Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1919)
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 605-606 (sequence 17)
- Language
- German
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605 VOLK UND LAND 606 um die Kosten einer Provinzialarmee aufzubringen, unter deren Schutze sie sich zu einem jüdischen Gemeinwesen unter Englands (Oceanas) Oberherrschaft entwickeln könnten. I>as wäre in gleicher Weise eine Lösung für die Irlandwie für die Judenfrage, da die Juden das einzige Volk der Welt seien, das sieh niemals und nirgends zu assimilieren vermöchte. Bedeutsamer ist die Meinung, der der englische Philosoph David Hartl ey in seinen „Observations of Man“ (1749) Ausdruck verleiht. Er will einfach die Rückkehr des jüdischen Volkes nach Palästina wahrscheinlich machen. Er beweist sie ebenso aus dem Alten wie dem Neuen Testament, belegt sie aber nicht minder aus der Geschichte, der physischen und geistigen Verfassung der Juden. Interessant ist es, daß er der rabbinischen hebräischen Sprache, obwohl sie nur geschrieben und kaum gesprochen wurde, den Charakter einer Nationalsprache beimißt. Aber zwei Jahre früher (1747) war in London ein Schriftchen erschienen, das sich ganz und gar diesem Zwecke widmet. In der großen Zähl von Schriften, die damals über die „Restoration of Israel“ erschienen, nimmt sie eine besondere Stellung ein. Diese andern Schriften gehen nämlich durchgängig von dem Standpunkte der Bekehrung des jüdischen Volkes aus, das erst zum Christentum übertreten und dann in seine Heimat zurückkehren würde. In diesem Treatise ist das so wenig der Fall, daß bezeichnenderweise -das Neue Testament nicht einmal zitiert wird, während der Verfasser immer wieder die alttestamentlichen Voraussagen anzieht. Wenn hier von der Bekehrung der Juden die Rede ist, scheint damit durchaus noch nicht die Bekehrung zum Christentume gemeint zu sein. In K r a f t s „Theologischer Bibliothek“, berichtet unter dem Namen A n g 1 o p h i 1 u s ein Rezensent über das Schriftchen und kommt zum Ergebnis, daß ein Jude der Verfasser sein könnte. Wir. müssen es einstweilen dahingestellt sein lassen. Denn weder fanden “wir in den englischen bibliographischen Werken das Heftchen erwähnt, noch ist es im gedruckten Kataloge der Bibliothek des Britischen Museums zu finden. Da auch Nahum- Sokolow in seiner „History of Zionisor“, deren erster Band soeben in meine Hand kommt, das kleine Werk nicht erwähnt, so dürfte es nicht unangenehm sein, wenn ich hier wenigstens die Inhaltsangabe von Anglophilus aus K r a f t s Theologischer Bibliothek1 zum Abdruck bringe. ' ♦ A Treatise of the futurc restoration of the Jews and Israelites to their oWn Land. London 1747. 96 Seifen. In dieser Schrift wird eine Meynung vorgetragen, die vielen sehr wunderlich Vorkommen wird. Sie betrifft nicht allein eine allgemeine Bekehrung, sondern auch eine gänzliche Wiederherstellung der JiidCn in ihr Land, nebst einer Erzählung vieler besondern Umstände, die mit dieser sonderbaren Begebenheit würden veiknüpft seyn. Der Verfasser hat sich zwar nicht genennet; scheinet aber doch in Büchern wohl bewandert zu seyn. Er hat gesucht, alles mit der Schrift zu bestärken. Wir wollen versuchen, unsern Lesern seine Gedanken und deren Gründe kürzlich zu erzählen. Gott hat Abraham und seinen Nachkommen eine ewige Besitzung des Landes Canaan versprochen und auch geschworen. Ob nun gleich die Juden durch ihren Ungehorsam anfangs in die babylonische Gefangenschaft geführet, und hernach nach der Zerstörung Jerusalems unter alle Völker zerstreuet worden sind: so bleibt ihnen doch das Recht an Canaan, wenn sie sich von Herzen zu Gott bekehren. Wir finden daher die nachdrücklichen Verheißungen, da Gott ihnen versprochen, daß, wenn sie sich bekehren würden, er sie wieder in ihr Land bringen und sie reichlich segnen wolle, und wenn sie auch bis an die Enden der.