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Volk und Land · 1919-05-10 · Heft 19 (10.5.1919) · p. Seite 591-592

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 19 (10.5.1919)
Date
1919-05-10
Page
Seite 591-592 (sequence 10)
Language
German
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591 VOLK UND LAND 592 anderen Seite wäre beispielsweise den Bulgaren eine Assiimlieriing gar nicht wilikorhmen gewesen. Mit. ängstlicher Sorgfalt hüteten diese ihren Nationalcharakter, strebten sie danach, alle Kräfte ihrer ejgenen Regenerierung zu widmen und aus diesem Programm heraus sahen sie im Juden den nationalen Juden, dem sie die damit verbundene Sonderexistenz mit Freude zubilligten. Und auch ihre politischen Prinzipien fanden eine Bekräftigung iin Zionismus, der ja, im Grunde genommen, wie ihre eigene Selbständigkeitsbestrebungen gegen den Erbfeind, das Osmanentum, gerichtet war. Sie fühlten, wenn auch unklar, daß die Errichtung eines Judenstaates in Palästina - die Einschränkung des türkischen Machtbereiches zur Folge haben müßte und daher ihren eigenen Freiheitskampf begünstigte. Und selbst abgesehen von praktischen Zielen mußte ihnen, den Aufstrebenden, jede nationale Bewegung sympathisch sein. Die erste Phase der Betätigung des Zionismus auf dem Balkan und in Bulgarien, war der Kampf mit der Alliance Israelite, die bei der Hebung des Bildungsniveaus der auf dem Balkan lebenden Juden Ersprießliches geleistet hat, infolge der stark hervortretenden französischen Tendenz aber mit dem sich entwickelnden Nationalismus und Zionismus in Konflikt geraten mußte. Dieser Kampf endete nach jahrelangen Bemühungen mit dem vollen Sieg des nationaljüditschen Gedankens, so daß heute sämtliche*Schulen in Bulgarien dem Einflußder Alliance Israelite entzogen sind. Wie schon früher bemerkt, hatte es Frankreich unternommen, den Balkan zuerst zivilisatorisch für sich zu gewinnen und die Tätigkeit der Alliance israelite, das Werben um die jüdiische Schule, war ein Teil «dieses Programmes. Demgegenüber stand die Werbearbeit des Hilfsvereins der deutschen Juden in Berlin, der keine andere Aufgabe hatte, als seinerseits das Franzosentum zu verdrängen und durch das Deutschtum zu ersetzen. In beiden Fällen wäre das Judentum im Dienste eines fremden Nationalismus und - im weitteren Sinne - Merkantilismus gestanden. Die jüdischen Schulen werden von den Gemeinden mit Unterstützung der bulgarischen Städteverwaltungen erhalten. Wie überall, versuchte auch hier die Orthodoxie den jüdischen Nationalismus zu diskreditieren. Das war die zweite Phase des Kampfes und auch sie fiel zugunsten des Zionismus aus. Heute sind fast sämtliche Verwaltungen der jüdischen Schulen Bulgariens zionistisch - fass auf Sofia! Die intensivste Unterstützung erhielt der Organisationskeim aus Wien. Zahlreiche Propägandaschriften, persönliche Fühlungnahme mit dem österreichischen Zionismus befruchteten den günstigen Boden. Besonders intim ward der Kontakt zwischen Theodor Herzl und dem Führer der bulgarischen Zionisten, Karl Herbst, in dessen Händen bis heute noch alle Fäden des zionistischen Lebens in Bulgarien zusammenlaufen. Auf allen Kongressen war Bulgarien durch Delegierte vertreten. „Der Judenstaat“ wurde ins Bulgarische und jus Spaniolische übersetzt. Der „Haschofor“ in spaniolischer Sprache mit einer bulgarischen Beilage und der in Sofia bulgarisch erscheinende „Hamischpat“ sorgten für die Verbreitung des Zionismus, für die Ausgestaltung der Organisation, für die Verbindung mit den mitteleuropäischen Zentralstellen. Auch hier ist wieder als Initiator, Ueber setzer und Aufklärer Karl Herbst zu nennen. Besonders hervorgetan haben sich Dr. Rimalowsky, Professor fiel kowsky (derzeit Rechtsanwalt in