Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 20-21 (15.5.1919)
- Date
- 1919-05-15
- Page
- Seite 669-670 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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669 VOLK UND LAND 670 können. Für die zionistische Organisation öffnet sich auch hier ein segensreiches und beneidenswertes 1 ii- , tigkeitsfeld. „Organisez-vons!“ bleibt die Losung' nach i wie vor. Viel schwerer wird es sein, die älteren Frauen j dem Hebräischen näher zu bringen. Schon deswegen, j weil sie nicht so oft in den Gebethäusern zusammen- \ kommen und durch ihre mütterlichen und sonstigen j Pflichten so sehr in Anspruch genommen werden. Der j Analphabetismus aber — der leider gerade bei den j Frauen in furchtbarem Maße grassiert — muß und j kann ausgerottet werden. Auch wenn es uns nicht! gelingt, die Frauen für das Hebräische zu gewinnen, | werden doch der Vater und die Schule in Palästina! ihrer» — wenn auch unwillkürlichen - - sprachezersetzen-! den Einfluß wettmachen. Höchst wahrscheinlich werden die Kinder das fertig bringen, was uns versagt zu sein scheint. Analoge Beispiele aus der Assimilationsperiode sind reichlich vorhanden. Erst in zweiter Linie käme der Privatunterricht — und zwar der unentgeltliche — in Frage. Als die j sozialistische Bewegung in Rußlaind sich verbreitete, j haben jüdische Gymnasiasten undi Studenten den jüdij sehen Arbeitern eifrig umd hingebungsvoll die russische Sprache und Literatur unentgeltlich vermittelt. Sollten sich jetzt, wo es sich um die Hebraisierung der zukünftigen Einwohner Palästinas handelt, nicht genügend Hilfskräfte finden? Gerade in den kleineren Städten und Flecken dürfte ein Mangel an Lehrkräften nicht vorhanden sein. Daß der Unterricht auch während der Ueberfahrt und des freiwilligen oder unfreiwilligen Aufenthalts fortzusetzen ist, ist ja eine Selbstverständlichkeit. Es muß noch einmal betont werden, daß die ganze Arbeit nur daun mit Erfolg gekrönt Sein wird, wenn Sie von den leitenden Stellen der Bewegung einheitlich geregelt wird. Die Leitung muß unermüdlich alle untergeordneten Stellen auf die Wichtigkeit und Dringlichkeit der Arbeit Hinweisen, und sie fortwährend an ihre Pflichten ermahnen. Ferner muß seitens der Zentralbehörden alles getan werden, um die Unentbehrlichkeit des Hebräischen dem Einwanderer vor Augen, zu halten. Der gesamte literarische Betrieb des zukünftigen Einwanderungsamtes muß (wenn auch nicht ausschließlich) hebräisch sein. So die periodische ‘der Einwanderung gewidmete Zeitschrift, der „Wegweiser für Emigranten“. Es wird sich empfehlen, alle Zeitschriften, Bücher, Broschüren und Merkblätter, mät Nekudoth (vielleicht nach dem Vorschlag des leider zu jung Verschiedenen Philologen Dr. Sarsawski, d. h. diie Nekudoth nicht unter den Konsonanten, sondern .zwischen ihnen, was technisch leichter wäre, wj|e das jetzt übliche System) herauszugeben. In dieser Hinsicht ist bis jetzt zu viel gesündigt worden. Zumal das Organ des Nationalfonds erscheint nicht hebräisch, sondern deutsch! Und die Ideologen, die unsere Golusspradhe zum Range der einzigen nationalen Sprache erheben wollen, wie bekämpfen wir sie? Wahrlich nicht durch Diskussionen und Referate, noch durch Tumulte und Zänkereien, sondern durch! Taten unserer Freunde in Palästina. Wir können uns auf sie ruhig verlassen. Sie werden es schaffen. Unsere Aufgabe besteht darin, ihnen — unseren Brüdern in Zion — ihre Arbeit zu erleichtern, und das können wir auch, wenn wir es nur wollen. „Keine Sprache, außer der hebräischen! Das ist ein nationales Gebot des jüdischen Arbeiters, das ist eine seiner wichtigsten Forderungen an sich selbst und an die anderen. Hoffentlich werden die Neuankommenden diesem Gebote Folge leisten und ihren im Lande befindlichen Brüdern behilflich sein. Dieser Fanatismus wird die Herzen einander näher bringen, und bald wird unsere Sprache von allen verstanden und gesprochen werden.