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Volk und Land · 1919-05-15 · Heft 20-21 (15.5.1919) · p. Seite 629-630

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20-21 (15.5.1919)
Date
1919-05-15
Page
Seite 629-630 (sequence 13)
Language
German
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629 VOLK UND LAND 630 Offiziellen und Offiziellsten an den Palästinafragen! ist hier noch einiges zu sagen. Es hat sich in der zionistischen Bewegung die Gewohnheit eingenistet, Vorschläge, die von j der einen Seite kommen, fast prinzipiell abzulehnen und solche von der anderen Seite in der gleichen Weise zu akzeptieren. Nun ist Kritik | eine wunderschöne Sache, und auch Vertrauen j ist eine wunderschöne Sache. Aber wenn eine | Organisation —- und sei es auch auf den inter- [ essantesten Wegen — dazu gelangt, ihr unbegrenz- J tes Vertrauen d a zu applizieren, wo die sorgfältigste! Nachprüfung und Kritik am Platze wäre und eine J überscharfe Kritik (sogar bis zum Gar-nicht-erst-Noj tiz-nehmen-wollen) anzuwenden, wo die Erfahrung j vieler Jahre eher nach der anderen Richtung weisen würde, so kommt das schöne „kreuzweise“ Verhältnis des genau richtigen Verfahrens an genau der falschen Stelle he r - a u s*). Wenn wir die gegenwärtige jüdische Gesamtlage betrachten, in der uns Palästina geöffnet wird, nicht pur auf Grund irgendwelcher „historischer Rechte“, .sondern vor allem um die bevorstehende Massenwanderung (dorthin zu lenken und damit nicht .nur die Not im Osten, sondern auch den ,immer unnatürlicher werdenden Zustand in den bisherigen Einwanderungsländern zu entlasten, so stehen wir ziemlich fassungslos vor der Torheit der als gemeingültig hingenömmenen Vorschläge Oettingers. : Als .wenn Palästina nicht ein kleines Land sondern .wer weiß wie groß wäre, und als wrenn nicht eine Massenwanderung, sondern ein minimales Ansiedlungswerk vor uns stünde, werden Jiier die Flächen bemessen; — als wenn wir nicht die größte Sorge hätten, für eine Massensiedlung (die nötigen Mittel aufzubringen, sondern als wenn wir im Gelde schwimmen, und nicht wissen, ,wohin damit — s>o wird hier die einzelne Familie «mit Geldbeträgen dotiert; Und schließlich, als Lwenn uns zinslos (oder fast zinslos) Milliar- *) Bei diesem „kreuzweisen Verfahren“ muß ich immer an ein anderes klassisches Beispiel aus der zionistischen Praxis denken, nämlich an die eigentümliche Verwertung der beiden Warburgschen Rentabilitäten von 40 °/o bei der Olivenkultur (in der Oelbaumspende) und von 5y2 °/o beim Ackerbaubetrieb (der Palestine-Land- Development-Go.). Trotz der verschiedensten Anfragen ist es mir noch nicht gelungen festzustellen, weshalb man von zwei so verschiedenen Rentabilitäten die außerordentlich hohe für ein Spenden system und die außerordentlich niedrige für eine geschäftsmäßige Kapitalgesellschaft verwendet hat. Auch hier trifft den Urheber dieses komischen Systems der geringere Vorwurf: die gesamte zionistische Oeffentlichkeit hat dieses SchildbürgerstückChen mitgemacht, worin man übrigens, wenn das noch nötig sein sollte, einen weiteren Beweis für die von mir behauptete tiefste Interesselosigkeit an Palästina-Dingen erblicken kann,. — eine Interesselosigkeit, die nicht einmal vor einer f i n a n z i e 11 e n Unsinnigkeit stärksten Kalibers zurückschreckt. densummen zur Verfügung ständen, wird hier mit einer zw eiprozentigen Verzinsung für eine ungefähre halbe Milliarde operiert, als ob es so sicher wäre, daß iins in solchem Umfange Kapitalien ä fonds perdu «überlassen würden. Was «die Flächen betrifft, so