Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1919)
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 593-594 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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593 VOLK UND LAND 594 Stellungnahme dem beiden Nationen gegenüber beleuchtet, die, wie man hofft, die Naehharn des künftigen Palästina sein werden: „Eine Entente cordinalo“, das ist die zionistische Lösung des Problems ihrer gegenseitigen Beziehungen. I>iese Politik einer engen Korporation mit der arabischen und armenischen Nation wurde nicht in der Erregung des Augenblicks gefaßt, die durch die offizielle britische Befürwortung der zionistischen Sache hervorgerufen war, sie ist von jeher von den zionistischen Führern laut und vernehmlich bei jeder Gelegenheit betont worden, mit der Begründung-, daß der Zionist, der Araber und der Armenier tatsächlich dieselben Ziele verfolgen, die nur durch die Zerstörung des türkischen Regierungssystems und durch die Befreiung Palästinas, der arabischen Länder und Armeniens realisiert werden können. IXe Definition Nahum Isokolows über die Beziehungen zwischen den Zionisten und den beiden anderen Völkern war nicht für die Gelegenheit erfunden, hei der sie ausgesprochen wurde. Diese Ansicht ist immer w'ieder zutage getreten, wie erst kürzlich bei einem Diner, das Major Ormsby Gore, dem politi sehen Offizier der Zionistischen Kommission in Palästina, zu Ehren gegeben worden war. „Zionismus heißt, die Wiederaufrichtung der jüdisch-nationalen Heimstätte im alten Lande, ln Wirklichkeit gibt es mehr als ein Pa lästina: ein Palästina für die Juden, das ist die Heimat der jüdischen Nation, ein Palästina für die Armenier, und das ist Armenien, ein Palästina für die Araber, und das ist Arabien.“ IXe zionistische Haltung ist daher ganz klar, die der Armenier ist ebenso einfach, aber bei den Arabern liegt der Fall komplizierter; denn es gibt zwei arabische Fragen für die Zionisten: eine interne und eine externe. Letztere bezieht sich auf das Verhältnis zwischen den Juden in Palästina und dem arabischen Königreich in Arabien, im Hedschas und in Damaskus, erstere da gegen zwischen Juden und Arabern innerhalb Palästinas. Bei dem vorhandenen guten Willen und ‘der Staatsklugheit der Zionisten dürfte es keine Schwierigkeit geben, um zu einem befriedigenden Uebereinkommen zwischen dem künftigen jüdischen Gemeinwesen in Palästina und seinem Nachbarn, dem Königreich Hedschas, oder wie auch der an Palästina grenzende Araberstaat genannt werden mag, zu gelangen. IXe Grenzen Palästinas sind ziemlich klar gekennzeichnet, wenn auch diejenigen, die mehr auf Trennung als auf Verständigung bedacht sind, dieses leugnen. Die Zionisten haben . ganz genau präzisierte Vorstellungen davon, w'as sie unter Palästina verstehen, und stellen keine übertriebenen Forderungen. Sie möch ten allerdings die Grenzen so ziehen, daß kein Problem einer Palästina-Irredenta geschaffen wird. Die Zionisten verlangen Palästina, nichts mehr. Arabien, das Hedschas, Damaskus sind endgültig außerhalb der Grenzen des jüdischen Landes. fXc Zionisten begrüßen den Ausblick auf die Schaffung eines starken, wohlgeord neten Staates, der alle diese Länder umfaßt. Es läge in ihrem Interesse, einen so starken Nachbarn zu haben, der keine Ursache zu Unfreundlichkeiten hätte, mit dem es keinen Grund zu Mißhelligkeiten und keinen Samen für Streitigkeiten gäbe. Das ist die zionistische Auffassung! Die Proklamation der Zionisten, ihre Stellungnahme dem arabischen Staat gegenüber betreffend, brauchte nicht lange auf eine Erwiderung zu warten. Schon einige Wochen nach der offiziellen britischen Erklärung zugunsten des Zionismus w-urde eine Dankes-Demonstration in London abgehalten, und unter den Sprechern trat besonders ein Vertreter des arabischen Volkes, ein Mufti, hervor, der mit seinen zionistischen Freunden der britischen Regierung seinen Dank dafür ausdrücktfc, daß sie die Sache eines verbündeten Volkes zu ihrer eigenen gemacht hatte ... Bis