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Volk und Land · 1919-05-29 · Heft 22-23 (29.5.1919) · p. Seite 675-676

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 22-23 (29.5.1919)
Date
1919-05-29
Page
Seite 675-676 (sequence 4)
Language
German
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675 VOLK und LAND 676 lien haben wir jetzt im Palästina-Industrie-Syndikat auch beraten. Leider haben wir ihn ablehnen müssen.??? Dr Ruppin fuhr fort: Die Suche war so: Sie hatten vorgeschlagen Mauersteine, Fav'onsteine, Röhren und Dachziegel. Das war uns zu viel. Wir wollten nur mit einer Sache beginnen ugd einigten uns, als besonders aussichtsreich. apf die Dachziegel. Während noch darüber gesprochen wurde, kam Herr Keßler (Transvaal) herein und fragte worüber hier verhandelt werde. Als ihm gesagt wurde, es handele sich um die Herstellung von Dachziegeln aus Zement und Sand, sagte er: „Das ist veraltet, wir haben das in Südafrika auch gehabt verwenden aber jetzt Asbestschiefer.a Damit galt dann für uns die Sache als erledigt. Ich erlaubte mir die bescheidene Gegenfrage: Haben Sie sich daraufhin wenigstens mit der Frage der Herstellung von Asbestschiefern befaßt? Worauf Dr. Ruppin erwiderte: „Nein." Und wörtlich weiter: „Dafür lag ja kein Antrag vo r!“ Mit dieser klassischen Antwort picht zufrieden (ich bin nun einmal ein ewig Unzufriedener^ habe ich mich dann hingesetzt und an einige Firmen, die Asbestschiefer bzw. die Maschinerie dazu herstellen. geschrieben, um feststellen zu können, was daran sei. Irgendeine Voreingenommenheit für Zement und Sand lag mir völlig fern. Ich wollte nur Baumaterialien und Industrie Wenn der Asbestschiefer für unsern Fall das Geeignetere gewesen wäre, würde ich mich sehr gefreut und mir wahrscheinlich 6 M. geborgt haben, um aut Keßlers Einwand gegen meinen Zementsand-Dachstein einen Oelbaum pflanzen zu lassen. Die Unterlagen, die ich über die Asbestschiefer erhielt, zeigten allerdings, daß Keßlers Einwand nur für Transvaal und ähnlich geartete Verhältnisse zutraf. Der Aisbestschiefer war nämlich wesentlich teurer, wenn auch leichter als der Dachziegel aus Zement und Sand; wo der letztere aber am weite Entfernungen transportiert werden muß, kommt der Asbestschiefer der geringeren Transportkosten >vegen billiger an den Verwendungsplatz. So lag der Fall. Eine weitere Probe auf mein Exenjpel kann darin gesehen werden, daß die Herstellung solcher Baumaterialien aus Zement und Sand inzwischen auch von einer ganzen Reihe von Juden und Nichtjuden in Palästina aufgenommen worden ist, was Ruppin selbst in seinem Buche über Syrien bestätigt*). Je mehr eine Begriffsstutzigkeit, die schon an Rassenschande grenzt oder eine skrupellose Dialektik die Versuche fortsetzen wird, aus der Affäre Oettinger „eine gehässige Aufbauschung von Rechenfehlern“ zu machen — um so mehr wird man die andere Seite zwingen, mit immer stärkerem (Geschütz zu kommen und immer deutlicher zu werden. Es ist nicht unwesentlich, sondern im stärksten -Gegenteil absolut grundstürzend, wenn unsere erste Autorität in einem von unserer wichtigsten Institution als Grundlage *) „ln den letzten Jahrzehnten hat in Jaffa, Haifa, Jerusalem und Tiberias und Aleppo die Herstellung von Quadersteinen, Vollziegetn, Treppenstufen, Tür- und Fenstereinfassungen, Hohlblöcken usw. aus Zement und Sand eine ziemliche Ausdehnung gewonnen, da sie sich billiger stellen als der Naturstein, soweit er weither zu transportieren und schwer zu