Petersburg), unter den spaniolischen Führern Dr. Knleb, der sich hauptsächlich als Publizist betätigte, ferner Dr. Romano und Persiado Romano in Sofia. Da es sich in Bulgarien bloß um 40 000 Juden handelt, war die Rolle, die das zionistische Element innerhalb der zionistischen Weltorganisation spielte, eine mehr missionarische. Das starke jüdische Empfinden dieser kleinen Organisation wurde dazu benützt, um den nationaljüdischen Gedanken nach Serbien und Bosnien und übers Meer nach Aegypten zu tragen. So ist zum Beispiel der Propagator Kaleb aus Philippopel zum Begründer des Zionismus in Aegypten geworden. Die zionistische Organisation Bulgariens als solche kann als mustergültig genannt werden. Theodor Herzl hat sie bei verschiedenen Anlässen als die vortrefflichste ^anerkannt und gewürdigt. Das jüdische Schulsystem, die jüdischnationale Presse, das Netz der Na tionalfondsstellen mit ihrem Sitz in Philippopel und die Finanzierung aller jüdischen Institute durch die Volks banken bilden zusammen einen festen Halt für die im Lande zerstreuten Juden. So wurde jüngst, wie bereits gemeldet wurde, in Sofia eine Bulgarische Palästinabank gegründet, die neben der Forderung der künftigen Handelsbeziehungen zu Palästina sich mit der Abwicklung aller finanziellen Angelegenheiten jener Juden beschäftigen wird, die nach Palästina auswandern wollen. Diese BanjlC ist außer der bereits seit 1913 bestehenden und erfolgreich wirkenden Jüdischen Volksbank in Rustschuk das zweite auf nationaljüdischer Basis errichtete Finanzinstitut in Bulgarien. Im Lande befinden sich allerdings noch kleine Vorschußkassen und Sparvereine mit jüdischer Tendenz, die aber allmählich in der Rustschuker Volksbank aufgehen. Daß sich jetzt während der wirtschaftlichen und politischen Krise in Bulgarien ein derartiges Interesse zeigt, ist ein merkwürdiges Zeichen der Zeit. Man scheint also mit einer Verschlechterung <ier ökonomischen Verhältnisse und als deren Folge mit einer weitgehenden Auswanderung zu rechnen. (Wiener Morgenzeitung.) EINE ENTENTE CORDIALE IM ORIENT „Die vielfach gleichartigen Schicksale, die den Juden, Arabern und Armeniern im Orient zuteil geworden sind, haben wiederholt den Gedanken einer Entente cordiale zwischen diesen drei bisher unterdrückten Nationen besonders von zionistischer Seite aus aufkommen lassen. In diesem Sinne hat sich vor altem Nafurni S o k o 1 o w, ein bedeutender russischer Jude, der während der letzten vier Jahre als Haupt der mternationaleri zionistischen Organisation in England lebte, in einer Rede geäußert, die er als Antwort auf die Erklärung der britischen Regierung hielt, die zugunsten der zionistischen Sache erfolgte: „Wir sind Zionisten — nicht nur Zionisten für uns allein, sondern auch ebensogut für die Araber und Armenier. Zionismus bedeutet Treue gegen das eigene alte Land, gegen die eigene alte Heimat. Zionismus bedeutet Bewußtheit einer Nation . . . Hat nicht die gemeinsame Arbeit zwischen den Arabern und uns, den Juden, im Mittelalter die Arbeit für Zivilisation und wahre Kultur, in unseren Heizen und unserm Gewissen tiefe Wurzeln geschlagen? ... In dem Nationalitäten prinzip liegt die Gewähr für die Berechtigung unserer Forderungen. Darin liegt auch ein Pfand für unsere brüderlichen Gefühle gegen die Araber und Armenier. Hoffnungswll sehen wir den glückseligen Tagen entgegen, in denen diese drei Nationen eine „Entente Cordiale“ bilden werden — wie sie bereits im Bewußtsein einiger ihrer Führer besteht.“ Diesen Ausspruch nimmt auch die vorletzte Nummer des „New Statesman“ zum Ausgang eines sehr interessanten Artikels, der uMer der Ueberschrift „Juden, Araber und Armenier“ erschien und der die zionistische

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