Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 20-21 (15.5.1919)
- Date
- 1919-05-15
- Page
- Seite 615-616 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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VOLK und LAND 616 ()l5 jetzige Form der Siedlergcnosseiischaft, in welcher sie eine reine Produktivgenossenschaft ist, noch nicht die endgültig beste Form der Organisation ist, sondern da 11 sie nur eine Durchgangsstufe bildet und durch eine neue Organisationsform ersetzt werden wird, die eine Mischform von Produktiv- und Produzentengenossenschaft darstellt, ln dieser wird jedes Mitglied eine eigene Hauswirtschaft mit eigenem Gemüsegarten und Geflügelhof und eigenen Milchkühen 'haben, aber zugleich j als Genosse an dem „auch weiterhin genossenschaft- I lieh betriebenen Getreide- und Pflanzungsbnti, sowie an der Milchverwertung teilnehmen. Im Unterschiede zu den bisher erwähnten Siedlergenossenschaften, die die. dauernde Bewirtschaftung derselben Farm zum Ziele haben, haben die seit dem Jahre 1910 zahlreich gegründeten Okkupationsgenossenschaften nur die Aufgabe, den Boden sofort nach seinem Kauf in Besitz zu nehmen, seine Grenzen zu schützen, die notwendigsten Ameliorationsarbeiten vorzunehmen, ihn nach europäischer Art zu pflügen, kurz eine spätere Besiedlung durch dauernde Ansiedler v o r z u b e r e i t e n (^Zwischenwinschaft“). j Die Arbeit der Okkupationsgenossenschaft ist eine | sehr schwere, da die Arbeiter auf einen noch nicht , assanierten Boden kommen, auf dem sie viel von | Krankheiten leiden, besonders da sie infolge des I Mangels an Häusern in der notdürftigsten Weise j in arabischen Lehmhütten oder Baracken Unterkunft suchen müssen und oft kein gutes Trink- I wasser zur Verfügung haben. Nichtsdestoweniger j sind die Genossenschaften, welche in dieser Weise z. B. für den neu gekauften Boden von Kerkur, Kafrurie, Teil Adass gebildet waren, ihrer Aufgabe im allgemeinen mit Eifer und Geschick nachgekommen. Diese Form der Okkupationsgenossenschaft wird deshalb auch in der Zukunft für die erste Besitznahme und Bewirtschaftung des neu gekauften Bodens die zweckmäßige Form sein. Sie wird zugleich einer großen Zahl von jungen Einwanderern, nachdem sie eine gewisse Zeit bei öffentlichen Arbeiten gearbeitet und möglichst auch in Lehrfarmen oder landwirtschaftlichen Schulen eine Ausbildung erhalten haben, Beschäftigung geben. Hierbei werden sich die einzelnen Mitglieder kennen lernen und durch Ausmerzung der Unpassenden allmählich eine homogene Gruppe bilden, die sich später zu einer dauernden Siedlergenossenschaft zusammenschließt. Die Gemüsebau gruppen, die teilweise aus männlichen, teilweise aus weiblichen Mitgliedern bestanden, datieren erst aus den letzten Kriegsjahren und lassen deshalb noch nicht viel Rückschlüsse auf ihre Prosperität zu. Während des Krieges haben sie wegen der außerordentlich j hohen Gemüsepreise günstig abgeschnitten; ob aber auch bei normalen Gemüsepreisen viele Genossenschaften, die lediglich Gemüse für sofortigen Verkauf anbauen, existieren können, ist zweifelhaft, weil die Araber im Gemüsebau sehr routiniert sind und in der Saison die Märkte mit billigem Gemüse überschwemmen. Als Beispiel mag dienen, daß die Tomaten in Jaffa im Mai etwa 50 Cts. (einen halben Franken), im Juli 10 Cts. und im Oktober-November wieder 50 Cts. für das Kilogramm kosten. Am meisten Aussicht haben die Gemüsegenossenschaften in der Umgebung des Tiberiassees, weil sie hier ein besonderes warmes Klima und gute Eisenbahnverbindungen haben und dadurch ihre Gemüse früher als alle anderen palästinensischen Gemüsezüchter auf die großen Märkte von Haifa, Damaskus und Jerusalem bringen und dafür Liebhaberpreise erzielen können. Im übrigen Palästina werden aber die Gemüsegenossenschafteu der Konkurrenz der Araber nur dann standhalten können, wenn sie durch besonders gute Organisation des Transportes (in Kühlwagen) und Absatzes mit ihren Produkten die besten Märkte aufsuchen und durch Trocknungs- und Konservierungsanlagen sich vor Notverkäufen in der Saison zu Verlustpreisen schützen können. Solche Organisation und solche Anlagen sind aber nicht bei einer provisorisch eingerichteten, sondern nur bei einer auf lange Dauer berechneten und über größeres Kapital verfügenden Genossenschaft möglich. Arbeitsgenossenschaften hat es bisher in den Kolonien Pethach Tikvva, Rischon le Zion und Rechoboth gegeben. Sie setzten sich im allgemeinen aus älteren tüchtigen Arbeitern zusammen und haben sich in den meisten Fällen gut bewährt. Sie haben durch Ucbcrnahme von Arbeiten im Akkordlohn für ihre Mitglieder meist bessere Löhne erzielt als sonstige Arbeiter. Die Arbeitsgenossenschaften werden sowohl für höher bezahlte landwirtschaftliche Spezialarbeiten als auch für einzelne Ameliorations- und Saisonarbeiten, bei denen eine größere Zahl von Arbeitern auf eine kürzere Zeit gebraucht wird, auch in Zukunft gute Aussichten haben. Eine im November 1918 durch das Palästina- Amt in Jaffa vorgenommene statistische Erhebung ergab das Vorhandensein von Dunam 7 S edlergenossenschaften mit 83 n.ätinl. u. 45 weibl. Mitgl. auf 7280 10Okkupationsgenossen. , III , „ 16 „ „ „ 7975 11 Oemüse baugenossen. _ 42 „ „ 87 , „ „ 1289 1 Arbei'sgeros-ensch. „ 14 „ „ 2 „ * „ 310 zus.29 Arbeitergenossensch. mit256 männl.u. 150 weibl Mitgt.auf 16854 Eine Form der Arbeitergenossenschaft, die in Palästina bisher noch nicht besteht, ist die Genossenschaft der Arbeiter, die für Rechnung einer Achusa eine Pflanzung anlegen und dafür außer einem festen Monatslohn bei Fruchttragung der Pflanzung auch einen Teil der Pflanzung erhalten. Diese Pflanzarbeitergenossenschaften sind nach unserer Ansicht eine notwendige Ergänzung zu dem Achusasystem. Wir werden des- Aus den Arbeitergenossenschaften sollen, wie schon früher erwähnt, die Getreidebauern und die Häusler hervorgehen. Was zunächst die Getreidebauern anbelangt, so könnte man sagen, daß die Siedlergenossenschafen bereits Genossenschaften von Getreidebauem sind, und daß alsodurch die Gründung der Siedlergenossenschaften auch die Getreidebauern bereits bestehen. In der Tat werden Siedlergenossenschaften auch in Zukunft diejenige Form sein, in welcher Getreidebauern angesiedelt werden. Aber es ist damit zu rechnen, daß die Siedlergenossenschaft hierbei nicht Produk-