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Volk und Land · 1919-05-15 · Heft 20-21 (15.5.1919) · p. Seite 665-666

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20-21 (15.5.1919)
Date
1919-05-15
Page
Seite 665-666 (sequence 31)
Language
German
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665 VOLK UND LAND 666 vor das Erste stellen und zu diesem Zweck unnatürliche Kraftanstrengungen machen. Die Schaffuni; sowohl der staatlichen Kunstgewerbeschule, sowie der Aufsichtsbehörde, als auch der Beeinflussung der Bevölkerung durch Schule und Ausstellung usw. ist erst daun überhaupt zu einem guten Ende möglich, wenn durch Schaffung von Sammelwerken, durch Vorträge und gemeinsame Arbeit von Kunsthistorikern u. a. Wissenschaftlern die Kenntnis der bisherigen jüdischen Kunst erweitert und zusammengefaßt ist. Dazu schlage ich vor. alsbald, eventuell im Zusammenhang mit dem Rabbinerseminar, an dem Dr. Ellbogen den Versuch machen soll, seinen Hörern ein klein wenig davon auf den Weg mitzugeben, von fachmännischer Seite (Kunsthistoriker, Architekten, Kunstgewerbler) über die jüdische Bau-, Buch-, Friedhofskunst und über jüdisches Kunstgewerbe Vorlesungen abzuhalten. Gleichzeitig aber im Einvernehmen mit dem Verein zur Erhaltung jüdischer Kunstdenkmäler*), dem Verein für jüdische Volkskunde**), dem Archiv der Deutschen Juden und dem Museum der jüdischen Gemeinde Berlin ein Archiv für „Jüdische Kunst“ ins Leben zu rufen. Diese Institution würde eine Basis für alle die sein, die auf diesem Gebiete arbeiten wollen, so daß Sie nicht mehr wie bisher völlig mit ihren Arbeiten in der Luft hängen***). Dort könnten die Lehrer, Kunstgewerbler lind Architekten ausgebildet werden, die in Erez-Israel wirken wollen, bis schließlich das Archiv selber hcrübergelegt werden kann, um der Universität in Jerusalem ungegliedert zu werden. Es würde auch damit der Anfang zur Renaissance der jüdischen Kunst gemacht werden, die nach der körperlichen, literarischen und sogar der musikalischen noch nicht wiedererweckl worden ist. Erich To e plitz. Die Notwendigkeit der Industrie für Palästina „Gegen eine Industrie in Palästina läßt sich zunächst praktisch eimven/den, daß sie nicht mit einem Schlage geschaffen werden kann, sondern sich planmäßig entwickeln müßte; das koste viel Zeit, während die Einwanderung unweit rascher vor sich gehe. Das ist rieh tig — aber gar so blitzartig geht die Einwanderung großer Massen denn doch nicht vor sich und vorläufig ist noch Zeit, organisatorische Vorarbeit zu leisten. Ein anderer Einwand gegen Industriegründungen in Palästina liegt in der Abhängigkeit der Industrie von der Urproduktion: „Alle Industrie und aller Handel können sich nur in dem Maße entfalten, wie die für diese sekundären Zweige der Wirtschaft verfügbaren Ueberschüsse der Urproduktion wachsen. . . (Oppenheimer „Jüdische Siedelungsgenossenschaften“ „Welt“ vom 13. Dezember 1901, Nr. 50 und folg.) Das trifft vollständig zu. Aber Oppenheimers Formel mündet schließlich in die Frage: wann sind die Ueberschüsse der Produktion groß genug, damit Industrie und Handel sich entfalten können? Diese Frage läßt sich nur auf Grund tatsächlicher Verhältnisse für einen bestimmten Fall beantworten. Der zitierte Aufsatz Oppenheimers ist 1901 entstanden, seither sind IS Jahre verstrichen j und' die Fortschritte der landwirtschaftlichen Kolonij sation in Palästina sind unverkennbar. Ob nach dem derzeitigen Stande der Landwirtschaft der Zeitpunkt j für die Entstehung einer Industrie schon gekommen j ist, wage ich infolge meines mangelhaften Ueberbücks! über die durch den Krieg und seine wirtschaftlichen *) Frankfurt a. M. **) Hamburg. ***) Aus eigener Erfahrung weiß ich leider, wie unzulänglich die private Bestrebung ist, bemühe ich midi doch schon seit