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Volk und Land · 1919-05-29 · Heft 22-23 (29.5.1919) · p. Seite 721-722

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 22-23 (29.5.1919)
Date
1919-05-29
Page
Seite 721-722 (sequence 27)
Language
German
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721 VOLK UND LAND 722 tümer gegenüber im Vorteil sei, der teures Eigenkapital oder Kredite zu verzinsen hat Er wird deshalb auch die Hypothekenzinseil leichter zahlen können. Und daß andererseits eine Beleihung des Wertes einer Wirtschaft auf Erbpachtboden, auf dem der Pächter 50 Jahre sitzen darf und auf dem er bzw. seine Kinder mit größter Wahrscheinlichkeit auch noch nach Ablauf dieser Frist und Erneuerung des Pachtvertrages werden arbeiten können, bis zu gleicher Höchstgrenze wie bei der des Wertes einer Wirtschaft in freiem Eigentum keine größeren Gefahrenrisiken böte. Dies ist übrigens auch die Ansicht, die in Deutschland jetzt in dieser Frage sich vielfach geltend macht. Ich möchte hier noch gleichsam in Paranthese den zum mindesten theoretisch interessanten Fall der Obstbaumkolonie Eden bei Oranienburg anführen. Hier ist der gesamte Grund und Boden im Besitz einer Genossenschaft. Die Siedlungs- und Baumpflanzungsgrundstücke werden im Wege des Erbbaurechts vergeben, wobei von der Möglichkeit des § 1013 B. G. B. Gebrauch gemacht wird. Dieses Erbbaurecht nun beleihen die Genossen zum Zweck de9 Hausbaues zu 90 o/0 des Kostenpreises des von ihnen auf dem Grundstück errichteten Hauses bei der von den Freunden der Eden-Siedlung gegründeten gemeinnützigen Kreditanstalt, die in Höhe des gewährten Kredits Pfandbriefe ausgibt. Dieses Verfahren wäre für unsere städtische Hypothekenbank durchaus akzeptabel. Ich fasse zusammen: weder die Beleihung von Erbpachtland, noch von städtischen Erbbaugrundstücken wird, wenn wir ein unter soliden Grundsätzen aufgestelltes Hypotheken- und Grundbuchrecht eingeführt und die Geschäftsführung unserer Banken durch ein entsprechendes Hypothekenbankgesetz festgelegt haben, wirtschaftlich bedenklich sein oder der Bonität unserer Pfandbriefe schaden. Immer aber unter der Voraussetzung, daß sich die Agrarkreditbank streng an die Voraussetzung hält, daß sie nur den üblichen langfristigen Kredit für Anlage, resp. Bodenverbesserungszwecke gewährt, aber die Betrieb s k r e d i t g e w ä h r u n g den Genossenschaften überläßt. Die Depositenkassen der Common - Wealth - Bank können auch für den Fall, daß zeitweilig größerer Kapitalbedarf im Lande herrscht, Barkapitalien zu uns herüberziehen. Ich glaube aber kaum, daß das notwendig sein wird, denn Palästina wird doch noch auf lange Zeit hinaus voraussichtlich gegenüber England und Frankreich, den Ländern alten und soliden Kapitalreichtums, trotz der wirtschaftlichen Erschütterungen, die auch ihnen der Krieg gebracht hat, das Land der höheren Zinssätze sein, in das anlagesudlend so viel Geld strömen wird, daß es vielleicht zur Aufgabe unserer Notenbankpolitik in erster Linie mit gehören wird, eine ungesunde Uebersättigung unserer Kreditwirtschaft zu verhindern. Kapital wird genug ins Land strömen wollen, um Städte, Fabriken und Hotels zu bauen. Hoffen wir, daß nicht die europäischen Staaten durch die gewaltigen Gelderfordernisse, vor die sie die Aufbauarbeit des Friedens stellt, zu Beschränkungen des Kapitalexportes oder zu so einschneidenden Maßnahmen bei der Regulierung der Höchstsätze der von Auswanderern mitzuführenden Vermögen gezwungen werden, daß hier für uns schwere Gefahren entstehen können. Da werden nur Verhandlungen von Fall zu Fall und