habe ich aus Oettingers eigenen Darlegungen zeigen können, wie der Besitzer einer Arbeiterheimstätte auf weniger als einem halben Hektar (5 Dunam) in einem «Teil seiner Zeit mehr erwirbt als das Oettingersche Existenzminimum für z w e i Familien. Dieses Flächenmaß stimmt also ziemlich genau mit dem überein, das nach Ruppins vorzüglicher kleiner Arbeit über den Libanon für die dortige Landwirtschaft den Durchschnitt bildet. Ich habe bei Wiedergabe dieser Ruppinschen Arbeit (in „Volk und Land“ Heft 2, Seite 49/50) darauf fungewdesen, daß auch in'Aegypten volle ®/10 Aller Landeigentümer — wie im Libanon — durchschnittlich nur 0,4 ha pro Familie bewirtschaften, und ich habe dort mit der Bemerkung geschlossen: „Die Erfordernisse unseres Ansied- | iungswrerkes jn Palästina lassen sich nicht straflos | auf ein Vielfaches .dessen dekretieren, was im; großen purchschnitt Nsowohl des benachbarten Libanon, wie Aegyptens, und selbstverständlich auch in Palästina und Syrien, allen vernünftigen Anforderungen entspricht.“ Was das Kapital betrifft, so hat Balk>d in seiner Kritik von Oettingers Arbeit („Volk und Land“ jHeft 8/9, Seite 231/32) durchaus recht, wenn er .{übrigens auch bezüglich der Fläche) darauf hinweist, daß dem Autor offenbar argentinische Verhältnisse «yorgeschwebt halben, daß er für jeden Beteiligten ein viel zu hohes Gesamtkapital festsetzt, daß ein Zinsfuß von 2 °/o (zu dem über 450 Milk Frcs. verfügbar gemacht werden sollen) in absehbarer Zeit völlig undenkbar ist, und daß diese Methode „das Problem der Unterbringung großer Massen der nach Zion ausschauenden Juden nicht löst“. In der Tat rechnen wir mit einer großen Volksanleihe, die angesichts der unerwarteten politischen Resultate und der dadurch bewirkten Begeisterung unter der Judenschaft der ganzen Welt wohl zu haben sein wärd. Aber wie kläglich wären «die Aussichten einer solchen Anleihe, wenn die dadurch zusammenkommenden Beträge zu 2 °/o weiter verliehen werden müßten! Während doch die Rentabilität von Oettingers Schema VI gut und gerne eine Verzinsung von 5 oder 6 <>/o zuläßt (Bei 1700 Frcs. Reineinnahme würde ein Abzug von 300 Frcs. als öprozentige Verzinsung von 5000 Frcs. dem Kolonisten immer noch 1400 Francs lassen; das Wären 118 Frcs. weniger als: nach;Oettingers Unterlagen, aber mit dem „kleinen“ Unterschied zugunsten des geringeren Überschusses, daß bei einer normalen Verzinsung das Geld zu bekommen ist, und mit einer Oettingerschen keinesfalls. Nachtrag (nach dem Protokoll des Delegiertentages von Ende 1916) Nach dem ^Protokoll der damaligen Tagung habe ich bei Gelegenheit des offiziellen Vorschlages der „Landspende“ mich folgendermaßen geäußert: Ich erkläre mich für die Landspende, obgleich ich der Ansicht bin, daß wir viel dringendere Aufgaben haben; ich glaube jedoch, daß die Landspende uns erhebliche Mittel zuführen kann, die für andere Arbeit nicht zu haben wären. Ich habe hierzu auch das Wort nur deshalb genommen, um der rechnerischen' Begründung entgegenzutreten, die ich für ein Hindernis für die Landspende selbst, und die ich außerdem für einen groben Unfug halte, insofern nämlich mittelst einer nationalenHilfsa r b e i t und mit nationalen Mitteln eher kleine j landwirtschaftliche Arbeitgeber als eigentliche selbstarbeitende Landwirte geschaffen i werden sollen. Wo die kleinste Landwirtschaft am Platze ist, j die gerade noch eine SeIbständigkei t gewährleistet, will man kleine Gutsbesitzer | schaffen und das mit nationalen Mitteln, die ange-

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