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Volk und Land · 1919-05-29 · Heft 22-23 (29.5.1919) · p. Seite 689-690

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 22-23 (29.5.1919)
Date
1919-05-29
Page
Seite 689-690 (sequence 11)
Language
German
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689 VOLK UND LAND -.- .■ 690 Ich halte es daher, in Gemäßheit mit dem (lohen Werte dieser Ausführungen, für angebracht, ihren Ge dankengang näher zu verfolgen und dabei einzelne, besonders beachtenswerte Punkte hervorzuheben. Tch werde auch versuchen, gewisse Unterlagen, die von Ballod für seine Erwägungen und Aufstehungen benutzt sind, anderen Angaben gegenüberzustelbn. Wenn dabei einiges zu Korrekturen Veranlassung geben mag, so wird doch der grundlegende Gedanke Bai 1 o d s, daß Palästina viele Millionen Menschen auf nehmen und ernähren kann, hier keinesfalls angetastet werden. Es erweisen sich bei näherer Prüfung einige seiner Zahlen und Anhaltspunkte als unterschätzt. Andere seiner Daten halte ich für zu hoch gegriffen. Die Abweichungen sind aber meistens solcher Art, daß sie in dem gesamten Bilde keine wesentlichen Störungen verursachen.“ Der Artikel Oettingers schließt mit den Worten: „Ballod gibt nicht die einzigmögliche Lösung des palästinensischen Bevölkerungsproblems. Aber sein hohes Verdienst in bezug auf Palästina liegt, abgesehen von den Anregungen, zu denen er Veranlassung gibt, bereits jetzt darin, daß er den so sehr ins Allgemeine und Ungenaue gehenden Ausführungen Philippsons detaillierte Bewertungen'der einzelnen Produktionsgebiete des Landes gegenübergestellt hat. Durch die Anwendung dieser Methode hat Balloddie Frage einermöglichst dichten Bevölkerung Palästinas jedem Zweifel entrückt.“ Auch Dipl.-Ingtenieur S. Kaplansky (Sekretär des jüdischen Nationalfonds) nimmt in der Zeitschrift „Erez- Israel“ (1016, Heft J, S. 64), zu der Ballodschen Arbeit Stellung und behandelt besonders die entscheidende Frage der Fassungskraft des Landes. Hierbei kommt er zu dem Ergebnis, daß die Ballodsche Ziffer von 6 Millionen keineswegs ein Maximum, sondern in absehbarer Zeit eher ein Minimum darstellen würde, das sich leicht verdoppeln ließe. Er sagt dort: „Die Siedlungsdichte von 5 bis 6 Millionen in Palästina wird in wenigen Generationen nicht mehr eine erst zu erreichende Höchstzahl sein, sondern eine Mindestzahl des Mögliche n.“ Er weist ferner darauf hin, daß das benachbarte Aegypten mit seinen 12 Millionen Einwohnern (auf einem Gebiet, das Palästina nur wenig übertrifft) zeigt, daß bei den von Ballod vorausgesetzten kulturtechnischen Maßnahmen eine noch viel zahlreichere Bevölkerung erreichbar ist. In der Berechnung des anbaufähigen Bodens Palästinas kommt Kaplansky (S. 62) trotz wesentlicher Abweichungen in einzelnen Punkten „z ufastübereinstim mendenErgebnissen.“ Ruppin, der sich hierüber nicht direkt äußert, hat in einer Abhandlung über den Libanon wenigstens einen Anhaltspunkt gegeben. Er hat in einer vorzüglichen kleinen Studie*) dargetan, wie die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser nächsten Nachbarprovinz Palästinas aussehen, und wie dort auf dem anbaufähigen Boden über 10 Seelen auf den Hektar kommen. Nach diesem Maßstabe würde in Palästina sogar für 20 Millionen und mehr Platz sein. Soweit die wichtigsten Vergleichsziffern zur Frage der Kapazität Palästinas. Vor allem müssen wir nunmehr an eine entsprechende Organisation der Auswanderung und Einwanderung denken. Wir werden auch eine haben. Die Leitung kann nicht anders als eine solche Organisation schaffen. Aber die größten Mißstände könnten entstehen, wenn man ■*) In der „Deutschen Levante-Zeitung“, Abgedruckt in „Volk und Land“, Heft 2, 1010. Hier auch mit Anmerkungen des