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Volk und Land · 1919-05-15 · Heft 20-21 (15.5.1919) · p. Seite 625-626

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20-21 (15.5.1919)
Date
1919-05-15
Page
Seite 625-626 (sequence 11)
Language
German
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625 VOLK UND LAND 626 und drittes Tausend“ geschmückt ist, zeigt gerade in der Hauptsache, auf die es hier ankommt, keinerlei Abweichungen. Diese Hauptsache ist nämlich, daß selbst trotz der bei Oettinger vorwaltenden Denkweise seine unbegreiflich niedrigen Rentabilitäten nur auf dem Wege blanker Rechenfehler zustande kommen konnten. Am krassesten liegt der Fall bei seinem Schema 6 (Seite 66 bis 68 seiner Schrift), bei dem das genaue Gegenteil dessen, was bewiesen werden soll, in so klassischer Schärfe herauskommt, daß man auch von diesem Punkte aus — vielleicht noch besser als von Oettingers Schema 1 aus — sich die ,,andern 17 Sachen“ schenken kann.*) Meine Ablehnung Oettingers ist übrigens nicht so neuen Datums. Unter anderm hatte ich schon auf dem XIV. deutschen Delegiertentag (im Dezember 1916) angesichts des damals genannten Kapitalerfordernisses von 20 000 M. pro Kolonistenfamilie, den stärksten Protest dagegen eingelegt, daß man nach so vielen Jahren Kolonisation und Zionismus sich noch immer so wenig über die primitivsten Grundlagen klar sei. Die Anforderung von _20 000 M. sei ein grober Unfug. Das tatsächliche Erfordernis läge näher bei einem Fünftel oder einem Zehntel dieser Summe.x) Man hat mir das schon damals (wie auch bei jeder früheren und späteren Gelegenheit) stark verübelt. Jetzt aber liefert Oettinger, ohne es zu wollen (er ist ja auf das genaue Gegenteil aus) den allerbesten Beweis für meine gegen ihn und seine Nachbeter gerichtete Behauptung. Oettinger zeigt nämlich in diesem Kapitel, das ich zur Bequemlichkeit des Lesers im „Oettingerschen Originaltext anfüge* 2), wie diese von ihm als „Arbeiterheimstätte“ bezeichnete Installation auf *) Wenn audh hiernach die Oettingersche Arbeit für mich erledigt war, habe ich dodhi gelegentlich hineinschauen müssen und habe mir zu seiner kleinsten Betriebsform, die mich schließlich noch am meisten interessierte, einige Randbemerkungen und Ausrechnungen notiert, die folgendes ergeben: Grundkapital. Bodenkapital (ebenso wie bei Oettinger) 1000 Frcs. Gebäudeicapital (statt 2000 bei Oettinger)* 1000 „ Wasserversorgung Baumpflanzung Umzäunung Gemüsegärten Geflügel insgesamt (statt wie bei Oettinger 3950) 3000 Frcs. Stehendes Betriebskapital. Lebendes Inventar (bei Oettinger 900 Frcs. für 2 Kühe, die nach seiner Originalfassung nichts bringen; hierfür setze ich 2 Ziegen für den Bedarf der Familie) 150 Frcs. Sonstiges stehendes Betriebskapital (wie bei Oettinger) 150 „ Alles in allem 3300 Frcs. Als Bruttoertrag rechnete ich: (Statt wie Oettinger 1000 FrCs. von 5 Dunaml ä 20 Frcs. aber im' Neben beruf, als hauptberufliches Minimalergebnis) 2000 Frcs. Hiervon gehen ab an Wirtschaftsausgaben (nach Oettinger für Viehfutter 300 Frcs., die ich mit den Kühen streiche; für sonstiges 300 Frcs., die ich beibehalte) 300 Frcs. Reinertrag hiernach: 1700 Frcs. Also dasselbe Ergebnis wie Oettingers 400 Frcs. Unter Hinzuziehung der von ihm vergessenen ,1300 „ Richtig gerechnet zusammen: 1700 Frcs. *) Siehe Nachtrag Spalten 629—632. 2) Siehe Seite 655/56. 