Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1919)
- Date
- 1919-06-12
- Page
- Seite 757-758 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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757 VOLK UND LAND 758 lästina ihr kulturelles auf ihrer Nationalität erbautes Zentrum, und es erwächst ihnen hieraus und aus der Erwägung, daß sie sonst zwischen den anderen Nationen der Welt zerrieben werden, die eiserne Pflicht, ihre nationalen Rechte auch, in den Ländern der Diaspora anzumelden und vorzubereiten. Rechtsanwalt Manheim. Die Poale-Zion im Räte-Rußland haben sieh auf ihrer letzten Tagung vom Standpunkt des Bolschewismus aus eingehend mit der Palästinafrage beschäftigt. Das Hauptreferat, erstattet von D. Eisenstadt, gibt die „Freie Tribüne“, das Organ der Wiener Poale-Zion, inhaltlich folgendermaßen wieder : „Es ist klar, daß unter den gegebenen Verhältnissen der sozialen Revolution, die alle Länder und Nationen erfaßt, auch unsere Arbeit für und in Palästina nur ein Spiegelbild unserer Stellung zu den Weltereignissen sein kann und im vollsten Einklang mit unserer allgemeinen revolutionären Tätigkeit bleiben muß. Die Palästina-Arbeit kann nur dann Erfolg haben, wenn sie in allweltlichem Maßstab geführt wird. Es ist darum unsere erste Aufgabe, alle Teile des poale-zionistischen Weltverbandes zu revolutionieren und jede andere Orientierung als die der allweltlichen sozialen Revolution und der bald erstehenden III. Internationale zu entwurzeln. Zu diesem Zwecke muß das Verbandsbüro beseitigt, eine Konferenz des allweltlichen Verbandes Poale- Zion einberufen, jede Verbindung mit den früheren imperialistischen und zionistischen Freunden abgebrochen werden. Wir müssen uns mit allen Teilen des r,evolutionären Proletariats verbinden und die Avantgarde der Weltrevolution stärken. Wir können sicher sein, daß nicht nur die Genossen in Polen, Oesterreich und Ukraine, die die Revolution schon mehr oder weniger durchgemacht haben, mit uns sein werden. Wir sehen auch die amerikanischen Genossen auf dem Arbeiterkongreß für Palästina (Juni 1<J18) über die soziale Revolution und selbständiger revolutionärer Tätigkeit in Palästina verhandeln. Das ist die Hauptsache: Wir müssen eine allweltliche jüdische Arbeiterpolitik führen, müssen alle Kräfte mobilisieren für die gewaltige Palästina-Arbeit. Es warten tausende jüdische Arbeiter und ihre Zahl wächst von Tag zu Tag im Prozeß der Revolution, welche die kleinen Unternehmungen verwüstet und hauptsächlich jene Verdienstquellen, in denen die große Mehrheit der jüdischen Arbeitermasse Arbeit und Brot gefunden. Wir wollen und dürfen nicht warten, daß <Jie Bourgeoisie Palästina aufbaut, um sie nachher zu bekämpfen. Die Kräfte des Proletariats sind jetzt andere. Wir müssen jetzt alles selbst schaffen. Der Klassenkampf hat aufgehört ein dauernder Prozeß zu sein, er ist jetzt ein Kampf um die Macht schon in der nächsten Zukunft. Er muß daher auf allen Fronten geführt werden. Der Kampf für ein sozialistisches Palästina ist ein Teil unseres Weltkampfes für die Diktatur der Proletariats. Jetzt, da die Avantgarde der Weltrevolution solche Anstrengungen macht, die Revolution im Osten zu verbreiten, müssen wir Poale-Zion, die Pioniere des Klassenkampfes im Osten, uns mit dem revolutionären Proletariat verbünden und Unterstützung fordern bei unserer Arbeit für ein sozialistisches Palästina, eine Arbeit, welche die revolutionäre Tätigkeit im Osten fördert und! den Aufbau in den Emigrationsländern ermöglicht. Wir sind im vollsten Einverständnis mit dem Arbeitsprogramm der „Vereine zur Befreiung des Ostens“, welche die