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Volk und Land · 1919-05-15 · Heft 20-21 (15.5.1919) · p. Seite 671-672

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20-21 (15.5.1919)
Date
1919-05-15
Page
Seite 671-672 (sequence 34)
Language
German
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671 VOLK UND LAND 672 Palästina-Baugesellschaft Berlin Unsere hiesigen und ausländischen Ciesirmungsge nossen werden es mit Freude begrüßen, daß nunmehr auch bei uns das Vertrauen auf eine baldige günstige Entwicklung Palästinas beginnt, s ch in wirtscha'tli.iien Unternehmungen für den Aufbau Palästina? zu zeigen. Die Gründung einer Gesellschaft zur Ausführung von Bauten, vorerst hauptsäChl cn für die große Masse der Einwanderer, ist soeben von einigen russischen und deutschen Zionisten, Technikern und Kaufleuten, mit Beteiligung des Palästina-Industrie-Syndikats in Berlin vollzogen werden. Die Gründer beabsichtigen, bei erster Möglichkeit nach Palästina zu gehen und die Tätigkeit dort aufzunehmen. Bis zu diesem Zeitpunkte, von dem wir’ hoffen wollen, daß er nicht mehr allzufern sei, betreibt die Gesellschaft hier Vorarbeiten und Studien und arbeitet am Ausbau ihrer Organisation. Sie beabsichtigt ihr Stammkapital noch bedeutend zu erhöhen und bittet Interessenten, die sich zu beteiligen wünschen, sich wegen näherer Auskünfte über Art, Zweck und Umfang der Gesellschaft an sie zu wenden. Gesinnungsgenossen, welche zu übersiedeln beabsichtigen und vor ihrer Uebersiedlung die Errichtung eher Heimstätte für sich in Palästina vorbereiten wollen, könne sich mit der Ballgesellschaft zur Ausarbeitung von Entwürfen und eventuell schon zur Auftragserteilung für den Bau auf einem bestimmten oder von der Baugesellschaft auszusuchenden Terrain in Verbindung setzen. Auch für Auswanderergruppen, Gesellschaften, die sich zur Gründung von Kolonien oder anderen Niederlassungen oder Unternehmungen gebildet haben und für Aehusoth besteht hier die biishe. entbehrte Möglichkeit, ihre eigenen Unterkünfte and sonstige Bauten für Palästina vorzubereiten. Anläßlich des Ende Mai stattfindenden deutschen Palästinadelegiertentages ist in Berlin eine Aussprache aller Interessenten beabsichtigt; wenn irgend möglich, soll dort auch schon eine kleine Ausstellung von Plänen und Modellen für Palästinabauten veranstaltet werden. Die Adresse der Gesellschaft lautet: Palästina- BaugesellsChaft m. b. H., Berlin W. 50, Prager Str. 22. Haus und Garten ln Jaffa wurde unter Aegide des Misrachi Zentral- Bureau, Jaffa, eine Gesellschaft „Baith wegan“ (Haus und Garten) gegründet. Jedes Mitglied kann in Jaffa Boden zum Erstellen eines Hauses mit Gemüsegarten erwerben und zahlt 5 Ltq. (115 Frcs.) als Eintrittsgebühr und eine Ltq. monatlich. Nach erfolgter Parzellierung des gekauften Bodens wird der ganze Kaufschilling entrichtet. ... BUECHERBESPRECHUNGEN —..— |1 Ein Buch über Saloniki Der Verlag von Max Rascher in Zürich hat da9 Verdienst, im Laufe des Krieges in seinen „Europäischen Büchern“ eine Reihe von Kulturdokumenten veröffentlicht zu haben, für deren Wert und Zeitgemäßheit wohl kein Umstand besser spricht, als der, daß die meisten von ihnen von den kriegführenden Staaten verboten wurden. Nachdem die zensurfreie Einfuhr kriegsfeindlicher Gedanken nicht mehr verwehrt ist, kam aus der Reihe dieser tapferen Bücher eins zu uns, das erstaunjicherweise bisher die