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Volk und Land · 1919-05-29 · Heft 22-23 (29.5.1919) · p. Seite 679-680

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 22-23 (29.5.1919)
Date
1919-05-29
Page
Seite 679-680 (sequence 6)
Language
German
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679 VOLK UND LAND 680 glühte. Es schien, wie wenn er von einer zionistischen Lyrikerkommission verfaßt wäre. Und mit diesem klingenden und duftenden Prospekt ging die Gesellschaft hin und importierte nach Palästina Immophone, eine Abart ’des Grammophons, die uns in Palästina dringend gefehlt hat. LAber das Hauptgeschäft, an dem sie auch das meiste Geld verlor machte diese Palästina-Gesellschaft in griechischen Korinthen, und schließlich vergriff sie sich an dem bekannten Gerbemittel für Glaceleder, nämlich an konstantinopolitanischem Hundekot. Aber nicht einmal das hat ihr geholfen, und sie wird in der Geschichte der verkrachten Unternehmungen für immer ihren Ehrenplatz behalten. Es gelang der Palästina-Handelsgesellschaft, mehr als lOCU/o ihres Kapitals .zu verlieren. Das Plus mußte durch persönliche Garantien zweier Teilnehmer gedeckt werden. Bei einer der auflösenden Versammlungen hatte man die Freundlichkeit, auch mich hinzuzuziehen und ich konnte die tröstenden Worte hören: Wir sind kaputt aber auf Palästina wirft dieser Mißerfolg keinen Schatten, denn wir haben unsere Verluste außerhalb Palästinas geh abt! Ein Vers von Ulrich Hutten, dem Vorkämpfer gegen Finsternis, Gedankenträgheit und überlebte „Wissenschaft“ Und für Freiheit der Forschung: Ich hab's gewagt mit Sinnen Und trag dess' noch kein’ Reu', Sollt' ich nit dran gewinnen, Doch muß man hegen Treu. Ich weiß! noch Viel’ ... Wenns irgendwen gelüstet, mag er nun in meinen Materialien schnüffeln. Wer einigermaßen doch einen Kopf hat, dem kann's nur nutzen. Er wird was lernen. Aber wenn allerlei weiteres im Stile dieser Palästina-Tagung versucht werden sollte, kriege ich's fertig, auch meinerseits mit mehr aufzuwarten. Bisher habe ich nur an Dinge erinnert, denen diese Diskussion nicht mehr schaden kann. Die Huttensche Strophe ist oben mitten unterbrochen. Es heißt weiter: .... Ich weiß noch Viel, WolPn auch ins Spiel Und sollten drüber sterben. Auf, Landsknecht' gut und Reiters Mut Laßt Hutten nit verderben! . „In diesem Sinne“ sei die Aufforderung wiederholt die in der Erklärung enthalten war die ich am Schlüsse der Tagung abgeben durfte. Wer wirklich will, daß dieser einzigartige Moment, in dem die Oeffnung Palästinas mit der größten Judennot zusammenfällt, die je war — daß dieser Moment nicht versäumt werde durch Unkenntnis und Mutlosigkeit, wer helfen will, „aus der Flucht einen Aufbau zu machen“, für sein Volk und für sich selbst, der helfe am Zustandekommen einer eigenen Fraktion innerhalb der zionistischen Bewegung, die sich unter den viel zu zahlreich gewordenen Aufgaben des Zionismus der schändlich vernachlässigten Palästinadinge annehmen will. Vom Kampf zur Arbeit! Nürnberger Platz 5. Davis Trietsch. Berlin W. 50, EROEFFNUNGSREDE ZUM PALAESTINA-DELEGIERTENTAG gehalten von Geehrter Delegierten tag! Als wir im Dezember vorigen Jahres auf unserem XV. Delegiertentag die Fragen des Aufbaues Palästinas besprachen, standen wir noch vor einer vollkommen ungeklärten Situation. Wir hatten nur eine Hoffnung — eine Hoffnung allerdings, die uns Gewißheit war und sein durfte. Seitdem sind fünf Monate verflossen. . Die Entwicklung der äußeren politischen Verhältnisse ist langsamer vor sich gegangen, als viele gehofft hatten. Die Grundlinien des neuen Europa sind immer noch nicht endgültig festgelegt. Und so ist es denn begreiflich, daß auch die Zukunft Palästinas manchem noch nicht so zweifelsfrei erscheint, als seiner Ungeduld entsprechen würde. Immerhin sind eine Reihe von Momenten vorhanden, die uns in den Grundzügen ein sicheres Urteil gestatten. Und nur auf diese Grundzüge braucht es uns heute anzukommen, wo wir versuchen wollen, uns über einige grundlegende Probleme des jüdischen Palästina Rechenschaft zu geben. Nach den bis heute vorliegenden Nachrichten wird der Rechtsanspruch des jüdischen Volkes auf eine nationale Heimstätte in Palästina anerkannt- und wird dem jüdischen Volke die Möglichkeit gegeben werden, diesen Rechtsanspruch, diesen Titel auf das Land, durch ein großzügiges nationales Siedlungswerk in eine Tatsache des realen politischen Lebens zu verwandeln. Wir Juden sind ja in einer weit schwierigeren Lage als die allermeisten anderen Völker. Ein Volk, das in seinem Lande A. H a n t k e. wohnt, dort seine Sprache spricht, seiner Kultur lebt — entbehrt nur der politischen Freiheit. Ihm kann diese politische Freiheit sofort gewährt werden. Denn die Welt erkennt damit nur einen real bereits bestehenden Zustand an. Wir Juden bilden in unserem Lande bisher nur eine Minderheit. Wir haben der alten Heimat den Stempel unserer Eigenart noch nicht wieder aufdrücken dürfen. Und so hat die Welt unsere Beziehungen zum Lande bisher mehr als ideale Empfindungen, denn als Elemente politischen Seins betrachtet. Um so höher müssen wir daher den ‘Erfolg schätzen, daß uns jetzt schon — bevor wir das Land kolonisiert haben — unser Anspruch auf Palästina grundsätzlich bestätigt wurde. Gewiß sind unsere Beziehungen zu Palästina Fragen des innerjüdischen Lebens, Emanationen unseres jüdischen Geisteslebens und damit in ihrer Existenz nur an uns selbst gebunden und frei Yon äußerer Beeinflussung. Die Menschheit bildet^ aber eine immer mehr wachsende und immer mehr sich untereinander verknüpfende Einheit. Und bei aller Autonomie nationalen Denkens ist das Gedeihen einer jeden Volksentwicklung auf das engste mit der Außenwelt verknüpft. Und so bedarf auch das jüdische Volk als erste Voraussetzung seiner weiteren Entfaltung der Anerkennung seines Anspruches auf seine Heimat. Diese Anerkennung werden wir erhalten. Die ideelle Heimatlosigkeit unseres Volkes wird damit beendet sein. In weit größerer Sicherheit als bisher werden wir uns dem Aufbau des neuen jüdischen Palästina widmen können.

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