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Volk und Land · 1919-06-12 · Heft 24 (12.6.1919) · p. Seite 743-744

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 24 (12.6.1919)
Date
1919-06-12
Page
Seite 743-744 (sequence 8)
Language
German
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743 VOLK UND LAND 744 kenntnis der Landwirtschaft sehr behindert zu sein. Einen Pflaumenbaum zu schütteln ist keine sogenannte Kunst. D!e Gesellschaft geht aber noch einen Schritt weiter. Es handelt sich ja auch darum, für die Produkte einen Markt zu finden. Zu diesem Zwecke ist eine Organisation vorhanden, bestehend aus den Kolonisten, die für ihre Mitgliedschaft einen bestimmten Beitrag zu entrichten haben, und geleitet von Fachleuten und gewählten Vertretern der Mitglieder. So kann der Besitzer einer Parzelle an seinem bisherigen Wohnorte bleiben und seiner bisherigen Beschäftigung nachgehen, so lange er will. Er bezahlt für die Arbeit, die aui seinem Stück Lande getan wird, er entrichtet seinen Beitrag an die Handelsgesellschaft und steckt den Ueberschuß in die Tasche. Ein derartiger Verkauf der Produkte sichert nicht allein die Erzielung cfer höchsten erhältlichen Preise, es wird auch dadurch einer Konkurrenz innerhalb der Kolonie vorgebeugt. Zu einer präziseren Vorstellung von dieser Methode dürfte es vielleicht dienlich sein, einige nähere Angaben mit Ziffern mitzuteilen, die für unsere Verhältnisse zwar keineswegs maßgebend sein werden, immerhin aber einen illustrativen Wert haben. Der Käufer einer Parzelle bezahlt im ersten Jahre 35 Dollar per Acre für Pflügen und Bepflanzung. Gepflanzt werden zweijährige Mandel-, Feigen-, Pfirsich-, Aprikosen- Birnbäume usw. (Bei Olivenpflanzung ist der Preis 40 Dollar per Acre.) Im zweiten und jedem folgenden Jahre sind \2% Dollar per Acre zu entrichten für die volldige Pflege der Bäume durch Arbeiter, die unter fachmännischer Leitung stehen. Auf diese Weise kostet z. B. eine Parzelle von 10 Acres: 500 Dollar für das Land, 400 Dollar für 900 Oliyenbäume inklusive Pflanzung und Pflege im ersten Jahre und 375 Dollar für die Pflege der Bäume in den drei folgenden Jahren. Diese Zahlungen — im ganzen 1275 Dollar — bringen die Pflanzung in tragenden Zustand und eine vorsichtige, mäßige Schätzung spricht von einem Reinerträge (nach dem vierten Jahre) von '500 bis 5000 Dollar pro Jahr. Ich habe oben erwähnt, daß ich'die Ziftern nicht als maßgebend hinstellen möchte. Um zu zeigen, wieviel Spielraum einer mehr pessimistischen Anschauung gelassen werden kann, dürfte es genügen, an Folgendes zu erinnern: Eine kürzlich erschienene Statistik über die algerischen Juden gibt als wohlhabend“ diejenigen Familien an, deren Ernährer einen Francs und mehr pro Tag verdient — davon kann eben im Orient eine Familie leben! Es erübrigt noch, über 'die Anpassung der geschilderten Methode für unseren Fall einige Worte zu sagen. Der kolonisierende Faktor erwirbt ein Stück Land, ausreichend, sagen wir, für 5000 Familien und entsprechend in 5000 Parzellen geteilt, die zum Kaufe angeboten werden. Der Erwerb von Parzellen durch Ratenzahlungen wird weiteren Kreisen ermöglicht werden können, da die Abzahlungsdauer ja keine bestimmte sein wird. Wir mögen annehmen, daß es sich meist nur von 5 bis zu 15 Jahren handeln dürfte, doch ist auch eine bedeutend längere Dauer nicht ausgeschlossen. "Diese Ratenzahlungen, die ja vom ersten Jahre an einlaufen, ermöglichen der Gesellschaft sofort eine genügend große Anzahl von Arbeitern zu kolonisieren, die die ganze Strecke von 5000 Parzellen gleichmäßig in Arbeit nimmt. Diese Arbeiterkolonisten — nehmen war an, 1000 — bezahlen sozusagen ihre Raten in Arbeit, die selbstverständlich wohlgeleitet sein wird. Ich betone nochmals, daß ich die Ziftern nicht als maßgebend annehme. Wenn man sich vergegenwärtig, daß 1000 Familien im Orient für ihren Unterhalt hochgerechnet eine halbe Million Francs benötigen, und daß dieser Unterhalt teilweise aus eigener Produktion gewonnen wird, so dürfte es klar sein, daß die Ratenzahlungen der Landkäufer in jedem Falle, d. h. auch Bei Annahme eines anderen Ziffernverhältnisses für den Unterhalt der Arbeiterkolonisteh ausreichen werden. Die Gleichmäßigkeit der Bearbeitung kann z. B. dadurch gesichert werden, daß den Arbeitern erst nach etwa fünf Jahren ihre eigenen Parzellen zugewiesen werden. War die Bearbeitung njeht gleichmäßig, so erhalten die Arbeiter schlechtere Stücke Landes. Auf diese Weise kann ein Anfang ziemlich großen Stiles gemacht werden ohne große Geldmittel und mit sofortiger Arbeitsgelegenheit für die ersten Ansiedler. Auf diese Weise wird aber auch das Bedenken der Jüdischen Kaufleute und Handwerker beseitigt, denen heute der Uebergang zur Landwirtschaft mindestens als ein gewagtes Experiment erscheint. Der jüdische Kaufmann und Handwerker, der sich eine ruhige Zukunft schaffen will, wird sich einen Termin von einigen Jahren sefzen, Innerhalb welcher Zeit er seine Geschäfte weiterführt und allmählich abwickelt, und seine Parzelle ganz oder teilweise abbezahlt. Unter Umständen kann ihm sein Stück Land schon Nutzen tragen, noch bevor er dorthin geht. Eignet er selbst sich zu keiner Art landwirtschaftlicher Arbeit, so wird er sie stets von Arbeiterkolonisten geleistet bekommen können. Weitere Einzelheiten dürften kaum nötig sein, und so will ich zu meinem Ausgangspunkte zurückkehren und resümieren: Eine derartige Methode bietet eine gründliche Abhilfe, bricht mit dem demoralisierenden Wohltätigkeitssystem und geht in ihrer Wirkung weit hinaus über die bisherige „Von-Fallzu-Fall-Methode“. AUSBILDUNGSKURSE FUER DIE ZUR BESIEDLUNG PALAEST1NAS NOETIGSTEN GEISTIGEN FUEHRER Zwei Möglichkeiten der Besiedlung von Neuland gibt es, zwischen denen wir vor der Inangriffnahme der Palästinaarbeit uns zu entscheiden haben. Die erste geht nach dem Satze des „laisser faire, laisser aller“ vor und hat für manche Leute unbedingt etwas Bestechendes, die zweite dagegen ist die planmäßige, vorher festgelegte Besitzergreifung des neuen Landes durch die Einwanderer und entspricht den Erfahrungen und auch den Ideen der heutigen Zeit. Unbedingt verwerflich wäre es aber, beide Methoden zu vermengen, weil dann die wenigen guten Seiten der ersteren sich nicht entwickeln könnten, während die letztere eine als Bürokratismus unliebsam empfundene Pein für die allzu Freizügigen und als eine unvollkommene und deshalb unbrauchbare Maßnahme von den der Von Erich Toeplitz. i

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