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Volk und Land · 1919-05-29 · Heft 22-23 (29.5.1919) · p. Seite 729-730

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 22-23 (29.5.1919)
Date
1919-05-29
Page
Seite 729-730 (sequence 31)
Language
German
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729 VOLK UND LAND 730 werden auch wir erreichen; dann werden wir von Anfang an das haben, was wir bis jetzt trotz Tel Awiw noch nicht haben, eine neue Heimatkunst in unserer neuen Heimat! Wer mir das glaubt, und ich bitte Sie, glauben Sie das einem Manne,' der Palästina kennt und dort gebaut hat, der soll, wenn er sich in Palästina anbauen will, seine etwa vorgefaßten andersgearteten Anschauungen darüber, wie sein Haus aussehen soll, noch einmal revi dieren. Gehen wir in dieser Stilfrage einheitlicher vor als wir es in anderen Fragen bei unserem Temperament gewöhnt sind. Dann wird die Arbeit auf dem jüdischen Bauamt eine Freude sein. Denn das Bauamt wird, wenn die Engländer nichts dagegen haben, auch de Bauaufsichtsbehörde sein. Sie wird neben ihrer Hauptaufgabe, der Schaffung einer Bauordnung, welche die Bebaubarkeit der Grundstücke usw. regelt, auch die Prüfung aller von jüdisch-privater Seite zu errichtender Bauten nach der technischen und ästhetischen Seite vorzunehmen haben. Sie wird verhindern, daß Bauten entstehen, die die Einheitlichkeit der Siedlungsbilder oder die Schönheit der Landschaft zerstören. Sie ist die Bauberatungsstelle für uns und wird uns nach bestem Können nur Gutes raten. Andererseits wird ihr auch die Kontrolle über die sachgemäße und technisch einwandfreie Ausführung der Bauten und die Bauabnahme fertiger Bauten obliegen. Ja, nun möchten Sie auch noch gerne etwas über Baupreise hören. Darauf erwidere ich Ihnen: Ich audi! Denn von den heutigen palästinensischen Preisen habe ich leider keine Ahnung. Das was ich weiß, stammt noch von der Zeit vor dem Krieg und gipfelte darin, daß Häuser in Palästina soviel in Francs kosten, wie in Deutschland in Mark. Beim Bau des Technikums war der Unterschied zwischen hiesigen und Haifaer Verhältnissen schon fast ausgeglichen. Daß hier in Deutschland ein Bau vier- bis fünfmal soviel kostet, wie vor dem Kriege ist Ihnen bekannt. Nachdem ich neulich gehört habe, daß der palästinensische Maurer täglich ein englisches Pfund Lohn bekommt, wird der Bau dort wohl vier- bis fünfmal teurer sein, wie vor dem Krieg. Vor dem Krieg kostete in Deutschland ein Siedlungskleinhaus 4000 -5000 M., heute 16 000—20 000 M„ also 100 Siedlungshäuser 1600 000 bis 2 000 000 M. Da wird Ihnen wohl schwindlich? Mir auch! ln Palästina liegen die teueren Baupreise neben den verteuerten Löhnen, die wohl, wenn erst tausende jüdische Arbeitskräfte drüben sein werden, von selbst wieder abbauen, daran, daß man die wichtigsten Baumaterialien, Zement, Eisen, Holz und Glas von Uebersee einführen muß. Was das bei dem teuren Schiffsraum, beim Transport vom Schiff zu den künftigen Siedlungen kostet, das ist enorm. Was aber an Zement auf Kameltransporten verstreut wird, was an Glas kaputt geht und was an Holz gestohlen wird, ist nicht zu sagen. Darum ist es für unsere Siedlung .eine Lebensfrage, daß die jüdische Unternehmung sich sofort und mit Macht auf die fabrikmäßige Herstellung von Zement und Glas wirft, daß sie Fabriken baut, in denen Kunst- und Kalksandsteine erzeugt werden, daß sie Holzbearbeitungsfabriken errichtet, Schlossereien für Baubeschläge erbaut und Ziegel herstellt, gerade wie einst bei Pharao, aber möglichst nicht mit den Händen, sondern mit Maschinen. Und all die Räder und Maschinen, die