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Volk und Land · 1919-05-15 · Heft 20-21 (15.5.1919) · p. Seite 663-664

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20-21 (15.5.1919)
Date
1919-05-15
Page
Seite 663-664 (sequence 30)
Language
German
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653 VOLK UND LAND 664 die Angaben jener Zeitungen zurückzuweise». auf die hinzmveisen Sie als Ihre Pflicht empfanden. Major Lioncl de Rothschild. Lord S \v a y t h 1 i n g . Sir Philip Magnus, Sir Marcus Samuel. Sir' Harry S. Samuel, Mr. Leonord L. Cohen. Prof. I. Go 11 an cz, General Sir John Moiusli. Mr. Claude G. Mon tefiorc, Sir Isidore S p i e 1 m a n n.“ Als Antwort auf diesen Brief richtete der Herausgeber von „Jewish Chronicle“ und „Jewish Worldv“ L. J. Greenberg. einen Brief an „Morning Post,“ in dem er sich gegen den Vorwurf einer Unterstützung des Bolschewismus verwahrt und darauf (unweist, daß sämtliche Unterzeichner des Briefes Mitglieder der Liga britischer Jugend seien, die dem1 von ihm redigierten Zeitungen feindlich gesinnt sind, „auf Grund ihrer Opposition gegen die Prinzipien des jüdischen Nationalismus und der Politik der englischen Regierung bezüglich der Zukunft Palästinas.“ Außerdem geht „Jewish Chronicle“ in seiner Num mer vom 25. April unter der Ueberschrift „Verrat oder Unsinn“ auf diesen Brief ein. Die Zeitschrift geisselt das Verfahren der Liga britischer Juden, die, anstatt auf Artikel in „Jewish Chronicle“ und „Jewidi World,“ die ihr den Bolschewismus zu fördern schienen, in diesen Blättern selbst zu antworten, die Frage in der nichtjüdischen Presse zum Austrag bringen. Der „Je- .wish Chronicle“ habe der Aufforderung der „Morning Post“, die Juden sollten sich öffentlich vom Bolschewismus lossagen, deshalb kein Gehör geschenkt, weil dadurch der Bolschewismus als eine speziell jüdische Sache gekennzeichnet worden wäre, welche die Juden als solche Veranlassung hätten, zurückzuweisen. Die Unterzeichner des Briefes dagegen seien nun wirklich in die ihnen von „Morning Post“ gestellte Falle gegangen. Abgesehen von dieser Kritik des „Jewish Chronicle“ an dem Brief der englisch-jüdischen Notabel» muß man auch auf die eigentümliche Logik hinweisen, mit der die Mitglieder der Liga britischer Juden sich als Bekämpfer des gänzlich antinationalen Bol schewismus und im gleichen Briefe des —- sehr nationalen — Zionismus empfehlen. Dieser Kampf auf einer doppelten Front kam auch bei einer speziellen Sitzung des Board of Deputies zur Sprache, die neulich einberufen wurde, um sich mit dem Briefe in „Morning Post“ zu befassen. Dr. Daiches erklärte, die Unterzeichner hätte ihre Absage an die russisch-jüdischen Vertreter des Bolschewismus überhaupt nur veröffentlicht, um bei dieser Gelegenheit an die Liga der britischen Juden und ihren Kampf gegen den Zionismus zu erinnern. Der Vorsitzende, Sir Stuart. Samuel, erklärte den Brief als einen großen nationalen Skandal,' welcher der Welt den Eindruck geben müsse, daß alle ausländischen Juden Bolschewisten seien. Philip Magnus, einer der Unterzeichner des Briefes, versuchte, eine Erklärung für ihn zu geben, was ihm jedoch mißlang. In einer einstimmig angenommenen Resolution wurde gegen den Brief protestiert, der einen Unterschied zwischen englischen und ausländischen Juden konstruiert. WIRTSCHAFT Die Neubelebung des jüdischen Kunstgewerbes*) Wenn die Römer die griechische, die Spanier die maurische Kunst annahmen, so taten sie es, weil sie noch keine eigene geschaffen hatten. Wir Juden besitzen aber eine alte und hervorragende Kunsttradition, die sich durch Geschlechter hin vererbt hat. Sie ent- *) Vergl. zu diesem Thema den Aufsatz „Das Kunstgewerbe in Palästina“ von Richard Goldberg in Nr. 21 der „Jüdischen Rundschau“. wickelte