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Volk und Land · 1919-05-15 · Heft 20-21 (15.5.1919) · p. Seite 659-660

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20-21 (15.5.1919)
Date
1919-05-15
Page
Seite 659-660 (sequence 28)
Language
German
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659 VOLK UND LAND 660 masscn für die Forderung: Alle Macht den Arbeiterräten! 5. Die Konstituierung der jüdischen ArbeiHrvertreter im Arbeiterrat als Jüdische Sektion, deren Aufgabe es sein soll, dahin zu streben, die gesamte Macht in rein jüdischen Angelegenheiten zur Zeit der Diktatur des Proletariats in eigene Hand zu nehmen. Die Schaffung einer Vertretung der jüdischen Arbeiterschaft im Volkskommissariate für nationale Angelegenheiten, deren Aufgabe es sein soll: a) Die breiten jüdischen Volksmassen produktiver Arbeit zuzuführen, sowie das gesamte gesellschaftliche jüdische Leben auf gesunder sozialistischer Grundlage auszubauen. b) für die Abschaffung der Exterritorialität des jüdischen Wirtschaftslebens durch Kcnzentra ion der jüdischen Emigration und Kolonisation, vor allem in Palästina, zu sorgen; c) alle kulturellen Bedürfnisse der jüdischen Volksmassen zu befriedigen. . 6 Den Weltverband der Poale-Zion aufzufordern, ehestens einen Verbandstag einzuberufen. 7. Beim Verbandstag den Vorschlag zu vertreten, daß die Alhveltliche jüdische sozialistische Arbeiterpartei Poale-Zion in die Reihen der neuen, dritten, kommunistischen Internationale treten soll. Die österreichischen Poale-Zion sind der kommunistischen Internationale beigetreten und haben infolgedessen ihre Vertretung im Jüdischen Nat onalrat aufgegeben. Ueber die Bedeutung dieses Schrittes schreibt Adolf Böhm in der Wiener „Jüdischen Zeitung“: Der Austritt der Poale-Zion aus dem Jüdischen Nationalrat für Deutschösterreich ist eines der wichtigsten Ereignisse in der nationaljüdischen Bewegung unseres Landes. Sie ist erfolgt, weil sich die deutschösterreichische Partei auf ihrer Tagung vom 20. April zum Anschluß an die Kommunistische, die „dritte“ — Internationale entschieden hat. Dieser Beschluß hat die Stellung der Partei zur zionistischen Gesamtorganisation, zu der nationaljüdischen Landesorganisation und zur sozialistischen Organisation hin verändert. Uns bekümmert nur die Frage, wie sich das Verhältnis der Poale-Zion zur zionistischen Gesamtbewegung und zum Nationalrat gestaltet hat. Diese beiden Körperschaften müssen notgedrungen zu der Schwenkung der Poale-Zion ihrerseits Stellung nehmen. In der zionistischen. Weltorganisation bildeten die Poale-Zion einen eigenen Weltverband, der nur zum Kongreß Delegierte wählte, sonst aber selbständig handelte. Es ist zweifellos, daß die Teile des Poale-Zion- Verbandes, die zum Kommunismus abgeschwenkt sind, auch dies nicht mehr tun werden. Damit schalten sie sich selbst aus der Mitbestimmung der zionistischen Angelegenheiten aus. Das ist ihre Sache, nur wird man nicht recht verstehen, was ihr „Zionismus“ dann noch bedeuten kann. Die zionistische Weltorganisation hat aber soeben den Führender Zentrale des Weltverbandes der Poale-Zion, Salomon Kaplansky, ins Aktionskomitee kooptiert, und er hat den Eintritt jn diese „bourgeoise“ Körperschaft auch angenommen. Die zioi nistische Organisation wird darauf dringen müssen, daß darüber Klarheit geschaffen wird, wen er eigentlich vertritt. Denn nachdem durch das Absctiwenken der russischen und österreichischen Poale-Zion zum Kommunismus der Weltverband der Poale-Zion eigentlich gesprengt erscheint, diese Gruppen jedenfalls den Eintritt Kaplanislcys ins Aktionskomitee bekämpfen werden, so liegt eine höchst unklare Situation vor. Die zionistische Organisation wird darauf bestehen müssen, daß ehest eine Verbandskonferenz der Poale-Zion eindeutig die Haltung der