Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1919)
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 595-596 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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595 VOLK und LAND 596 die Judeji besitzen, war ihnen dieser Ausblick um so | unerträglicher. Dann bestand die durch nichts gereehtfertigte Furcht, daß Palästina als die Heimat der Juden die mohammedanischen heiligen Orte in Gefahr bringen konnte. Die dritte Frage war die des Landes. Die Araber fürchteten, daß die Juden der ganzen Welt sich zusammentum würden, um sie hier auszustoßen. Als einmal die Ursachen der verschiedenen Befürchtungen entdeckt waren, konnten sie auch beseitigt werden. Dr. Weizmann ergriff schnell die Gelegenheit, dies zu tun, und zwar bei einem Diner, das der Gouverneur von Jerusalem gab und bei dem die offiziellen Vertreter der arabischen Gemeinwesen anwesend waren. Die Rede war so bedeutend — epochemachend kann man sagen —, daß sie in das Gedächtnis aller Staatsmänner und'Publizisten eingegraben sein müßte, die den nahen Osten zu ihrer Tätigkeitssphäre erwählt haben. Es war die formelle Erklärung über die politische Basis des Zionismus, die einer der beiden Männer ausspracb, in deren Händen die ganze Zuikunft des jüdischen Volkes ruht. Sie wurde in Jerusalem ausgesprochen, dem Herzen des neuen Judentums, in Gegenwart der Vertreter all jener Elemente, für die ein jüdisches Palästina eine reale und nicht nur akademische Bedeutung hat: „Wir möchten Bedingungen schaffen, unter denen die materielle und moralische Entwicklung derjenigen unseres Volkes, die sich freiwillig dazu entschlossen haben, hierher zu kommen, möglich gemacht wird, Und wir sind überzeugt, daß es möglich gemacht werden kann und muß, nicht zum Schaden irgendeiner der großen schonim Lande bestehenden Gemeinschaften, sondern im Gegenteil zu ihrem Vorteil. Es gibt Land und Platz genug in Palästina, um ein viel größere Bevölkerung als die augenblickliche erhalten zu können. Und alle von den Arabern offen oder heimlich ausgesprochenen Befürchtungen, sie würden aus ihrer jetzigen Stellung herausgedrängt, beruhem «entweder auf grundsätzlichem Miß vertrauen unserer Ziele und Absichten oder auf der bösartigen Tätigkeit unserer gemeinsamen Feinde. Sowohl moralisch als auch materiell liegt es in unserem Interesse, in Freundschaft und Frieden zu leben. Und nur unter solchen Bedingungen ist die große Entwicklung dieses Landes möglich. „Glauben Sie denen nicht, die Ihnen vorspiegeln, wir beabsichtigen bei Schluß des Krieges die höchste politische Gewalt in die Hände zu bekommen. Wir kennen die Lasten und Verantwortlichkeiten der Regierung zu wohl, und ich glaube, daß Juden und Araber das Schicksal Albaniens und Rußlands zu genau beobachtet haben. Diese beiden Lektionen lehren uns die große Wahrheit, daß Selbstverwaltung in moderner Zeit eine komplizierte Wissenschaft ist und daß man das Volk in einem Tag nidht dazu erziehen kann. Man muß dazu eine lange, schwere Lehrzeit unter gut durchgebildeten und vertrauenswürdigen Lehrern durchmachen. Und wir Zionisten erklären, daß es unser Wunsch ist, die äußerste politische Autorität dieses Landes in den Händen einer der zivilisierten demokratischen Mächte zu sehen, welche zu diesem Zweck durch den Völkerbund erwählt wird. „Die Stadt Jerusalem, in der idi heute abend spreche, ist ein heiliger Schrein für uns Juden. Aus diesem Grunde achten wir auch die Gefühle anderer, denen Jerusalem heilig ist, und werden die Moslimte oder Christen, die in Andacht an ihren heiligen Stätten beten wollen, in keiner Weise stören.“ Dieser Ausspruch Dr. Weizmanns verfehlte seine Wirkung nicht, wie der Groß-Mufti von Jerusalem! bei derselben Gelegenheit zugab, als er seiner Ueberzeugung von der Aufrichtigkeit der zionistischen Erklärung Ausdruck gab. Ueber die Beziehungen zwischen einem freien Armenien und Einern jüdischen Palästina ist wenig zu sagen. Die Interessengleichheit ist offensichtlich, und das Fehlen irgendwelcher Reibungsflächen all denen klar, die sich mit der Frage beschäftigt haben. Während der letzten Monate ist der Welt gezeigt worden, welche Verwandtschaft zwischen Juden und Armeniern im Unglück besteht; denn dieselben türkischen Armeen, die ihren Weg nordwärts über den Kaukasus durch Greueltaten bei den Armeniern gezeichnet haben, haben auch von der jüdischen Bevölkerung jener Gegenden ihren Zoll gefordert. Eine Verbindung zwischen Armenien und einem jüdischen Palästina, ebenso mit dem arabischen Staate, ist fast Naturgebot. Ihre wahren Interessen laufen überall zusammen und kreuzen sich nirgends.“ . („Der Neue Orient.“) NOCH EIN WORT ZUR LOESUNO DER HAUSFRAUEN- UND DIENSTBOTENFRAGE IN PALAESTINA Von Paula Arnold, Wien. Frau Trietsch’s an- und aufregender Artikel in Heft 10/11 dieser Zeitschrift bringt eine Fülle neuer und beachtenswerter Vorschläge. Ich begrüße alles wärmstens, was Aussicht auf eine Besserung des Verhältnisses zwischen Hausfrau und Hausgehilfin bietet und diesen letzteren Beruf unseren jüdischen Mädchen anziehender zu machen, geeignet ist. Dagegen wehre ich mich entschieden gegen die im ersten Teile vorgeschlagenen Neuerungen, die ich hier nur kurz wiederholen will, ehe ich meine Gegengründe geltend mache. Frau Trietseh schildert den Beruf der Hausfrau in den schwärzesten Farben, nennt ihn Joch und Frone, an der Abertausende zugrunde gehen, und wünscht, daß der Frau die Last des Haushalts abgenommen werde: so Kochen, Geschirrwaschen, Wäsche waschen und plätten, Kleintierzucht, Milchwirtschaft und, sofern die Frau es wünscht, auch Gärtnerei und Kinderpflege. Die Mittel, welche Frau Trietseh hierzu empfiehlt, sind die landläufigen: Speisehäuser, Wäschereien, Tierzüchtereien, Molkereien, Gärtnereien, Kinderheime. Zunächst macht Frau Trietseh den Fehler, daß sie die unter den denkbar ungünstigen Verhältnissen lebende, noch dazu einen Beruf ausübende städtische Hausfrau des Mittelstandes schildert, später aber, wie aus der oben gegebenen Aufzählung ersichtlich, die Kolonistenfrau zu retten versucht. Diese aber hat die Rettung nicht nötig. Ich unterschreibe alles, was Frau Trietseh in diesem Punkte sagt, soweit es für städtische Verhältnisse gilt. Ich bin eine begeisterte Anhängerin des Einkücherihauses — in der Stadt. Ich verabscheue den Waschtag — in der Stadt. Ich weiß es von meinen Kindern, daß sie die