sich organisch, trotz aller Hemmungen durch der Völker, unter denen wir wohnten, trotz der unglücklichen politischen und sozialen Verhältnisse der Juden, ja trotz der immerwährenden Verfolgungen und einengende Verbote sowohl unserer Religion, als auch Austreibungen, denen wir ausgesetzt waren, von den Tagen, als unsere Staats- und Kulturgemeinschaft noch auf eigener Scholle saß. bis zu diesem Augenblick der Rückkehr ins alte Judenland. Ob diese Kunst je orientalisch in ihrem Sinne war. ist heute nach den neuen Anschauungen über die Kunst der Völker Klein asiens, wie sie die Professoren Cornelius Gurlitt und Strygowski vertreten, sehr fraglich. Heute nach einer 2000 jährigen Entwicklung im Abendlande, ist sie so wenig orientalisch, wie wir Juden selber es sind und im Zukunft sein werden. Für unsere eigene, wie für die Weltkultur wäre ein „Orientalischwerden“ auch nur zu beklagen, vielmehr glaube ich, daß wir berufen sind, Mittler zu sein zwischen Orient und Okzident, wozu wir uns aus den verschiedensten Gründen besonders eignen, ln künstlerischer Beziehung gilt für uns nur das für alle Kunst Gültige und Ziel seiende: „Sei du selbst, und sei wahr!“ In Palästina wird man von uns ebensowenig orientalische Erzeugnisse verlangen, wie europäische, sondern jüdische; „konkurrenzfähig“ werden wir auch nur werden, wenn wir Eigenartiges, aber nicht, wenn wir billiges Nachgeahmtes (Imitiertes) auf den Markt bringen. Deshalb dürfen wir auch nicht die allerdings vorhandene Gefahr, ins Orientalische zu fallen, heraufbescliwören, denn die Gefahr, daß wir die Kunst unserer früheren Wohnsitze nachmachen, ist meiner Ansicht nach nicht allzu groß. Die Mehrzahl der Auswanderer kommt aus dem Osten und dort blüht heute noch die jüdische Kunst unbehindert durch die Assimilationswut, an der sic im Westen zugrunde gegangen ist. Für die jüdische Kunst in Palästina und ihre Ausübung im sogenannten Kunstgewerbe kann ein Export, fürs erste aus Materialmangel nicht iii Frage kommen, der daraus eventl. entstehende Handel mit fremden Kunsterzeugnissen wird dadurch nicht berührt. Vielmehr handelt cs sich darum, für die eigenen B(e dürfnisse zu schaffen: Möbel, Hausgerät, Bilder, Teppiche u. a. Schmuck des Heimes, Kleider, Schmuck Sachen und besonders Bacher herzustellen. Die Einfügung hebräischer Schrift und jüdischer Emblemie machen noch lange keine Eigenart aus, aber was hat der Bezalel denn bisher anderes geleistet, noch nicht einmal das, denn als Embleme 'kennt er nur das Hexagramm, dessen Bedeutung viel zu sehr überschätzt wird, den 7 armigen Leuchter, die Gesetzestafeln und die Priesterhände, die immer und immer wieder benutzt werden, obgleich unsere Embleme so überaus zahlreich sind. Für die jüdischen Künstler, die beginnen wollen für die Bedürfnisse der jüdischen Massen, die nach dem Lande ihrer Sehnsucht sich aufmachen, zu schaffen, kann es, soweit sie den Titel Künstler verdienen wollen, nur eines geben, nämlich, gleich denen, die den Werkbund für Deutschland ins Leben riefen, das alte, gute Eigene zu studieren und zu erforschen*). Nicht um es sinnlos abzupausen, sondern um durch diesen Geist, der mit der Entwicklung verbändet, zu neuen, mit der Tradition in Zusammenhang gebliebenen Leistungen zu gelangen. Primär die Kenntnis, sekundär die Neugestaltung! - Aehnlich liegt die Sache beim Export, wenn wir etwas eigenartiges Jüdisches ausgearbeitet haben werden, kaufen es Touristen und Pilger schon von selber, und dadurch, daß sie es ins Ausland mitnehmen, wird der Ruf des „Jüdischen Kunstgewerbes“ als etwas Gutes. Selbständiges verbreitet und es dann verlangt werden. Niemals dürfen wir aber das Zweite *) Alles andere wäre Assimilation, nur eben orientalische!

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