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Volk und Land · 1919-05-15 · Heft 20-21 (15.5.1919) · p. Seite 631-632

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20-21 (15.5.1919)
Date
1919-05-15
Page
Seite 631-632 (sequence 14)
Language
German
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631 VOLK und LAND 632 sichts der noch nie dagewesenen Notlage mit der äußersten Sparsamkeit verwendet werden sollten. Ich habe bei der Ausarbeitung der Prospekte für die Landspende getan, was ich tun konnte, um herausfallen zu lassen, was irgendwie sogenannten präzisen Ziffern gleichkam, um nicht bei irgendwelchen rechenkundigen Thebanern den Eindruck entstehen zu lassen, daß ein ungeheurer Apparat für die Ansiedlung weniger Einzelner in Bewegung gesetzt wird. Der Referent erwähnte, Oettingers Ziffern würden sich vielleicht als zu hoch heraussteilen, aber wenn man mit weniger auskommt, wäre es gewiß gut. Das wäre richtig, wenn es sich um verhältnismäßig kleine Verbilligungen handeln würde. Es kann aber keinesfalls gelten, wenn ein .Unterschied herauskommt von etwa 9/io oder 4/5 der genannten Summe. Dann kann man nicht sagen, die Sache ist nachgerechnet worden oder sie hat sich in der Praxis günstiger gestellt. — Ich bin von Herrn Oettinger, auf den ich große Hoffnungen gesetzt hatte, enttäuscht. Er macht auf mich jetzt den Eindruck, als ob die palästinensischen Verhältnisse ihn sehr beeinflußt hätten. Vor kurzem war in deutschen Zeitungen eine Diskussion erschienen, hervorgerufen durch Professor Ballods Darstellungen von Kolonisationsmöglichkeiten in Palästina. Prof. Ballod hat sich dabei Palästina vorgenommen und dessen Möglichkeiten berechnet und auch die Kolonisationskosten in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Er kam dabei auf 600 M. pro Kopf (oder für eine Familie auf 3000 M.), und zwar unter Zugrundelegung außerordentlich großer allgemeiner Verbesserungsarbeiten, die den Erfolg beschleunigen sollten. Ohne diese würden sich sogar nur etwa 2000 M. pro Familie ergeben. Das ist in unserer Presse in einer typischen Weise behandelt worden. Wir haben in unseren Blättern fast gar nichts darüber zu lesen bekommen, aber nicht etwa weil eine Gegnerschaft bestanden hätte. Herr Dr. Jacobson hat mir sogar gesagt, daß er den Plan habe, diese Ballod-Debatte für Propagandazwecke zu verbreiten. Das tut man doch sicher nur, wenn man darin Möglichkeiten sieht. Uebrigens existierte doch auch einmal eine Hilfsaktion für die Yemeniten. Damals konnte man Haus und Land für 1000 Frcs. haben. Wie verhalten sich diese Notstandsziffern zu den jetzigen? — Die Leute, an die wir uns wenden, sind nicht so dumm, daß sie sich einreden lassen, man könne auf dem Wege einer so teuren Kolonisation, wie sie sich aus den jetzigen offiziellen Ziffern ergibt, mit unseren beschränkten Mitteln Millionen von Menschen helfen. Die Hauptsache ist doch auch nicht Palästina, sondern das jüdische Volk. Man hat anderwärts und bei allgemeinen jüdischen Hilfsaktionen schon Leuten mit Beträgen von 50 oder 100 Frcs. helfen können, und solche Aktionen zeigen, daß man in der geeigneten Weise in zahllosen Fällen mit sehr kleinen Mitteln helfen kann, so daß auch unsere geringen Mittel reichen würden, um sehr weitgehende Hilfe zu leisten. Oettinger äußert sich über die „Aufgabe der Landspende“ in „Erez Israel“ folgendermaßen: „Kann man denn .Wirklich nicht — so wird häufig gefragt — einen Typus einer Wirtschaft in Palästina ausarbeiten, für dessen Instandsetzung bloß 4—5000 Frcs. nötig sein würden? Dadurch würde man ja sehr stark die Besiedlung beschleunigen können. Nein, dieses Problem ist vorläufig noch nicht gelöst worden, es wird auch in Zukunft bloß eine beschränkte Lösung finden.“ — Gewiß, verehrter Herr Oettinger! Man kann es wirklich. Sie brauchen sich nur beim Durchrechnen Ihrer eigenen „Methoden“ ein bischen helfen zu lassen! Ich verwerfe die Argumentation für die ,Landspende durchaus und bezeichne es als eine Unterlassung ungeheuerlichster Art, daß wir bis heute nicht die Möglichkeit gehabt haben, die sachlichen und rechnerischen Grundlagen jüdischer Kolonisationsmöglichkeiten in Palästina halbwegs anständig zu erörtern. Selbst die Ballodsche Anregung ist so verlaufen, daß ich den Hauptteil der Diskussion stellen mußte. Eine der Bedeutung der Sache halbwegs entsprechende Würdigung ist nicht erfolgt. DAS TEMPO DER EINWANDERUNG Von Dr. Elias I. Von den Problemen der künftigen Palästinaarbeit ist das in Deutschland — bemerkenswerterweise fast nur hier! — vielleicht am heftigsten diskutierte die zu erwartende Ziffer der Einwanderung. Diese Diskussion ist ein ganz müßiges Herumraten, wenn sie sich nicht auf die engere Frage konzentriert: Welche Einwanderung kann das heutige Palästina in der allernächsten Zeit aufnehmen? Um dieser Frage klar gegenüberzustehen, müssen wir mehrere andere Betrachtungsweisen ausschalten. Zunächst kann es sich bei ihrer Beantwortung nicht tun programmatische Differenzen handeln. Im Programm sind wir nämlich alle gleich: wir wollen soviel Juden als möglich so rasch als möglich nach Palästina bringen. Hier sind wir alle Maximalsten. Entscheidend ist nur die Tatsachenfrage: Welche Einwanderung kann Palästina aufnehmen? Ausscheiden muß auch der Hinweis auf die Judennot und den Auswanderungszwang. Diese Kräfte sind bestimmend für die Größe der Auswanderung; für die Größe der Einwanderung Auerbach, Haifa. nach Palästina aber ist entscheidend nur die Frage: Welche Einwanderung kann Palästina aufnehmen? Ausscheiden müssen ferner Gesichtspunkte der politischen Taktik. Es ist für diese Frage unerheblich, ob wir die Majorität, die wir in Palästina brauchen, glauben in fünf oder in zwanzig Jahren erreichen zu müssen. Entscheidend für die Größe der Einwanderung bleibt ausschließlich die Frage: Welche Einwanderung kann Palästina aufnehmen? Verwirrend wirkt auch der Hinweis auf die zu unseren Gunsten veränderten politischen Verhältnisse. Wir setzen im folgenden voraus — obwohl es kaum ganz Zutreffen wird — daß wir völlige politische Ein wände rungs- Und Kolonisierungsfreiheit haben werden. Trotzdem entscheidet dann über die obere Grenze der Einwanderung die Frage: Welche Einwanderung kann Palästina aufnehmeh? Unerheblich ist hierbei endlich auch die Geldfrage. Wir setzen voraus — obwohl auch das kaum zutreffen wird — daß wir soviel Hunderte von Millionen zur Verfügung haben werden, wie wir für vernünftige und zweckdienliche Arbeiten brauchen werden. Aber mit Geld können wir die

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