5 Dunam bewässertem oder 20 Dunam unbewässertem Boden ausreicht, um in nebenberuflicher Arbeit, d. h. in einem Teil der verfügbaren Zeit (nach Oettinger darf ein Drittel bis ein Viertel angenommen werden) ein Einkommen von über 1500 Frcs. (bei einem gesamten j Anlagekapital von 5000 Frcs., also über 30 p/o) j ziehen wird. j Der Fall liegt einfach genug. Oettinger schafft i seinem Heimstättenmann zwei Kühe und Geflügel | für 900 Frcs. an, wirft für den Unterhalt des Viehes im Jahre 300 Frcs. aus^ vergißt aber, die 1300 Frcs. Ertrag der Viehwirtschaft, die er an anderen Stellen seines Buches als Durchschnittsertrag einer solchen Viehwirtschaft angibt, unter den Einnahmen zu buchen. Hierdurch allein erhöht sich Oettingers Ziffer von 218 auf 1518 Frcs. Daneben läßt sich noch zeigen, daß ein Kolonist oder Arbeiter auf einer solchen Heimstätte unter Verwendung seiner vollen Arbeitskraft (und nicht bloß eines Drittels bis Viertels derselben) durch stärkere Betätigung im Gemüsebau usw. auch ein Mehrfaches des Ertrages seiner neben beruflichen Arbeit erzielen kann. Aber schon die nur nach Oettingers eigenen Unterlagen halbwegs berichtigte Ziffer (es fehlt z. B. auch noch der Ertrag des Geflügels) zeigt, wie außerordentlich genau mein damaliger Einwand zutrifft, daß die wahre Kostenziffer einer aus öffentlichen Mitteln zu fördernden Ansiedlung näher bei einem Fünftel bis einem Zehntel der damals genannten Summe von 20 000 M. liegt. 5000 Frcs. war genau ein Fünftel von 20000 M. Und wenn der Ertrag, wie schon aus Oettingers Angaben hervorgehen würde, für zwei oder mehr Familien ausreicht, so kommen wir dem von mir behaupteten Zehntel schon dann außerordentlich nahe, wenn die Tätigkeit der Ansiedler nur eine neben berufliche ist und nur einen Teil ihrer Zeit beansprucht. Es ist dabei von ganz besonderem Interesse, wie eingehend Oettinger vor und pach der Aufrechnung die verschiedensten Begründungen,, Erklärungen und Erläuterungen gibt, um nur ja zu zeigen, wie systematisch die ganze Sache gedacht ist, und wie sehr sie sich dem Gesamtkomplex seiner übrigen Schemata anpaßt. Ein kleines Versehen läuft Oettinger innerhalb seiner eigenen Auffassung unter, wenn er im Schlußsatz meint: „Dieser Typus muß unbedingt durch die Möglichkeit des Nebenverdienstes in der nächsten Nähe ergänzt werden.“ Da aus der Heimstätte ^nach Oettinger doch nur 218 Frcs., gleich „einem Viertel bis einem Drittel des Jahresbudgets“ herauskommen, so bilden diese selbstverständlich den Neben verdienst, und die restlichen zwei Drittel bis drei Viertel machen den H a u p t verdienst aus. Freilich ist auch nicht zu verstehen, wozu Oettinger, der den Ertrag dieser Heimstätte auf 218 Frcs. limitiert, noch ausdrücklich sagt: „Es wäre auch verkehrt und würde zu keinem Ergebnis führen, wenn man den Typus und die Größe eines Arbeiterheimstättenbetriebes für volle Kolonlstenwirtschaften verwenden wollte.“ Bei dem von Oettinger fälschlich herausgerechneten finanziellen Ergebnis von 218 Frcs. im Jahr versteht sich das doch von selbst. Bei dem nach Oettingers Unterlagen t atsächlich herauskommenden Resultat von 1518 Frcs. stimmt allerdings das genaue Gegenteil. Wenn Oettinger seine 218 Frcs. als ein Drittel bis ein Viertel des Jahresbudgets bezeichnet so beträgt der volle Jahresbedarf eben zwischen 654 und 872 Frcs. Die tatsächliclh nach Oettingers Unterlagen herauskommenden 1518 (statt wie bei Oettinger 950 aufgerundet auf 01X1

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