Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 22-23 (29.5.1919)
- Date
- 1919-05-29
- Page
- Seite 701-702 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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701 VOLK UND LAND 702 ihren eng begrenzten Bezirk malariafrei halten können, obwohl ihre Niederlassung inmitten eines schlimmen Malariaquartiers liegt. Es ist durchaus nicht nötig und wäre äußerst ver fehlt, etwa mit der jüdischen Einwanderung warten zu wollen, bis die Malaria im Lande „beseitigt“ ist. Notwendig ist es — und dies betrachten wir als selbstverständlich — daß schon beim ersten Beginn der Einwanderung der Malariafeldzug in umfassender Weise vorgenommen wird, um wenigstens die besiedelten und zunächst zu besiedelnden Distrikte malariafrei zu machen und der bevorstehenden großen Einwanderung a’le Konflikte mit dieser Krankheit des Landes für die Zukunft zu ersparen. Im allgemeinen ist Palästina klimatisch aber durchaus besser gestellt, als die meisten jetzigen Wohnländer der Juden. Ganz besonders gut fällt ein Vergleich Palästinas mit dem bisherigen Hauptziel der jüdischen Auswanderung, New York, aus. Man kann sagen, daß New York ein mörderisches Klima hat. Die feuchte Hitze der Sommermonate ist sehr schwer zu ertragen. Ich habe sechs Jahre dort gelebt und kenne die Verhältnisse aus eigener Anschauung. Zwanzig bis vierzig Todesfälle an Hitzschlag pflegen in der heißen Zeit täglich berichtet ZU werden. Als ich! zum ersten Male nach New York kam (es war in einem Augustmonat), sah man Pferdeleichen an jeder Straßenkreuzung. Die Tiere fielen schneller, als man sie wegschaffen konnte. Trotzdem ist es aber noch niemandem eingefallen, die auswandernden Juden vor New York warnen zu wollen. Palästina ist auch ein heißes Land, aber ein Land mit trockener Hitze, die man sehr gut verträgt. Dafür entfällt im ganzen Küstengebiet und der Gegend des Tiberiassees die Winterkälte vollständig und nur in den höheren Gebirgsteilen, in denen allerdings z. B. Jerusalem und Hebron liegen, gibt es etwas wie einen leichteren europäischen Winter. Die klimatischen und gesundheitlichen Verhältnisse Palästinas werden auch auf das treflichste illustriert durch die tatsächlichen Krankheits- und Sterblichkeits- Verhältnisse der Juden. Hohes Alter ist eine häufigere Erscheinung als anderswo, und in jüdischen Kolonien sind Geburts- und Sterbeziffern festgestellt worden, die alles, was wir von Europa her kennen, in fast unglaublicher Weisa übertreffen. Es braucht also kein Jude sich durch irgendwelche Bedenken in klimatischer Hinsicht abschrecken zu lassen. Nach der besten Kenntnis Palästinas und auch nach mancherlei sehr ernsthaften Plänen und Vorbereitungen, die seit vielen Jahren in dieser Richtung gehen, läßt sich erwarten daß Palästina auf Grund seiner mannigfachen natürlichen Heilfaktoren in sehr kurzer Zeit zahlreiche! Kur- und Badeplätze aufweisen wird, die wiederum viel zum Aufschwung des Landes und der jüdischen Siedelung beitragen werden. Auf alle Fälle kann man sicher sein, daß der Sanitätsdienst unseres werdenden Staates die guten klimatischen Verhältnisse sehr bald zu idealen Zuständen entwickeln wird. Ucbrigens scheinen sich die Herren von der Gegenseite, die nach 22 Jahren zionistischer Propaganda jetzt — im Augenblick der möglichen Verwirklichung — plötzlich die Verantwortung entdecken, garnicht darüber klar zu sein, was sie bisher propagiert und welche Stellung sie zu diesen Dingen eingenommen haben. Es gibt keinen krasseren Maximalsten als Theodor Herzl, der in seinem Roman „Altneuland“, den er selbst als ein Lehrgedicht bezeichnet, und der nach seinen zahlreichen Aeußerunigen tatsächlich sein Programm der Verwirklichung des Zionismus darlegeii sollte, nach einer viermonatlichen Vorbereitungszeit, innerhalb weiterer 8 Monate eine halbe Million Einwanderer nach Palästina bringen wollte, d. h. im Durchschnitt mehr als 2000 pro Tag. Herzl hatte vor nichts so sehr Angst als vor einer kleinen Kolonisation. Eine solche hätte ihm zu sehr nach „den kleinen Vereinchen“ ausgesehen. Sein Horror vor einem solchen Maßstabe ging so weit, das er sich nicht einmal zu der von ihm gelegentlich in ihrer systematischen Bedeutung erfaßten methodischen Kolonisation entschließen wollte. Meine Freunde und ich haben uns damals mit aller Entschiedenheit gegen diesen Standpunkt kehren müssen. Unter der Voraussetzung'des in seiner Form unmöglichen Charters wollte Herzl jede systematische, vorbereitende Ko'oni a ion verhindern. Wir, die wir ,an seinen Charter nicht glauben konnten, mußten gerade diese systematische, auf kleinen Anfängen aufgebaute Kolonisation fordern. Hier war der Konflikt. Die gesamte zionistische Offizialität, die sich seit damals — in Deutschland wenigstens — fast gar nicht verändert hat, stellte sich „voll und ganz“ auf Herzls Seite, wie sie von jeher ein jedes Wort des Meisters unterschrieb. Heute, wo Herzls Voraussetzung auf einem anderen Wege zur Wirklichkeit geworden ist und wodurch Herzls Maßstab nunmehr einen Sinn gewinnt, entdecken die Offiziellen von damals ihre Verantwortlichkeit und reden von „Vprgaukeln“ und von ^Verbrechen am jüdischen Volke“ und dergleichen mehr! —- Jll"> Am i, Juli { 1 beginnt ein neues Quartal Wir bitten unsere Leser in ihrem eigenen Interesse, die Abonnements rechtzeitig zu erneuern