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Volk und Land · 1919-06-12 · Heft 24 (12.6.1919) · p. Seite 747-748

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 24 (12.6.1919)
Date
1919-06-12
Page
Seite 747-748 (sequence 10)
Language
German
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747 VOLK UND LAND 748 wären, wenn auch sie sich in zweiter Linie damit befaßten, in erster aber mit der Arbeit fürs Land und eventl. mit der Vorbereitung für diese beginnen' würden. Ihre Chawerim in Palästina sind ihnen bereits mit gutem Beispiel vorangegangen. Nun haben wir Berufsberatungen, die außer den yon mir angeführten Berufen noch eine ganze Menge bereit haben werden, die am eifrigsten angepriesenen sind die landwirtschaftlichen, und man könnte füglich meinen, daß unsere Judenheit soweit sie in Deutschland lebt, sich alsbald in Ackerbürger „umgeschichtet“ haben wird. Alle Zionisten sehen in jener körperlichen Regeneration und geistigen Degeneration nun wohl nicht ihr Heil, besonders wer einen Beruf hat und diesen liebt, oder doch ein Studium, an dem er hängt, wird sich nicht mit umschichten können, vorausgesetzt, daß er es überhaupt will. Die allernötigsten Berufe, die für die deutschen Zionisten in Frage kommen, habe ich nun zusammengestellt, es sind j die Vertreter folgender Wissenschaften und ihrer I Hilfsfächer: 1. Bau- und Ingenieurwissenschaften. 2. Medizin. 3. Verwaltungswissenschaft. 4. Lehrberuf. Wie kann man sich nun die für (diese vier Arten) nötigen Kenntnisse für Palästina erwerben? Für die Landwirtschaft bemüht man sich eifrig Lernmöglichkeiten zu schaffen, für diese vier grundnotwendigen Geisteswissenschaften muß eine Möglichkeit ebenfalls ins Leben gerufen werden. Daß die für Erez-Israel gültigen Erfordernisse ganz andere sind, wie die hiesigen, kann kein Mensch bestreiten; die Hochschulen Deutschlands bilden aber nur für diese aus! Man kann ein berühmter Baukünstler in Berlin, ein tüchtiger Bauingenieur, Arzt, Rechtsanwalt und Lehrer dort sein, ohne nur im geringsten sich helfen zu können, wenn man im Orient in einem'ganz jungen Neuland seine Künste zeigen soll. Aber viel, sehr viel Schaden kann der anrichten, und wird es auch tun, der ohne eine geeignete Schulung und ohne Vorkenntnisse seine Tätigkeit beginnen müßte. Empirisches Wissen ist zwar sehr schön, zum Versuchsobjekt aber ist unsere Aufgabe zu schwierig, unser bisher den Launen, der Willkür und der Bedrückung lange genug preisgegebenes Volk zu schade. Eins ist gewiß, bitter würde sich jede Verfehlung an der Ausbildung der geistigen Führer rächen, und schon deshalb sollte man sie nicht dem Privatstudium (oder gar der Liebhaberei) des einzelnen überlassen. Ebenso gefährlich ist aber die bei uns Juden leider zu große Bewertung von Titeln und Würden: „Bau-, Sanitäts-, Justiz- und Schulräte sind Rangbezeichnungen, die eventl. für hiesige Verhältnisse eine gewisse Bedeutung haben mögen, für Palästina aber ohne Interesse sind.