tausenden jüdischen Arbeitern Brot und Arbeit geben werden, treibt entweder der Vater Jordan, der das Land mit elektrischer Kraft speisen wird, oder der Masut, den die Asphaltläger des Toten Meeres und des Yarmucktales hergeben werden. Ueber allem wird aber nicht die Peitsche des pharaonischen Aufsehers geschwungen zu werden brauchen, wie einst im Lande Mizrajim, sondern alle Arbeit wird verklärt durch die Freude eines Volkes, das sich selbst seine Wohnungen baut im Lande der Verheißung. Amen! WANDERUNGSHYGIENE Referent: Dr. Th. Z 1 o c i s t i. Wenn ich den Ausführungen der beiden Referenten auf dem Palästinadelegiertentag noch einige Worte über die besonderen Aufgaben der Wanderungshygiene asnfüge, so kann es sich füglich'nur um einige allgemeine Gesichtspunkte handeln und um ein grobumrissenes Arbeitsschema. Denn die einzelnen Bestimmungen sowie die Formen ihrer Anwendung können immer nur im Zusammenhang mit der Art, dem Charakter und dem Ausmaß der geplanten Wanderungen geschaffen werden. Die Wanderungshygiene kann nur im Rahmen des ganze» Auswanderungswesen wesentlich werden. Entscheidend ist hier schon der Umfang der Wanderung. Der Hygieniker tritt in die Fragen, die uns auf dieser Tagung beschäftigt haben, nicht ein. Aber es ist nicht so, daß die zu treffenden Maßnahmen bei größerer Ausdehnung der Auswanderung einfach nur eine rein rechnerische Vergrößerung erfahren als bei einer kleineren. Da es sich in diesen Fragen immer nur um Seuchen handelt, d. h. um soziale Krankheiten, so tritt hier das allgemeine Gesetz auf, daß die soziologischen Wahrscheinlichkeiten auch qualitativ andere werden, wenn sie aus dem Zusammenleben von Hunderten oder von Zehntausenden steigen. Das reine Gesetz der Zahl vergrößert nicht nur, sondern verwandelt die hygienischen Aufgaben und zwingt die Angriffspunkte ihrer Arbeit zu verschieben und die aufzuwendende Energie i» verschiedener Weise zu verteilen. Deutlicher fordern die Arten der Wanderung eine Differenzierung der Arbeitsmethoden. Es ist ohne weiteres klar, daß hier die Umstände richtungsgebend werden: Wird die Wanderung eine verzettelte sein oder wird sie sich in größeren Gruppen vollziehen? Führt sie kräftige, etwa im Kriegsdienst abgehärtete Männer in das Land oder werden ganze Familien, Frauen und Kinder, im Zuge sein? Sollen die gewöhnlichen Frachtdampfer und Passagierschiffe benutzt werden oder wird die Auswanderungsbehörde eigene Schiffe chartern? Erst die Erledigung dieser Vorfragen, die sich leicht vermehren ließen, gibt dem Hygieniker die Direktive. Bei alledem wird aber eine prinzipielle Entscheidung notwendig: es gibt für alle den Orient berührenden Schiffe bereits internationale Vereinbarungen, zu denen für die einzelnen europäischen Abfahrthäfen noch Landesverordnungen hinzukommen. So selbstverständlich diese Bestimmungen unsere Maßnahmen regulieren müssen, so gewiß ist es, daß die besonderen Verhältnisse im Komplex unserer Wanderungsprobleme, nicht zuletzt aber die besonderen Umstände Palästinas und die .besonderen nationalen Ziele, denen die Auswanderung gilt, spezifische Forderungen notwendig machen. Ob hier alle idealen Wünsche befriedigt werden können, ist leider zu bezweifeln. Wir erinnern uns, daß gerade die Einwanderungsgesetze Amerikas sich nicht darauf beschränken, die Gesamtheit gefährdende Krankheiten (im wesentlichen also die ansteckenden) femzuhalten, sondern daß sie zugleich das Ziel verfolgen, im Sinne der Eugenik auch jene Verpflanzungen m das Neuland zu stören, die nicht die Fortpflanzung zu einem höheren,

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