Herausgebers bezüglich Aegyptens, des südwestlichen Nachbargebietes von Palästina, wo die Bevölkerungsdichte, abgesehen vom Großgrundbesitz, diejenige des Libanon sogar noch übertrifft! sich nicht von Anfang an über die Grundidee und den Maßstab wenigstens einigermaßen klar ist. Bei einer Vorbereitung für nur 20 000 im Jahr und einer sich dann ergebenden sehr viel größeren Einwanderung würde es selbstverständlich zu schlimmen Dingen kommen müssen. Sind aber die Vorbereitungen für eine sehr große Einwanderung getroffen, so wäre für die Auswanderer, wenn es dann eine viel kleinere Zahl \vürde, nur umso besser gesorgt. Darum ist es unbedingt nötig, sich wenigstens einigermaßen über den möglichen Umfang der Bewegung von vornherein klar zu werden. Nunmehr möchte ich versuchen, an einem Beispiel zu zeigen, wie sich auch ganz große Einwandererziffern in der Praxis verteilen würden. Ich wähle als Beispiel eine Einwanderung von 100 000 im Jahre, bemerke aber ausdrücklich, daß es mir durchaus fern liegt, midi etwa mit einer solchen oder ähnlichen Ziffer zufriedenzugeben. Ich glaube, es wird ein Vielfaches — zum mindesten ein Mehrfaches — dieser Ziffer werden, ich wähle sie auch nur, weil sie bereits ein Vielfaches der offiziellen Annahme darstellt, und weil sie sehr rund und leicht multiplizierbar ist. Wir nehmen also in diesem Sinne „beispielsweise“ eine Einwanderung von 100 000 im Jahre an und wollen nun zu-der Organisation übergehen, die eine Auswanderung, wie wir sie nötig haben, erfordert. Wohlgeleitete Aus- und Einwanderungsämter sowie Informationszentralen mit allen erforderlichen Zweigstellen usw. in allen in Betracht kommenden Staaten und Ländern nehmen wir hierbei als selbstverständliche Erfordernisse an; ebenso entsprechende Einrichtungen in Palästina, wie auch in den für einen Teil unserer Auswanderung in Betracht kommenden Nachbargebieten und Etappenstationen, die übrigens einen nicht unbeträchtlichen Teil unserer Auswanderung aufnehmen dürften. Betrachten wir nur zunächst die Schiffs reise. Man hat davon gesprochen, daß schon die Schiffsraumknappheit jede Massenübersiedlung sehr schwer gestalten würde. Aber die Knappheit an Frachtraum ist im Bereich “der Mittelmächte sehr stark übertrieben worden. Außerdem hat während des Krieges ein ungeheurer Schiffsbau eingesetzt. In einem Monat gewinnen wir jetzt soviel Weltschiffsraum wie früher in einem Jahre. Der Schiffsraum, den wir brauchen, entspricht heute der Weltproduktion von wenigen Tagen. Hier können also keine allzugroßen Schwierigkeiten liegen.*) Ferner: Hunderttausend Auswanderer im Jahre heißt nur 2000 in der Woche, und, wenn wir Schiffe annehmen, die 2000 Auswanderer befördern können, so würden wir wöchentlich nur ein Schiff, wahrscheinlich von Odessa, als dem Haupthafen Südrußlands, von wo wohl neun Zehntel unserer Auswanderer kommen dürften, expedieren müssen. Rechnen wir für die Fahrt Odessa-Palästina und zurück, einschließlich der Aufenthalte zusammen etwa drei Wochen, so würden wir im ganzen nur drei Schiffe brauchen, denn alle drei Wochen könnte dasselbe Schiff aufs neue expediert werden. — Mir scheint, es wird ein reichliches Dutzend amerikanischer und englischer Schiffsgeseüschaften geben, deren jede einzelne einen solchen „Transportauftrag4* gern übernehmen und ausführen würde. So „klein“ ist diese Sache schließlich. JEs kommt noch hinzu, daß die Auswanderung ja nicht nach einem Punkte gehen wird, sondern wie *) Schon jetzt hält die Welt bei einer Ueberproduktion an Schiffsraum. Englische und holländische Fachleute sagen bereits für 1920 eine Schiffahrtskrise auf Grund von Ueberangebot voraus und fordern dringend die Einschränkung d^; Neubauten!

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