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Volk und Land · 1919-05-10 · Heft 19 (10.5.1919) · p. Seite 607-608

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 19 (10.5.1919)
Date
1919-05-10
Page
Seite 607-608 (sequence 18)
Language
German
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607 VOLK UND LAND 608 stäblichem Verstände, was in den letzten Kapiteln des Ezechielis stehet, und giebt uns eine sehr genaue Beschreibung der Stadt Jerusalems und des Tempels. Nachdem nun die Juden werden wieder hergesteilet sevn und im guten Wohlstände leben, so wird der Gog und Magog nebst andern sie überfallen, Ezech. 38; worunter die Türken verstanden werden, zu welchen sich die Persier, Libyer, Aethiopier u. s. w. schlagen werden. Siehe auch Dan. 11. Zachar. 13/5. 9. 14/2. Joel Cap. I 2 und 3 scheinet auch hierauf zu zielen. Die Juden werden darüber in nicht geringe Angst gerathen; allein, nachdem sie durch diese letzte Trübsal ziemlich gereiniget und geläutert worden, wird ihnen Gott kräftig beystehen und ihre Feinde gänzlich zu Boden schlagen. Diese so erschreckliche Niederlage wird allerwegen ein großes Aufsehen machen, und die Kinder Israel werden häufig nach Jerusalem reisen, und die Heiden werden einem so von Gott begnadigten Volke allen Vorschub leisten. Esa. 66/15 21. 11/11—15. 60/9—10. 49/22. 23. Jer. 3/16. 18. Zach. 8, 23. Und darauf wird der Meßias kommen, und sichtbarlich über sie regieren, Jer. 23/5. 6. Ezech. 34/23. 24. Cap. 37/21 ~26. Hos. 3/5. Jer. 31/31 his 34. Ezech. 37/24 28. Cap. 39/29. Alsdann wird vieles von dem Ceremonialgesetze der Juden abgeschaffet werden; und die Juden werden von der Zeit an nicht mehr Gottes Gebot übertreten, und daher werden sie alles vollauf haben, und über alle andere Völker hervorragen, Es. 60/3. 10 15, 61/69. Viele Völker werden sich dadurch anreizen lassen, nach Jerusalem zu kommen, Zach. 8, 10 -22. Fragt man, zu welcher Zeit diese sonderbaren Begebenheiten ihren Anfang nehmen werden: so meynet der Verfasser, daß sie in die Zeit zu setzen sind, wenn die Welt 6000 Jahre gestanden. Nach der völligen Wiederherstellung der Juden wird die Herrschaft des Meßiae über die ganze Welt ihren Anfang nehme, oder die fünfte Monarchie, nach dem Daniel 7,1 15; der Meßias wird in Jerusalem residiren, und die Herrlichkeit Gottes wird daselbst allezeit wohnen, Es. 60/19. Es werden auch alsdann Abraham, Isaac, Jakob und andere gottselige Männer wieder auferstehen, Dan. 12/2. 7/10. Auf dem ganzen Erdboden wird die Erkenntniß des Herrn seyn, Es. 11/9; und Tugend wird überall ausgeübet werden, so daß da her Friede und Freude auf dem ganzen Erdboden seyn wird. Alsdann werden auch Wölfe und Lämmer bey einander wohnen, und die ganze Natur wird zu ihrem ersten Glanze wieder hergestellt werden. Wir beschließen die Erzählung dieser Schritt mit der Anerkennung, daß da der Meßias in dieser Schrift niemals als ein Heiland, sondern allzeit als ein weltlicher Fürst betrachtet wird.; daß da die itzigen betrübten Umstände der Juden niemals als die Wirkung ihrer Verwerfung des Meßiae angegeben werden; daß da zu ihrer Bekehrung der Glaube an den Meßiam nicht erfordert wird, sondern sie nur zur Tugend und Verehrung des einzigen wahren Gottes, und zur Beotv achtung des alten Testaments angemahnet werden; wir keinen Grund finden können, w’arum nicht ein Jude der Verfasser dieser Schrift seyn könne; zumal da wir uns nicht erinnern, das neue Testament nur ein einziges mal angeführt