-Erden verstoßen wären. Er wollte seinen Bund nimmer vergessen, 3. B,! Mos. 26. 31 33, 40—46, 5. B. .Mos. 4, 25—32, 28, 58, | 63. 64. 30, 1 —15 u. ff. Es fragt sich aber, ob eine Bekehrung der Juden zu hoffen sey? Die Propheten können diese Frage | beantworten, indem sie uns versichern, daß Gott durch große Plagen eine Bekehrung der Juden zu Stande I bringen werde, in welchen Klagen zugleich die Gott- I losen und Verhärteten unter den Juden umkommen würden, so daß nur die Guten übrig bleiben würden. Jer. 16. 14 19 redet von einer Wiederherstellung aller Juden von Norden her, welche zukünfftig seyn muß, | da aus der babylonischen Gefangenschaft nur zwo | Stämme zurück kommen, und Babylon auch Canaan j gegen Morgen lag. Ezech. 20, 33—39 bekräftiget eine gleiche Wiederherstellung; denn die Erlösung der Juden aus Babylon war nicht mit solchen Umständen begabet als die, die hier verkündiget wird. Siehe Vers. 40—45. Jerem. 30, 3. 18—fin. 31/8. 9. Gott redet von einer Wiederherstellung sowohl Juda, als Israel. Juda, das ' sind die zweene Stämme Juda und Benjamin, sind aus j Babylon wieder kommen, aber nicht Israel, oder die andern zehn Stämme; dafier muß es nodi zukünftig , seyn. Gott verheißet Amos 9, 8—fin. daß, nachdem die Juden wieder hergestellet, sie nicht mehr aus ihrem Lande sollen gerissen werden. Ist das erfüllet? Hos. 3/4. 5. Jerem. 23, 5—9. Es'. II/1I bezeugen ein gleiches. Es erhellet dieß noch ferner aus der Beschreibung des glückseligen Zustandes der Juden, wenn der Meßias über sie regieren würde. Jerem'. 3, 17. 18. Es. 66, 12. 18. 20. 49/22. Cap. 60 und 61. Ezech. 37. Es. 35/10. Sind diese Verheißungen wohl nur einigermaßen erfüllet, da Canaan noch wüste Heget, da die Juden noch in aller Welt zerstreuet sind? Man pflegt diese Verheißungen von dem geistlichen Zion zu erklären. Allein wir erklären die ProphezeyuMgen, betreffend Aegypten, Babylon, Tyrus, die Gefangenschaft der Juden in Babylon, ihre Wiederherstellung daraus; wir erklären alle diese Weißagungen eigentlich und nach den Buchstaben; warum nicht auch diese? oder wo finden wir den Grund, daß wir diese müssen uneigentlich', jene aber eigentlich verstehen?‘ der Tempel des Ezechiels gehöret in eben diesen Period. Nun alles was Gott verheißen hat, muß erfüllet werden. Esa. 46, 9—11. Es fragt sich hier wie es um die zehn Stämme stehe, die nicht wieder nach Canaan gekommen sind? Wir finden 2 B. d. Könige 17/6, daß der König von Assyrien dieselben jenseit des Euphrats und in Meden geführet habe, wo sie nach Außage des Josephi noch zu seiner Zeit waren. Die heutigen Reisebeschreiber, als Strahlenberg, geben uns auch Nachricht von einer großen Anzahl Juden, die in der Gegend, auch bei Derbent, nicht Wert von der caspischen See wohnen, und Kubatzifi genetinet werden, die das Gesetze Mosis beobachten, und Ebräisch reden können, ob sie zwar keine hinlängliche Nachricht geben können, wie sie dahin gekommen, oder zü welchem Stamme sie gehören. Die Umstände bey der Wiederherstellung der Juden werden folgende seyn. Ein Theil der Juden wird zuerst nach Jerusalem reisen, und die Stadt wieder zu bauen an fangen, wo sie in allem Ueberflusse leben werden, Ezech. 38, 8. 10. 11; welcher glückselige Zustand die übrigen anreizen wird, ihnen zu folgen. Dias bürgerliche Gesetz Mosis wird ihnen zur Richtschnur dienen, um den Staat danach einzurichten, welches Gesetz an und für sich unverbesserlich ist Das Land Canaan, das nach der Beschreibung derer, die es gesehen haben, ein erwünschtes Land seyn muß^ wenn es gehauet wird, wird durch (Jen großen Segen Gottes noch mehr erwünscht werden. Es ist .keiij Zweifel, daß nicht auch Heiden mit den Juden nach Jerusalem reisen und sich daselbst niederlassen werden. Gott hat auch für die gesorget in dem Ezech. 47/22. 23; sgad so verstehet der Verfasser alles in buch-