Partei gegenüber dem Zionismus festlegt, denn davon hängt es ab, ob ihrerseits ein Zusammenarbeiten mit dem Weltverband der Poale- Zion möglich ist oder nicht. Das Wiener zionistische Landeskomitee wird sicher darauf dringen, daß diese Klärung baldigst erfolge. Die zweite Frage ist die der Folgen des Beschlusses der Poale-Zion auf die nationaljüdische Landesvertretung. Der Nationalrat ist gegründet worden, um die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Deutschösterreich —- des Volkes und keiner Einzelpärtei — auf Anerkennung der Juden als Nation und Zuerkennung nationaler Minderheitsrechte an diese durchzusetzen. Darin liegt nichts, was man als parteimäßig bestimmt bezeichnen könnte. Tatsächlich sind in arrderen Ländern die Poale-Zion nicht nur im Jüdischen Nationalrat verblieben, sondern sie stellen sogar mit den „Bürgerlichen“ gemeinsame Listen zu den Wahlen in die territorialen Vertretungskörper auf. Der Austritt der Poale-Zion aus dem Nationalrat für Deutschösterreich bedeutet wahrscheinlich, daß im Falle eines Umsturzes die Partei Poale-Zion — diese verschwindend kleine Minorität im Nationaljudentum ----- die Herrschaft Über das nationale Judentum an sich reißen will (wie dies ähnlich von den Poale-Zion in der Ukraine und in Rußland! versucht wurde, welche die Kultusgemeinden zu enteignen versuchten). Ein solches Beginnen würde allen Begriffen wahrer Voiksherrschaft und allen jüdischen Traditionen von Recht und Gerechtigkeit entgegen sein und bei den im jüdischen Nationalrat vereinigten jüdischen Gruppen Widerstand begegnen. Der Wille des jüdischen Volkes hat schon in der Ukraine sich gegen solche Versuche mit Erfolg aufgelehnt, er wird auch in Deutschösterreich sich nicht minder entschieden zur Geltung bringen. In jedem Fall: Ob es zum Umsturz kommt oder nicht, bedeutet der Austritt der Poale-Zion aus dem) Nationalrat eine Schwächung der Position der Gesamtjudenschaft in bezug auf die Möglichkeit der Durchsetzung ihrer nationalen Forderungen in unserem Staate. Kommt es nicht zum Umsturz, so erscheint die nationaljüdische Front nicht mehr als einheitliche. Eine noch viel weiter gehende Schwächung erfährt aber die national jüdische Position durch den gleichzeitigen Austritt der Poale- Zion aus der zweiten sozialistischen Internationale, ln dieser wurden soeben (auf dem Weltkongreß in Amsterdam) alle nationaljüdischen und zionistischen Forderungen restlos anerkann, was das Verdienst derjenigen poale-zionistischen Gruppen ist, die in der zweiten Internationale verblieben sind und die unter Führung .von Kaplansky, Chasanowitsch, Locker u. a. in rastloser zäher Arbeit dies durchgesetzt haben. Der Beschluß ihrer Internationale müßte auch für die deutschösterreichische Sozialdemokratie bindend sein, so unangenehm dies auch ihren assimilatorischen Führern wäre. Die deutschösterreichische Sozialdemokratie hat heute die Macht jm Staate. Wer anders könnte sie leichter dazu bringen, die von ihrer Internationale beschlossene Anerkennung der nationaljüdischen Forderungen nunmehr in dem von ihnen beherrschten Staate zur Tat zu machen, w'enn nicht die jüdische Gruppe der Internationale! Und ausgerechnet in diesem Momente, wo die Sozialdemokratie in Oesterreich die Macht erringt und ihre Internationale die nationaljüdischen Forderungen akzeptiert — treten die Poale-Zion aus der Sozialdemokratie aus! Unermeßlicher Schade ist dadurch für die Durchsetzung der nationaljüdischen Forderungen hierzulande angerichtet worden. Die orthodoxe Jugend in Palästina Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: Vor einigen Monaten wurde in Palästina die Vereinigung „Hazair Haerez Israeli“ gegründet, die seither gute Fortschritte gemacht hat. Sie setzt sich! aus jungen

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