Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1919)
- Date
- 1919-06-12
- Page
- Seite 761-762 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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761 VOLK UND LAND 762 Jeder einzelne muß wissen, daß nur eine systematische Einwanderung und Kolonisation unser großes nationales Ideal — den Wiederaufbau Palästinas als der nationalen Heimstätte des Jüdischen Volkes — verwirklichen kann. Jüdische Ingenieure Aus der „Arbeitsgemeinschaft zionistischer Ingenieure“, die bereits seit einiger Zeit in kleinerem Umfange tätig gewesen ist, ist jetzt der „Verband jüdischer Ingenieure für den technischen Aufbau Palästinas“ entstanden. Seine Aufgaben sind nach; § 1 der Statuten: ,,a) Zusammenschluß der in Deutschland wohnhaften jüdischen Ingenieure, Architekten, Chemiker und sonstigen Vertreter verwandter Berufe, die den technischen Aufbau des jüdischen Siedlungswei kes in Palästina zu fördern bereit sind, und Verbindung mit ähnlichen Organisationen in anderen Ländern, insbesondere in Palästina selbst. b) Förderung der technischen Arbeit in Palästina durch planmäßige Vorbereitung (Bearbeitung von Einzelfragen, Sammlung von gedrucktem Material und! Zeichnungen, Bibliographie, Vorträge, Veröffentlichungen) und dauernde fachmännische Beratung (Auskunftserteilung, Begutachtung, Bezugsquellennachweis usw.). c) Unterstützung der am Aufbau Palästinas beteiligten Organisationen durch Nachweisung geeigneter technischer Kräfte, Berufsberatung Und Ermittlung von Stellen zur Aus- und Fortbildung von Arbeitern. Der Verband verfolgt keine Erwerbszwecke, sondern trägt einen jüdisch-gemeinnützigen Charakter.“ Alle geplanten .Maßnahmen organisatorischer, fachlicher und praktischer Natur werden lediglich von dem sachlichen Bestreben geleitet, der technischen Aufbauarbeit in Palästina zu dienen, teils schon jetzt durch planmäßige Vorbereitung, teils späterhin durch dauernde Förderung und Unterstützung. Darum liegen dem Verbände alle geschäftlichen, politischen oder sonstigen Sonderinteressen durchaus fern. Sobald die Verhältnis.e es zulassen werden, soll die bereits angebahnte Ver bindung mit ähnlichen Zusammenschlüssen in anderen Ländern zu einer Gesamtorganisation aller am Aufbau Palästinas interessierten Ingenieure führen, die ihren Mittelpunkt in der künftigen Technikerscha-t Palästinas finden soll. Der Verband gliedert sich in Fachgruppen. Solche bestehen für: 1. Vermessungswesen, 2. Bauingenieurwesen, 3. Architektur und Städtebau. 4. Maschinenbau^ 5. Elektrotechnik, 6. Chemische Technologie, 7. Landwirtschaftliche Technik. Jedes Mitglied kann sich einer oder auch mehreren Fachgruppen anschließen. Die Bildung weiterer Gruppen ist vorgesehen. Die im Programm genannten Arbeiten sind zum Teil bereits in Angriff genommen worden. Es ist gelungen, einige Fachleute, die selbst in Palästina gelebt haben, zur Bearbeitung wichtiger Einzelfragen zu gewinnen, wie Vorbereitung der Landesvermessung, Entwurf von Auswandererlagern und Wohnhaustypen, Studium der Prüfung der Baumaterialien Palästinas, Untersuchungen über die Verwendung von Windturbinen, sowie über die Ausnützung der Phosphate und bituminösen Kalksteine usw. Die Sammlung von bibliographischem Material, einschlägiger Literatur, Zeichnungen, Katalogen, Vorschriften und dergleichen ist begonnen worden und rechnet auf allgemeine Unterstützung. Vorträge und eine Serie von Veröffentlichungen über den technischen Aufbau Palästinas sollen die Fachkollegen mit den Ergebnissen unserer Untersuchungen bekannt machen. Alle jüdischen Kollegen, Ingenieure, Architekten, Chemiker, Landmesser