn- Jerusalem. Ruhe, aber es wurde die Buhe eines Friedhofes. Die Türken taten nichts für die Entwicklung des Landes und hemmten allerorten, so daß es möglich war, daß die fruchtbarsten Ebenen Palästinas versumpfen und daß die Städte verkommen konnten, und daß wir heute die schwere Aufgabe haben, weite Strecken des Landles wieder kulturfähig zu machen. In der Unkultur des Landes sind auch seine heutigen Hauptkrankheiten zum großen Teil begründet. Durch die ausgedehnten Sümpfe in den Ebenen und durch die mangelhaften Zisternenbauten in den Städten haben wir die starke Verbreitung der Malaria und auch das Trachom, eine chronische Entzündung der Augenbindehaut, ist eine Folge der elenden Hygiene in Stadt und Landl der dürftigen, engen Wohniungsverhältnisse und der durch schlechte Wasserversorgung bedingten Unreinlichkeit. Wie sehF z. B. die Malaria mit der Unkultur zusammenhängt, möchte ich Ihnen an einem kleinen Beispiel zeigen. Es ist in der medizinischen Wissenschaft bekannt, und auch unsere jüdische Kolonisationsgeschichte liefert hierzu Beweise, daß allein schon durch Bearbeitung und Bepflanzung des Bodens ohne besondere Sanierung die Malaria vor allem' in ihrer Schwere zurückgeht. So z. B. hatte die heute blühende Kolonie Petachtikwa im Anfang unter schwerster Malaria zu leiden, während heute Petachtikwa zwar auch noch reichlich Malaria aufweist, aber lange nicht mehr in dem früheren Umfange; auch treten nicht so schwere Formen von Malaria auf und vor allem, die Entwicklung