bearbeiten ist. Diese Industrie ist hauptsächlich in den Händen der Deutschen und Juden/* der neuen Kolonisation veröffentlichten Buche einen Plan entwickelt, /lach dem man erstens: die Sache nun einmal nicht finanzieren kann (zu 2 "o verleihbar kriegt man keine 460 Mill. Frcs.). Zweitens kann die Oettingersche Rentabilität seines ersten und wichtigsten Schemas von 1,9 (!) niemanden zur Ausführung reizen. (Welcher Jude wird im Schweiße seines Angesichts in einem riskanten und ungewohnten Berufe einer solchen Rentabilität nachjagen, wenn er in absoluter Sicherheit und ohne einen Finger zu rühren auf der Sparkasse das Doppelte, bankmäßig — im Orient — das drei- bis vierfache in Hausbau- Unternehmungen das fünf- bis sechsfache verdienen j kann?) Drittens aber — und hier kommen wir | wiederum zur grundlegenden Frage der Fassungskraft des Landes — ist es doch ge-! fälligst ein Unterschied, ob nach Oettingers berichtigtem Schema VI vom Qudartkilometer Land (je | nachdem, ob es unbewässert oder bewässert ist — das Verhältnis ist wie 1:4 —) 250—1000 Menschen | landwirtschaftlich existieren können, oder ob nach | seinen eigenen Ausrechnungen nur der Unterhalt | von einem $iebentel jener Zahlen dabei herauskommt. Und schließlich geht ja gerade hieraus hervor welch ungeheures Feld öffentlicher Arbeiten schon die Schaffung der Bewässerung bietet. Aus 400 000 Heimstätten unbewässerten Bodens bewässerbaren zu machen, heißt starke j Intensivierung des Ambaus. Ersparnis von 3/4 der j Fläche, Verbesserung der so geschaffenen Heimi Stätten, erhöhte Sicherheit des Ertrags und Er- | Weiterung der (Arbeitsmöglichkeiten im Betrage von I etlichen Dutzend ^lillionen Francs!! Kein Wunder, daß man bei so grundlegend | falschen Begriffen von Kapitalbedarf, Bodenausmaß, Rentabilität jund Möglichkeiten der öffentlichen Arbeiten auch zu grundlegend falschen Auffassungen von Einwanderung^- und Kolonisationsmöglichkeiten sowie hinsichtlich der Fassungskraft j des Landes gelangt, wie die von Oettinger beeinflußten oder „selbständig“ zu ähnlich Unsinnigen Grundanschauungen gekommenen Offiziellen und sonstigen Minimalsten. Wiederholt habe ich darauf hingewiesen, daß j ja nicht die Rechenfehler das wesentlich Falsche bei Oettinger sind, sondern seine Grundanschauungen! Als ich Herrn Dr. Ruppin darauf aufmerksam machte, um wieviel wichtiger die Geschichte mit dem 2 prozentigen | Kapital und der 1,9 prozentigen Rentabilität sei, j sagte er mir (mit der auch auf dem Delegiertentag, aber nur bei seiner ersten Rede, dokumentierten freundlichen Ueberlegenheit): ,Ja, merken Sie denn picht, daß Oettinger das darlegt, um davor zu warnen, um zu zeigen, daß diese Betriebsform nicht möglich ist?“ Worauf ich erwidern mußte, daß Oettinger doch seinen Lesern die Sache nicht so schwer hätte machen dürfen und daß | dieser Auffassung doch auch das widerspräche, I daß Oettinger am Schlüsse seines Buches immer { wieder mit diesem Schema als einem inte- | grierenden Bestandteil seines Gesamti planes operiert. So daß auch die Behaup- | tung, Oettinger habe vor seinem Schema I warnen wollen, erst noch zu beweisen oder aber j ebenfalls ausdrücklich und hoffentlich uneingeschränkt zurückzunehi men ist. Von Grund aus falsch gedacht — i und nicht ein kleiner Rechenfehler — ist es, wenn i Oettinger es innerhalb seines Gesamtschemas für nötig hält, 460 Millionen Francs zu 2 o/o weiteri geben zu können. Nicht nur, daß er zu solchen

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