“ Möge der Geist, der aus diesen Zeilen des Hapoel- Hazair spricht, auch der unsere werden! („Die Arbeit.“) Dr. J a c o b Robinson. „Agudath hamaim“ Die neueste Gründung in Palästina, die sich allgemeiner Popularität erfreut, ist die Wasser -Gesellschaft „Agudath Hamaim“. Der Zweck der neuen Gesellschaft ist, die palästinensischen Gewässer der Oeffentlichkeit dienstbar zu machen. Kein Gebiet in unserem Lande ist so vernachlässigt wie gerade dieses. Kenner des Landes wissen, welche großen Verkehrs- und Erwerbsmöglichkeiten mit der Ausnutzung der palästinensischen Flüsse und Gewässer, mit der Errichtung verschiedener Schiffahrtswege, namentlich aber mit dem Ausbau und der Entwicklung der Fischerei verbunden sind. Die neue Gesellschaft hat sich die Aufgabe gestellt, auf diesem Gebiete eine gründliche Reform durchzuführen. Die Arbeiten sollen theoretischer und praktischer Natur sein. Gleichzeitig mit der Errichtung einer Seemanns-Schule sollen auch Gruppen von Fischern und Schiffern gebildet werden. Im Verlaufe der letzten drei Monate, in denen die Gesellschaft eine lebhafte Tätigkeit entwickelt hat, ist es bereits gelungen, an einigen Stellen Gruppen von Fischern und Schiffern zu organisieren. In der Nähe von Jaffa, beim Fluß Jarkon, hat sich eine Gruppe von 6 Fischern gebildet, die aber infolge Mangels an guten Netzen, die man aus Aegypten erwartet, noch nicht gut entwickelt ist. Der Fischfang dieser Gruppe wird auf dem Markt in Tel-Awiw verkauft. Eine andere Gruppe in Tyra, in der Nähe von Haifa, bestehend aus fünf Fischern, organisiert den Fischmarkt in Haifa. Eine aus zwölf Fischern bestehende Gruppe in Kinereth gedenkt einen großen Fischvertrieb auf dem Markt zu Jerusalem zn organisieren. In Tiberias befindet sich bereits seit langem eine Gruppe von fünfzehn jüdischen Fischern. Am Fluß Schurk hat sich eine sechsgliedrige Fischergruppe gebildet, die ihren Fang in den nord-judäischen Kolonien abzusetzen gedenkt. In Chefzi-bath (beim Fluß Chedera) arbeitet ein jüdischer Fischer auf seine eigene Rechnung und hat eine Verkaufst alle in Chedera. Man verhandelt jetzt mit ihm zwecks Bildung einer Fischergruppe. In der Nähe von Jaffa hat sich eine Gruppe von jüdischen Schiffsleuten gebildet. Diese Gruppe hat sich in <Jer Nähe der arabischen Schiffer niedergelassen und zählt jetzt 10 Mitglieder. Sowohl das Palästina Amt als auch die Zionistische Palästina-Kommission bekunden das lebhafteste Inte ress: für die neue Gesellschaft und haben ihre Unterstützung zugesagt. Ein warmer Freund dieser Gesellschaft ist auch der Baron James Rothschild, der Sohn Edmund Rothschilds. Er schenkte der Gesellschaft ein großes ihm gehörendes Grundstück sowie einige Gebäude in Tantura, wo eine spezielle Fischergruppe sich niederlassen goll. Zu diesem Zweck muß der Boden um das Grundstück saniert werden, was bereits in Angriff genommen isl. Auch die Verwaltung der lka hat ihre Hilfe diesem neuen ausgezeichneten Unternehmen zugesagt Die Verwaltung der italienischen Militärabteilung hat diesem neuen Unternehmen ihre Sympathie dadurch bekündet, daß sie, nachdem sie ihren Sitz in Tel-Awiw aufgegeben hatte, ihr Gebäude der jüdischen^Fischergruppe in Jarkon, das sich als Wohnung för die Fischer sehr eignet, schenkte. Die Agudath Hamaim, an deren Spitze der Ingenieur Dr. Gurewitsch steht, hat vor kurzem einen Aufruf erlassen, in dem sie die jüdischen gewerbetreibenden Klassen auf dieses zukunftsreiche Gebiet hinweist und zur Schaffung eines „Wasser-Pioniiertuins“ aufruft.