“ Für die Vertreter dieses Systems dürfte dort auch kein Raum sein; im „heiligen Lande“ gilt es nicht j äußeren Ruhm, auch nicht Geld zu erwerben, son-! dem fürs Volk als großes Ganzes zu arbeiten, j als Lohn die Befriedigung, der Sache gedient, als j Ruhm, sie gefördert zu haben. j Wer es ernst mit seinem Zionismus meint, , und sich auf den Boden der auf dem Posener! Delegiertentag gefaßten Beschlüsse gestellt, also die Uebersiedlung nach Palästina in sein Lebensprogramm aufgenomimen hat, der wird mit mir verlangen, daß man ihm, soweit er einen für die ersten Arbeiten in Frage kommenden Beruf hat, nun auch die Möglichkeit gibt, sich in ihm für das Land seiner Sehnsucht auszubilden. Einen solchen Ausbildungskurs könnte man in den großen Ferien veranstalten (Ende Juli bis Anfang September), er dürfte schätzungsweise drei Wochen dauern und müßte in einen allgemeinen und in vier Fachkurse, je einen für jede Berufsart, zerfallen. Etwa am Vormittag 4 Stunden die allgemeinen Vorträge und am Nachmittag je 4 Stunden die speziellen. Als Themata kämen in Frage: Vormittag: i Erdkunde von Palästina, Hygiene im Orient, Einführung in soziale Fragen (möglichst von Fachleuten der einzelnen Gebiete), Rechtsfragen, insbesondere des Orients und der Juden. Nachmittag: A. Baukonstruktion, Baustofflehre, Bauführung, Kalkulation des Orients, sparsame Bauweise, Städte-! bau und Baukunst des Orients, jüdische Kunst, Heimstättenkultur, Normalisierung, Besichtigungen. B. Krankheiten des Orients und der Juden, ihre Behandlung und Verhütung. Krankenpflege des Orients. Apotheken im Orient, ihre Bezugsquellen, zweckmäßige Einrichtung. Gesundheitsüberwachung. BI. Desgl. eventl. die für die Veterinärmedizin erforderlichen. C. Recht und Verwaltung im Orient und bei den Juden. Biblische Gesetzgebung und Palästina von heute. Englisches Recht, Völkerrecht. Geldwirtschaft und Sozialisierung. Abrechnungsmethoden. Städtische und staatliche Verwaltung und Organisation, desgl. für Post, Eisenbahn, natürliche Kräfte und Schätze des Landes. Führungen durch die verschiedenen in Frage kommenden Betriebe. D. Schulsysteme. Ziele und Stoffgebiet der jüdischen Kinder. Fortbildungs- und Fachschule. Zoologie und Botanik von Palästina. Einführung in die jüdische Musik, Kunst und Literatur. Selbstherstellung von Unterrichts- und Anschauungsmaterial. Schulhygiene im Orient. Einrichtung von Kindergärten. Jugendbewegungen. Die Vortragenden müßten hauptsächlich nach ihrer Vertrautheit mit dem Stoff gewählt werden, sehr viele werden Nichtjuden sein müssen, da geeignete Juden nicht vorhanden sind. Auch be- ( kannte Führer aller Bestrebungen müßten zum j Worte kommen, um wirklich die Möglichkeit zu haben, das Beste herauszuwählen. Seminaristische Uebungen müßten Zuhörer und Vortragenden näher zusammenführen, Besprechungen der in Frage kommenden Literatur ein Fortbilden anbahnen. Führungen durch Sammlungen, Musteranlagen, Fabriken, Staats-, Verwaltungs- und andere Betriebe, sowie zahlreiche Lichtbilder und Karten müßten die ganze Veranstaltung beleben und anschaulich gestalten. Für die vier speziellen Abteilungen kommen folgende Berufsarten in Frage: A. Architekten, Baumeister, Maurermeister. Bauingenieure, Kunstgewerbler, Landmesser. B. Aerzte, Apotheker, Sanitätspersonal, männlich und weiblich, Schwestern, Hebeammen, Laborantinnen. BI. Veterinäre, Veterinärpersonal, Fleischbeschauer. C. Juristen, Kaufleute, Versicherungsfachleute und Mathematiker, Verwaltungsbeamte, Industrielle. D. Lehrer und Lehrerinnen, Fach-, Fortbildungslehrer, Rabbiner, Kindergärtnerinnen, Waisenpfleger. Dies Publikum könnte sich gut während der Schul- und Universitätsferien freimachen, dagegen steht es in finanzieller Hinsicht meist nicht besonders bevorzugt da lind ist zum großen Teil auch durch den Krieg schwer geschädigt. Aus diesem Grunde müßte man Massenverpflegung und gemeinsame Unterbringung vorsehen, wozu man

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