gesehen zu haben. Mitgeteilt von Heinrich Loevve. BUECH ERBESPRECH UNOEN Schriften Gustav Landauers Gustav Landauer sollte man bei uns schon aus einem Grunde lesen: um einem Juden gerecht zu werden, dessen unantastbarer Idealismus in den letzten Wochen von fast der gesamten deutschen Presse durch den Schmutz gezogen worden ist, daß die Spritzer in kompromittierendster Weise an denen kleben bleiben, die protestlos der unverantwortlichen Hetze zusehen. Als einen solchen Protest möge man diesen Hinweis auf zw'ei Bücher Landauers, die im Verlage von Paul Cassirer erschienen sind, auffassen. Es ist zweifelhaft, ob sie denjenigen, der dem Schandmärchen der „großen“ und angeblich ernsthaften Berliner Presse geglaubt hat, Landauer habe Bayerns Frauen „kommunisieren“ wollen, von solchem Wahne zu heilen vermögen. Aber sie beweisen jedem Menschen mit leidlich gesunden Sinnen die Perfidie derjenigen, welche diese Bücher kannten und trotzdem sich nicht entblödeten, Schandmärchen zu erzählen. Landauers „Aufruf zuitr Sozialismus“ ist kein Konjunkturprodukt der Revolution. Im Jahre 1908 wurde das in ihm Enthaltene in Form einer Vorlesung vermittelt, 1911 sind diese Vorträge bereits in Buchform erschienen. Eine eingehende Besprechung müssen wir uns an dieser Stelle versagen, aber wenigstens hingewiesen soll darauf werden, wie stark die Grundgedanken dieses „Aufrufes“ merken lassen, daß sie auf jüdischem Geistesboden gewachsen sind. Wir haben vor kurzem an dieser Stelle die theoretische Begründung eines nichtmarxistischen jüdischen Volkssozialismus besprochen, und auch in Landauer finden w'ir einen erbitterten Gegner des Marxismus. Wenn es auch sicherlich falsch wäre, den Landauersdien „Sozialismus“ dem des Hapoel-Hazair gleichzusetzen, so darf doch gesagt werden, daß die jüdische Note, die beiden gemeinsam ist, die Ablehnung der materialistischen Weltanschauung, entscheidend für das ganze Wesen diesem Sozialismus ist. Wie der jüdische Volkssozialismus von dem palästinen sischen Judentum als Gemeinschaft die wahre jüdische Renaissance im Sinne jüdischer Gerechtigkeit auch im sozialen Sinne erwartet, so prophezeit Landauer allen Völkern, der ganzen Menschheit, die Erfüllung des echten Sozialismus durch die Vereinigung von Land und Geist. Und; zum Prophezeien ist Landauer einigermaßen legitimiert. Wer 1911 Worte schrieb wie diese: „Keine Schicht der Bevölkerung w'üßte, wenn es heute zur Revolution käme, weniger was zu tun ist, als unser Industrieproletariat“, dürfte auch an Positivem heute einiges zu sagen haben. Und wer, w'ie Landauer, im1 entscheidenden Teil seines Buches die uralten Bestimmungen über das Jobeljahr wörtlich zitiert, wird sich selbst nicht im Unklaren darüber befinden, daß seine sozialistische Prophetie Geist von jenem Geist ist, der den ethischen Radikalismus eines Jesaia offenbart hat. Das Buch „Rechenschaft“ vereinigt eine Reihe von Aufsätzen aus den Jahren 1909 bist 1916, fast alle dem Thema „Krieg“ gewidmet. Was im „Aufruf“ als erschütterndes Bekenntnis ausgegossen ist, lebt in diesen kürzeren und längeren Artikeln und Zwie gesprächen als belebender Gedanke: der Glaube an die Erlöserkraft des Geistes und der Abscheu vor der Ge walt, das uralte jüdische „Lo b’koach ellah b’ruach!“ C. Z. K. Für die Redaktion verantwortlich: C. Z. Klötzel, Berlin. Verlag: Welt-Verlag, Berlin NW 7, Dorotheenstr.35 Druck von Siegfried Scholem, Beriin-Schöneberg.

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