einigen Jaiiren eine Karthotek zusammen; zu stellen, in der ich alle jnir erreichbaren Beridite! über die jüdische Kunst aufgenommen habe, ohne da-! mit dieser selbst bisher etwas zu nützen. , Folgen überdies wesentlich verschobenen Produktionsverhältnisse Palästinas nicht zu entscheiden, es gibt jedoch genaue Kenner der dortigen Verhä'tn s e. welche diese Frage bejahend beantworten, so D. Tr'etsch. Ich beabsichtige gar nicht, mich auf einen bestimmten Zeitpunkt für das Einsetzen der Industrie festzulegen. Daß aber die Zeit für eine Industrie in Palästina kommen muß, halte ich für zweifellos, und daß dies bald geschehen soll, für unbedingt notwendig. Letzteres vor allem wegen der gegebenen Tatsache der jüdischen Masseneinwanderung nach Palästina, jedoch auch aus politischen und noch mehr aus sozialen Ursachen. Das Mißverhältnis zwischen Urproduktion und Ir.dustrie. dis die schnelle Entstehung der letzteren nach sich ziehen würde, sieht auf den ersten Blick doch gefährlicher und besorgniserregender aus, als es in Wirklichkeit ht. Es handelt sich dabei vor allem nur um ein zeitweiliges - hoffentlich vorübergehendes Ueberwiegen der Industrie gegenüber der Land Wirtschaft, wenigstens im Verhältnis zum Bedarf. Das kann — wie sich in Deutschland während des Weltkrieges* gezeigt hat — sehr unangenehme Folgen haben, aber schließlich ist eine Blockade wie die Englands gegen Deutschland doch eine glücklicherweise nicht alltägliche Einrichtung, und vor dem Kriege konnte Deutschland trotz dieses Ueberwiegens seiner Industrie seinen Bedarf an Urproduktion ganz gut decken, sich dabei wirtschaftlich sehr wohl befinden und ausgezeichnet entwickeln. Wenn der Weltmarkt wieder funktioniert, wird cs auf Grund der freien Konkurrenz der Agrarländer leicht möglich sein, wenigstens gewisse Zeit hindurch uneu cventuel'en landwiitschaftlichen Mehrbedarf Palästinas über die eigene Produktion hinaus zu decken. Auch in der Schweiz ist die Urproduktion dauernd zu schwach, um die Gesamtbevölkerung ernähren zu können, noch viel weniger stark im Verhältnis zur Industrie, uie es Oppenheimer verlangen würde, doch hat auch dieses Land s:cb wirtschaftlich ausgezeichnet zu behaupten verstanden! Das hat allerdings seine besonderen Ursachen — es gelang eben dort mit Hilfe des vorzüglich durchgebildeten Verkehrswesens und der Fremdenindustrie sowie sonstiger Faktoren, das wirtschaftliche Schwergewicht \om Mißverhältnis zwischen Urproduktion und Industrie weg wenigstens teilweise auf andere Zweige des Wit tschaftslebens zu übertragen. Ein letzter Grund für die Notwendigkeit, aber auch Möglichkeit einer Industrie — allerdings nur innerhalb bestimmter wirtschaftlicher Grenzen — liegt noch darin, daß die in Palästina üblichen Arten der Landwirtschaft von vornherein ziemlich bedeutende industrielle Anlagen an Ort und Stelle erfordern, welche sich mit der Verarbeitung und Verwertung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse beschäftigen, so Mühlen, Oelpressen, Obstkonserven- und Marmeladenfabriken, Seifenfabriken, K:stenfab.i! en, Splriiusfabriken, vielleicht auch Rohr- und Rübenzucker- und Textilfabriken usw. Alles in allem eine Industrie, die anderswo als in nächster Nähe der Produktionsstätten zweckmäßigerweise gar nicht etabliert werden kann, besonders in Palästina bei seinen noch wenig durchgebildeten Verkehrsmitteln nicht.“ („Jüdische Ztg.“, Wien.) PALAEST1NA Die Hebraisierung der Einwanderer „Zusammen mit der Masseneinwanderung wird auch das Jidische nach Palästina kommen“, rief auf einer großen Versammlung in Lodz der Führer der Volkspartei in Polen, N. Prilutzki, den Zionisten zu. Die Zionisten protestierten gegen diese Zumutung stürmisch — so hieß es in dem Bericht. Nun wäre es aller-

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