von Land zu Land, eventuell gepaart mit handelspolitischen Vereinbarungen Milderung oder Abhilfe schaffen können. Aber all das können wirenst übersehen, wenn die trüben Nebelschwaden sich vollzogen haben, die heute noch über Europa hängen und seine Atmosphäre für uns undurchsichtig machen. Hoffen wir, daß unsere palästinensische Arbeit nicht aufgehalten wird durch neue schwere politische Erschütterungen des europäischen und des asiatischen Kontinents und daß auch die sozialen Stürme, die der Welt noch bevorstehen, das Werk nicht hinwegfegen können, das wir auf dem festen Fundus eines glücklichen und zufriedenen Volkes aufbauen wollen! BAU- UND UNTERKUNFTSFRAGEN Referent: Regierungsbaumeister Baerwald. Sehr geehrte Herren! Der alte Archimedes hat gesagt: Gib mir einen Punkt außerhalb der Erde, und ich werde die Erde aus den Angeln heben. — Für uns handelt es sich darum, unsere Erde, das heißt Palästina, in die Angeln zu heben. Den Punkt in der Luft, von dem aus* w i rdie Hebel ansetzen wollen, den haben wir schon; ja ich möchte sagen, wir haben zuviel Luft, wir hängen, leider, noch sehr in der Luft. Aber trotzdem, trotz aller Unsicherheit und Unbestimmtheit, wie sich die palästinensischen Verhältnisse gestalten werden, welchen Grad von Selbständigkeit wir in den Dingen des jüdischen Aufbaus erhalten werden: Wir setzen die Hebel an. Wer sollte wohl die Hebel energischer ansetzen als die Schar der Aufbauenden, die Schar der Architekten, Ingenieure, Techniker, Handwerker und Arbeiter, die der Immigration das Heim bereiten werden. Eine solche Aufgabe, einem ganzen Volk in kurzer Zeit Wohnungen, Siedelungen, Schulen, Krankenhäuser, Fabriken und Tempel zu bauen, ist in der Vorzeit in diesem Umfange noch nicht dagewesen. Die Aufgabe ist für den Techniker wundervoll und ebenso verantwortungsvoll, denn Städte und Siedelungen sind keine Gedanken, die heute gedacht und morgen vergessen sind, auch keine Bücher, die man zuklappen und weglegen kann, sondern Volksdokumente in Stein, die bis an das Ende der Tage von der Rückkehr der Juden in das Land der Väter zeugen sollen und zeugen werden. Diese gigantische Aufgabe muß einheitlich und großzügig naqji weitschauenden Gesichtspunkten angepackt und in ebenso umfassender, monumentaler Weise gelöst werden, oder sie kann planlos von hie und da einsetzenden Kräften, die ohne Rücksicht aufeinander die Bebauung des Landes' brockenweise in <fie Hand nehmen, in Angriff genommen werden. Das aus dem letzteren Vorgehen nichts Gescheidtes herauskommen kann, braucht wohl nicht näher bewiesen zu werden. "Nur von einer Leitung aus kann die Unsumme von Ueberlegungen und Untersuchungen technischer, hygienischer-und finanzieller Natur, Forschungen auf nationalökonomischen, landwirtschaftlichen und industriellen Gebieten verwertet werden, die erforderlich sind, um vernünftige Grundlagen für die Besiedelung und Bebauung Palästinas zu schaffen. Und die leidige Politik, die Unsicherheit, inwieweit die jüdische Immigration selbstbestimmend, eine Siedeluug aufbauen kann und wie groß das zur Erschließung gelangende Gelände sein wird, die Entscheidung ob Erbpacht oder privater Grundbesitz auf die zionistische Flagge zu schreiben ist, die 'Ungeklärtheit des Zusammenlebens mit den Arabern, die Arbeiterfrage, der Kampf der Weltanschauungen, hie sozialistisch, hie kapitalistisch, alles das sind Dinge, die auf die städtebaulichen Fragen von großem Einfluß sind. v In den Rahmen dieser Abhandlung fällt aber nur die technische, hygienische, finanzielle und künstlerische

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