Kommunisten geschaffen haben. Die Besiedlung der unbewohnten Länder in Asien durch Arbeitermassen, die das sozialistische Schaffen mitbringen und durch Schaffung von sozialistischen Inseln die rückständigen Völker revolutionieren. Diese revolutionäre Arbeiterpolitik gehört in den Rahmen dieser Ver eine. Wir sind mehr als andere imstande, dies zu tun. Es liegt im Interesse der Revolution, die Emigration der verhungerten jüdischen Massen zu erleichtern und diese Massen zu produktiver Arbeit zu führen und gleichzeitig den Weg des sozialen Schaffens in den Auswanderungsländern zu erleichtern. Wir müssen dies unseren Kampfgenossen in der ganzen Welt klarmachen und die Hilfe der III. Internationale, deren Mittel bald sehr groß sein werden, wird uns gesichert sein. Wir haben aber folgende konkrete Vorschläge: a) Organisierung der gesamten jüdischen Arbeiterschaft im erneuten Weltverband Poale-Zion; b) nach einer intensiven Aufklärungsarbeit für unsere Palästina-Idee, diese Arbeit im Kontakt und im Einverständnis pnit der III. Internationale zu führen; i c) Entsendung von verläßlichen Genossen nach Palästina zur Revofutionierung der dortigen Arbeiterschaft, i Es muß dort der Kampf geführt werden gegen die Teil- I nähme der Sozialdemokratie an den Machtorganen, den Kolonisationsämtern der jüdischen Bourgeoisie und an; die Organisation von revolutionären Oasen gegangen i werden; d) aktive Teilnahme an der Arbeit der „Vereine | zur Befreiung des Ostens“, hauptsächlich für Palästina! und die Nachbarländer; j e) Ausarbeitung der Grundlagen für die Kolonisation | in Palästina, die nicht im Widerspruch stehen dürfen! mit den Erwägungen des gegenwärtigen Momentes;! f) es müssen alle Möglichkeiten der kooperativen i Arbeiter-Kolonisation ausgenützt werden; j g) durch unsere Partei in Rußland, durch die jüdi- | sehen Arbeiterräte, die wir aufbauen müssen, müssen wir! das Auswanderungsbüro für die jüdischen Arbeiter orga nisieren.“ Die Konferenz der englischen Poale-Zion Bei der Sitzung der englischen Poale-Zionisten, die Ende April in London stattfand, waren 45 Delegierte anwesend. Der Tätigkeitsbericht des Geschäftsführenden Ausschlusses wurde mit Beifall entgegengenommen. K a - p 1 a n s k y legte der Versammlung den Plan der künftigen Arbeit vor; die folgenden auf Palästina bezüglichen Beschlüsse wurden angenommen: a) Es wird gegen den Beschluß protestiert, den Juden, die der hebräischen Sprache nicht mächtig sind, kein Wahlrecht zu gewähren. Es wird erwartet, daß die Bruderpartei Abhduth we Awoda den Kampf gegen die Unterdrückung der jüdischen Sprache aufnehmen wird. Die Konferenz wünscht, daß die Sprachenfrage auf die Tagesordnung der kommenden Weltkonferenz ge- . stellt wird. b) Die Versammlung spricht ihr Bedauern darüber aus, daß es in Palästina Tausende von Arbeitslosen gibt, ohne daß Fonds für öffentliche Arbeiten bereitgestellt worden sind, die Amen Beschäftigung verschaffen werden. Man hofft, daß zu unternehmende Verhandlungen mit dem Aktions-Komitee hierin Wandel schaffen werden. c) Eine Kommission soll nach Palästina geschickt werden, um zusammen mit'dem Misrad haawoda Pläne für die künftige Palästina-Arbeit auszuarbeiten und für die kommende Weltkonferenz Material zusammenzustellen, das als Grundlage für einen Arbeitsplan der arbeitenden Klassen zum Wiederaufbau Palästinas auf der Basis der produktiven jüdischen Arbeit und des Genossenschaftswesens dienen soll. d) Es soll sofort eine Aufstellung der jüdischen Arbeiter in England gemacht werden, welche beabsichtigen, sich in Palästina anzusiedeln. Das Palästina- Komitee soll Pioniergruppen organisieren, Palästina-