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Volk und Land · 1919-06-12 · Heft 24 (12.6.1919) · p. Seite 749-750

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 24 (12.6.1919)
Date
1919-06-12
Page
Seite 749-750 (sequence 11)
Language
German
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749 VOLK UND LAND 750 am besten eine ganze Schule bzw. Lehrerseminar mieten würde, die ja dann dach freisteht. Betten bekäme man eventl. vom Militärfiskus leihweise aus Lazarettbeständen, Verpflegung durch das Lebensmittelamt direkt, wie esz. B, die^mensa academica“ überall macht. Natürlich koscher in diesem Fall, eventl. mit Hilfe der diesbezüglichen Kommission. Preis für volle Verpflegung und Wohnung etwa 3 M. täglich, was in Anbetracht einer guten Verpflegung der mensa academica mit 1,50 M. für Mittagessen und kräftiger Abendsuppe schon reichlich hoch erscheint. : An Räumen braucht man mindestens: 1 großen Saal (Aula): für gemeinsame Vorträge, Essen und Versammlungen. 4 kleinere Räume (Schulzimmer) für die vier gleichzeitig stattfindenden Vorträge der Fachkurse; von diesen könnte einer in der freien Zeit als Bibliothek, einer | als Arbeitsraum, einer als Konversationszimmer und einer als kleiner Versammlungsraum dienen. Ferner j eine Küche, die im Seminar vorhanden, in einer | Schule auf dem Hofe in einer Baracke unterzui bringen wäre. 1 Magazin, 1 Kantine und Verkaufs- | raum, 2 Zimmer für die Küchen- und Magazinj Verwaltung, 2 Zimmer für die Kursleitung. Ins- J gesamt 1 Aula und 10 Schulzimmer. Dazu kämen | die Schlafräume für Hörer, Beamte (1) und Per- | sonal (1), von denen 5 je in einem Schulzimmer j bequem Unterkommen könnten, so daß bei 60 j Hörern (15 jeder Fachrichtung) von auswärts 12 -f- 2 j 14 Zimmer, zusammen 24 nötig wären. Eine j normale Schule hat 9 Jahrgänge 18 Klassen und 6 (Physik, Chemie, Zeichen-, Singsaal, Lehrerzimmer, Turnhalle) Räume 24. Im Lehrerseminar sind die Räumlichkeiten weitaus bequemer, allenfalls müßten bei zahlreicherer Beteiligung ebenso die Räume einer nahegelegenen Volksschule mitbenutzt oder eine Anstalt mit Vorschule gewählt werden. Sollte diese billige Art der Unterbringung und Verpflegung aber unmöglich sein, so wäre es auch unmöglich, die für Palästina in Frage kommenden Auswärtigen teilnehmen zu lassen, da Wohnung und Verpflegung in einer Großstadt unerschwinglich sind, sobald man die Verhältnisse nicht kennt. Da aber heute nach den Erfahrungen der Kriegszeit solche Aufgaben keine unüberwindlichen sind, wird sich wohl auch diese lösen lassen. Dem Einwand, daß diese Art zu wenig bequem, eher gar nicht standesgemäß sei, ist nicht erst zu begegnen, im Gegenteil hat sie vieles für die, die wirklich in Palästina arbeiten wollen, Gutes; selbstverständlich muß der Hygiene reichlich Rechnung getragen werden. Was die Bezahlung der Kurse selber betrifft, so wäre das Beste, daß ein Teil gleich erstattet werden muß, etwa 50 M. Die anderen Unkosten werden vorgestreckt, die Betreffenden sind aber" I verpflichtet, in den. heimischen Ortsgruppen und Vereinen Kurse abzuhalten und für unsere Zeitungen populäre Artikel zu schreiben, deren Erlös für die Begleichung verwendet wird. $o ist auch endlich die Schwierigkeit behoben, daß die Kenntnis der jüdischen und zionistischen Dinge in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Köln zu Hause ist, anderen Gegenden aber nur spärlich zugute kommt. Den zionistischen Zeitungen würden sachkundige Besprechungen manchmal dienlich sein. Die Kurse würden am besten im zentraigelegenen Berlin stattfinden, das wegen seiner Bibliotheken, Sammlungen, Institute, Anlagen und der dort stationierten Verwaltungszentren und auch weil dort die Personen wohnen, die vortragen können, am geeignetsten ist. Das jüdische Lehrerseminar im Zentrum läge überaus günstig und dürfte eventl. wohl gegen Vergütung der Unkosten überlassen werden. Eine andere Möglichkeit bietet das frühere Kolonialinstitut, jetzt Universität, in Hamburg, das sich eventl. mit der Angelegenheit befassen würde, weil es in den Rahmen seiner Unternehmungen paßt, und jede neue Universität gerne so etwas aufgreifen wird. Die für Berlin geltenden Vorteile wären hier auch erfüllt; Unterbringung in der Talmud-Thorarealschule, die nahe gelegen ist Von allen Delegiertentagen und Propagandareden, Zeitungspolemiken und Redeturnieren wird keine Klärung der vielen schwierigen, aber wichtigen Punkte herbeigeführt werden, weil die meisten der Teilnehmer nicht selber nach Palästina gehen wollen, die Zeit zu kurz und die nötigen Vorkenntnisse zu ungleich, aber auch oft recht gering sind. Die Teilnehmer an dem Ferienkurs werden alle übersiedeln wollen, haben in drei Wochen Zeit dazu, die Angelegenheiten ausgiebig kennen zu lernen, die Vorkenntnisse können durch Bekanntgabe der mindestens vorher gelesenen Literatur auf gleiche Stufe gebracht werden. Selbstverständlich macht diese Skizze weder Anspruch darauf, erschöpfend, noch in allen Teilen richtig zu sein, vielmehr soll sie dazu anregen, daß in diesen Sommerferien möglichst noch der Anfang gemacht wird. Da die anderen Ferien zu kurz, oder durch das Zusammenfallen mit unseren Feiertagen «licht geeignet sind, kämen sonst erst die Sommerferien 1920 in Frage: Der Zeitpunkt ist aber unbedingt zu spät, denn wir alle hoffen doch, daß bis dahin die Besiedlung bereits begonnen hat. Die Juden, die in Deutschland wohnen, sind nicht in der Lage, das zur notwendigen Massenbesiedlung - erforderliche Menschenmaterial zu stellen, aber verpflichtet, die für diese unbedingt notwendigen geistigen Führer zu geben; also müssen wir diesen auch die Möglichkeit schaffen, sich vorbilden zu können. Die Referate der Palästina-Tagung soweit sie nicht bereits im Heft 22123 erschienen sind, veröffentlichen wir nebst den wichtigsten Reden der Aussprache in einem der nächsten Hefte.

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