jetzt wrar der Meinungsaustausch zwischen Zio nisten und Arabern nur in Europa cor sich gegangen. Aber wegen der Entfernung von dem lebendigen Zentrum i der arabischen Nationalität war er notwendigerweise etwas akademischer Art geblieben. Die in Europa geschaffene Verbindung mußte erst in West-Asien auf die Probe gestellt werden, und diese Probe war eine der Funktionen der zionistischen Kommission, die im März nach Palästina reiste, und die u. a. dazu beitragen sollte, freundschaftliche Beziehungen mit den Arabern und anderen nichtjüdischen Gemeinschaften herzustellen. Alle Zweige menschlicher Wissenschaft geben Mißverständnissen Raum, am häufigsten die Politik, denn da gibt es unglücklicherweise immer Parteien, in deren Interesse es hegt, die Wahrheit zu verschleiern. Der! Zionismus hat nicht weniger als andere politische Be wegungen unter diesen Mißverständnissen gelitten. Es ist daher nicht überraschend, daß, als Dr. Weizmann und seine Kollegen von der Kommission in Aegypten . ankamen, sie viele Mißverständnisse aufzuklären hatten. | Es ist bisher noch kein Bericht über die Arbeit dieser Kommission veröffentlicht worden. Aber man begeht I keinen Vertrauensbruch, wenn man sagt, daß, als Dr.! Weizmann die Gelegenheit hatte, den führenden arabischen Vertretern die wahren Ziele des Zionismus und die beabsichtigte Verbindung zwischen dem künftigen i jüdischen Staat und dem arabischen Königreich klar- | zumachen, alle Schwierigkeiten, die bisher das Feld beherrscht hatten, hinw-egschmolzen. Ais Beweis möchi ten wir die Botschaft zitieren, die der Emir Faissal! im Namen seines Vaters, des Königs der Hedschas, an die zionistischen Spitzen bei Gelegenheit der Grundsteinlegung der Hebräischen Universität in Jerusalem j sandte. Er drückte darin seine große Sympathie für j die zu gründende Universität aus, wünschte ihr den 1 besten Erfolg und hoffte, daß alle Völkerschaften da 1 von profitieren w'ürden. | Int Namen der Zionisten hielt Dr. Weizmann einen Monat nach seiner Ankunft in Jerusalem folgende Rede, | in der er den durchaus brüderlichen Gefühlen seines I Volkes Ausdruck verlieh: „Wir Zionisten verfolgen mit der tiefsten Sympathie und dem größten Interesse den Freiheitskampf der alten arabischen Rasse. Wir sehen die zerstreuten arabischen Kräfte durch die Sympathie der Entente und der freiheitliebenden Mächte zusammengekittet. Noch einmal erhebt sich ein starker, neugeborener, arabischer, politischer Organismus, welcher, wie wir hoffen, die glorreichen Traditionen der altarabischen Literatur, die den unseren so verwandt sind, wieder aufleben lassen wird . . . Wir fühlen, daß die drei Nationen — Araber, Juden und Armenier — die am meisten in der Welt erduldet haben, von allen Nationen die größte Berechtigung haben, ihr eigenes Leben zu leben.“ Dank der dem Zionismus innewohnenden Idee der Gerechtigkeit, dank des guten Willens und der Staatsklugheit der zionistischen Führer und jener arabischen Vertreter, mit denen sie *n Verbindung getreten sind, . liegt kein Grund vor, irgendein Aufeinanderprallen der Interessen zwischen dem künftigen jüdischen Gemeinwesen und dem benachbarten arabischen Königreiche zu fürchten. Das Problem der außerhalb Palästinas wohnenden Araber kann tür gelöst gelten. Es bleibt jedoch das zweite Problem: das der innerhalb Palästinas wohnenden Araber. Die Feinde des Zionismus glaubten einst, unter diesen Arabern ein fruchtbares Feld zu finden. Die Gelegenheit für Mißverständnisse war groß und diejenigen, denen das zionistische Ideal ein Anathema war, suchten sie möglichst auszunutzen. Als die zionistische Kommission in Palästina ankam, fanden ihre Mitglieder die arabische Opposition auf einige wenige Punkte konzentriert. Z. B. war der Glaube weit verbreitet, daß bei Schluß des Krieges es beabsichtigt sei, in Palästina eine jüdische Regierung zu bikten, an welcher die nichtjüdische Bevölkerung keinen Anteil haben würde, obgleich sie ihr untertan wäre. Da die Nichtjuden augenblicklich eine bedeutende Mehrheit über