Aufmerksamkeit des jüdischen Publikums nicht gefunden hat, obwohl es sie in hohem Maße verdient. Es ist „Das Massengrab“ von Albert S. Asseo*). Der Verfastser ist ein jüdischer Journalist aus Saloniki und sein Buch schildert in ungemein packender Weise den Charakter und das Schicksal seiner Heimatstadt, die seit Jahrhunderten einen fast völlig jüdischen Charakter trägt und bis vor der Eroberung durch die Griechen als die einzige jüdische Großstadt in modernem Sinne angesprochen werden durfte. In diesem Buche ist von Juden, abgesehen von einer dramatischen Schilderung der Pogromstimmung beim Einzuge der siegreichen Griechen in die eroberte Stadt, kaum die Rede. Und dennoch ist dieses Buch als jüdisches Kulturdokument von geradezu unschätzbarem Wert. Denn zum erstenmal hat hier einer ihrer eigenen Söhne uns das Geheimnis dieser jüdischen Stadt offenbart. Und gerade der Um-! stand, daß er es nicht für nötig hält, zu erwähnen,! daß das Schicksal, das er in so eindringlicher Weise zu malen weiß, jüdisches Schicksal ist, gibt seinem Buche! jenen Reiz der Selbstverständlcihkeit des Lebens in ausj *) Das Massengrab, von Albert S. Asseo. Europäif sehe Bücher, Max Rasriier-Verlag, Zürich. j schließlich jüdischer Gemeinschaft, die man miterlebt haben muß, um sie zu begreifen. Es ist ein Stück europäischer Geschichte der letzten Jahrzehnte, das Asseo hier aufrollt, es ist gleichzeitig der letzte Akt einer jüdischen Tragödie, den er uns schildert. Der südliche Balkan ist jene Grenze zwischen Orient und Okzident, auf der sich nicht nur die beiden Kulturen mischen, sondern auf der auch die dunklen Gewalten beider Hemisphären sich begegnen und einen erbitterten unterirdischen Kampf auch dann gegeneinander führen, wenn der Friede Europas gewahrt zu sein scheint. Im äußersten Scheitelpunkt dieses Wetterwinkels, umschlossen vommazedonischen Bergland, jenem unheimlichen Gebiet, das durch die Gewalttaten der Komatatschi einen blutigen Ruf sich erworben hat, ewig erschüttert von den Detonationen der Bombenattentate, welche manchmal ganze Viertel in Asche legen, lebt diese paradisisch schöne Stadt am Rande eines Vulkans. Indem uns Asseo in einer Reihe von Kapiteln, deren Darstellungskunst an die besten Leistungen moderner Schilderungen heranreicht, die einzelnen Phasen der politischen Begebenheiten von den ersten Aufstandsversuchen Mazedoniens über die türkische Revolution und die Ereignisse der Balkankriege erzählt, schildert er uns den allmählichen aber sicheren Untergang eines Stückes jüdischen Volkstums, das in Europa kaum befannt gewesen ist, obwohl in ihm bereits viel von dem verwirklicht war, was wir von Palästina erwarten. Ein unerhört hartes Schicksal hat Saloniki betroffen, und wenn die Verluste des jüdischen Volkes durch den Krieg einmal gewogen werden, so wird die endgültige Zerstörung Salonikis mit am schwersten wiegen. Und darum sollten wir nicht achtlos vorübergehen an dem Buch des Juden Asseo, der seiner Vaterstadt ein so ergreifendes Grablied singt. Das „Massengrab“ Salonikis, in dem so unzählige Opfer,europäischen Chauvinismus verscharrt liegen, ist gleichzeit das Grab einer großen jüdischen Hoffnung. C. Z. K. Für die Redaktion verantwortlich: C. Z. Klötzel, Berlin. Verlag: Welt-Verlag, Berlin NW 7, Dorotheenstr. 35 Druck von Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg.

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