usw., die den technischen Aufbau Palästinas fördern helfen wollen, werden zum Beij tritt eingeladen. Adresse: „Verband jüdischer Inge-! nieure“, Berlin W. *15^ Sächsische Str. 8. * Das Palästina-Amt in Prag, Ruzova 24, beabsich- I tigt als Untergruppe eine freie Vereinigung der im | tschechoslowakischen Staate wohnhaften Ingenieure und! Techniker aller Gattungen, die den technischen Aufbau j des Siedlungswesens zu fördern bereit sind, zu bilden. | Bezweckt wird: 1. Förderung der technischen Arbeit in Palästina durch planmäßige Vorbereitung (Bearbeitung von Einzelfragen, Sammlung von gedrucktem Material und Zeichnungen, Bibliographie, Veröffentlichungen) und dauernde fachmännische Beratung (Auskunftserteilung, Begutachtung, Bezugsquellennachweis). 2. Unterstützung der am Aufbau Palästinas beteiligten Organisationen durch Nachweisung geeigneter technischer Kräfte, Berufsberatung, Ermittlung von Stellen zur Ausfind Fortbildung von Arbeitern. Gesinnungsgenossen, die sich an der Arbeit beteiligen wollen, mögen ihre Adressen nebst Angabe der Spezfalfachrichhing dem Palästina-Amt mitteilen. Der „kleine“ Rechenfehler „Die Frage geringer Bodenflächen und geringer Anlagekosten ist von besonderer Bedeutung für die Lösung der für palästinensische Verhältnisse sehr wichtigen Aufgabe der Seßhaftmachung jüdischer Arbeiter.“ (Oettinger). Es herrscht wohl Uebereinstimmung darüber, daß Wir keine Landarbeiter haben wollen, die dazu verdammt sind, ewig Lohnarbeiter zu bleiben, sondern daß es notwendig ist, ein Mittel zu finden, um diesem besten, aus der Schule der Praxis hervorgehenden Material — und nicht nur diesem — zur kleinbäuerlichen Ansiedlung und vollen Selbständigkeit zu verhelfen. Trietsch hat auf dem Delegierten tag zur Genüge klargelegt, daß bei Verbesserung des „kleinen“ Oettinger’schen Rechenfehlers der nach Oettinger’s Rechnung dann herauskommende Reinertrag von 1518 Francs, bei seinem Typus VI hinreicht, um eine kleinbäuerliche Familie zu ernähren. Oettinger hatte bekanntlich nur 218 Francs herausgerechnet und betrachtete diese Summe 'als V* oder 1/3 des Jahresbudgets eines verheirateten Arbeiters, der sich die fehlenden 3/t .oder s/, durch Lohnarbeit beschaffen müsse. — Der Delegierleniag scheint nicht mit voller Deutlichkeit erkannt zu haben, um welchen gewaltigen Unterschied es sich hier handelt, und welche Konsequenzen sich für die Kolonisation hieraus ergeben. Es ist deshalb wohl nicht überflüssig, noch einmal kurz zu resümieren. Nach der verbesserten Rechnung von Oettinger (d. h. nach seinen eigenen, nur richtig gerechneten Unterlagen wird man also mit 1 Million Francs 200 kleinbäuerliche Familien, jede mit einem Kostenaufwand von 5000 Francs ansiedeln können, und für diese 200 Familien werden bei bevvässerharem Boden 1000 Dunam ausreichen (für jede Familie 5 Dunam) oder für 200 Familien bei unbewässerbarem Boden 4000 Dunam (für jede Familie 20 Dunam). Trietsch selbst rechnet statt 5000 Francs pro Familie nur 3300 Francs;* mit 1 Million Francs wären also sogar 300 statt 200 verheiratete Kleinbauern anzusiedeln und bei Verwendung der vollen Arbeitskraft der Kolonisten ein erheblich größerer Ertrag zu erzielen, als der von Oetttinger bei nebenberuflicher Arbeit auf der Arbeiterheimstätte errechnete Betrag von 1518 Francis. So stellt sich die Rechnung dar — es ' ist also klar, daß es sich nicht um &nen kleinen Rechenfehler handelt, der nicht der Rede wert ist, und von dem man viel Aufhebens macht, sondern geradezu um die Grundlage für die künftige Massensiedlung unbemittelter Einwanderer. Ernst Herrmann.