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Volk und Land · 1919-05-29 · Heft 22-23 (29.5.1919) · page 3

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 22-23 (29.5.1919)
Date
1919-05-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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VOLK LAMD JUEDISCHlWOCttiNSCHRIFT FUER POLITIK, WIRTSCHÜ|jf UND PALAESTINA-ARBEIT HERAUSGEGEBEN vBn DAVIS TRIETSCH 29. MAI/5. JUNI 1919 HEFT 22/23 I. JAHRGANG KAMPF UND ARBEIT Vom Bau des zweiten Tempels wird berichtet daß die Bauleute mit Kelle una Schwert ausgerüstet waren um auch für die Ueberfälle gewappnet zu sein, denen sie ausgesetzt waren. Der Kampf war nicht des Kampfes wegen da, sondern im Interesse der Arbeit. Wir halten es ebenso. Wir wollen uns in unserer Arbeit nicht stören lassen und müssen uns daher auch auf Kampf vorsehen. Wir müssen ihn auch in aller zweckdienlichen Schärfe führen, um unsere Arbeit fortsetzen zu dürfen. Der Palästina - Delegiertentag der deutschen Zionisten sah Kampf und Arbeit. Einen Niederschlag der letzteren bieten wir unsern Lesern in den Referaten. Die Ausführungen über die Diskussion werden auch dem Kampf zu seinem Rechte verhelfen dem Rechte nämlich, die Situationen zu beleuchten, Klarheit zu schaffen und so den Fortgang der Arbeit wieder sicherzustellen. Der Delegiertentag hat mit einer beträchtlichen Mehrheit sich zugunsten der m i n i m a 1 i s tisch e n Auffassung entschieden, obwohl die sachlichen Konflikte ausnahmslos zugunsten der maximalistischen Auffassung ihren Austrag gefunden hatten. Unter solchen Umständen hat die Streitfrage ob größere oder geringere Ansiedlungsmöglichkeiten — und in Verbindung damit: ob große oder kleine Vorbereitung — ihre Erledigung noch keineswegs gefunden. Es muß deshalb dahin gestrebt werden, die interessierte Oeffentlichkeit weiter aufzuklären als es selbst im Rahmen einer viertägigen speziellen Palästina-Verhandlung möglich gewesen ist. In der Oeffentlichkeit des Delegiertentages hat Dr. JRuppin mir zum Vorwurf gemacht,, daß ich nicht — statt zahlreiche Vorschläge in die Oeffentlichkeit zu werfen — lieber wenige ausgesuchte den maßgebenden Stellen unterbreite. Dieser Vorwurf hätte nicht kommen dürfen, und ich muß nun wohl zeigen, wie die Dinge sich tatsächlich verhalten. Von Beginn meiner Tätigkeit an habe ich es nämlich genau so gehalten wie Dr. Ruppin es mir jetzt nahelegen will. Aber das Resultat war abschreckend. Ich könnte zahlreiche Beispiele dafür anführen, begnüge mich aber heute mit einemv besonders charakteristischen das in seinem Hauptteil wenigstens Dr. Ruppin; bekannt sein sollte. Im Jahre 1904 legte ich einmal der damaligen Palästina-Kommission die Chancen der Fabrikation von Ziegeln und arideren Baumaterialien da£. Einer der Herren fragte: Woher nehmen Sie den Ton, der andere fragte: woher nehmen Sie das Brennmaterial? Ich sagte: Wir können es ohne Ton und ohne Brennmaterialien machen und setzte auseinander, was ich von der Herstellung von Mauerziegeln, Formsteinen, Dachziegeln, Drainröhren usw. aus Zement und Sand wußte. Der Vorschlag gefiel, und ich wurde aufgefordert, ein Expose darüber einzureichen. Dies geschah (übrigens gegen eine Vergütung von 0 0 — hoffentlich stößt sich Niemand daran, daß hier Währung und Valuta ausgelassen ist). Das Expose enthielt ungefähr den Vorschlag, bei einem Anfangskapital von etwa 20 000 M. mit Hilfe der sehr billigen und ganz leicht transportierbaren Maschinerie an einer oder an mehreren Stellen des Landes Versuche zu machen, die Sache dann im Falle des Gelingens so zu erweitern, daß kleine Zementsanld- Baumaterial-Fabriken an den wichtigsten Punkten errichtet würden und so lange mit importiertem Zement zu arbeiten bis der zusammengefaßte Bedarf der kleinen Werkstätten usw. die Errichtung einer eigenen Zementfabrik ermöglichen würde. Kein kleiner Gesichtspunkt, wie man sieht, der mit dieser bescheidenen Gründung verbunden gewesen wäre. Uebrigens war auch das kein „nur so angelesener“ Vorschlag, sondern ich war im Jahre 1904 bei der Firma Gaspary in Markranstädt gewesen, hatte dort alles gut studiert und habe sogar das schwierigste Fabrikat, nämlich den Dachfalzziegel. selbst hersteilen gelernt. Wobei ich denen gegenüber, die für die Einführung von Industrien alle möglichem Lehr-, Karenz- und sonstigen Zeiten für notwendig halten, bemerke, daß die Geschichte in weniger als einer halben Stunde vor sich ging. An meinem ersten Dachfalzziegel war der untere Rand ein klein wenig verschüttet. Hoffentlich wird mir daraus in Anbetracht der oben erwähnten Kosten für die Organisation kein allzu schwerer Vorwurf gemacht. Der zweite Ziegel war schon brauchbar und der dritte direkt elegant. Was geschah mit dem Vorschläge? Im Jahre 1904 — nichts. Im Jahre 1905 — nichts. Im Jahre 190ö — nichts. Im Jahre 1907 — nichts. Im Jahre 1908 folgendes: Dr. Ruppin kam nach Jaffa und sagte mir so nebenbei: Ihren Vorschlag wegen der Baumaterial

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