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Volk und Land · 1919-05-10 · Heft 19 (10.5.1919) · p. Seite 589-590

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 19 (10.5.1919)
Date
1919-05-10
Page
Seite 589-590 (sequence 9)
Language
German
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589 VOLK UND LAND 590 (Vererbpachtung von Grund und Boden durch private Großgrundbesitzer) eintraten. Der Andrang zu kleinen Parzellen ist aber groß und es liegt bei der privaten Erbpacht die Gefahr der Ausbeutung des kleinen Erbpächters durch den Vererbpächter vor. Denn der Parzelleneigentümer schätzt in seiner Parzelle vor allem die Möglichkeit, die sie ihm bietet, seine Arbeitskraft dauernd und sicher zu verwerten. Auf die Verzinsung seines in Ißoden angelegten Kapitals legt er keinen Wert, da dieser im Verhältnis zum Wert seiner Arbeit für ihn von relativ geringer Bedeutung ist Diese von der üblichen Art abweichende Schätzung des Bodens verführt den Parzellenbewerber zu Preisangeboten, die zu dem Ertrag der Parzelle in keinem Verhältnis stehen. Bei der Vererbpachtung wird dies umso mehr der Fall sein, da der Parzellenerbpächter nur einen Pachtzins aus dem Ertrag des ‘Gutes und nicht ein sofort zu bezahlendes Kapital, was an sich schon eine Hemmung bildet, aufzubringen braucht. Bei der privaten Erbpacht müßte also eine staatliche Behörde die Erbpachtkontrakte mit Hinsicht auf die Höhe des Erbpachtzinses überprüfen und jede Uebersehreitung eines vom Staate festgesetzten maximalen Erbpachtzinses verbieten. Bei der Vererbpachtung in Palästina ist die Vertretung eines maximalen Erbpachtzinses unnötig. Denn für sie werden die nationalen jüdischen Interessen, welche eine möglichste Begünstigung und Unterstützung der Erbpächter erfordern, ausschlaggebend sein und keinen zu hohen Ert£ Pachtzins zulassen. Der Erbpachtzins mub auch wie alle anderen Bestimmungen und Gestaltungsformen der Erpacht allen sozial-politischen wie auch nationalen jüdischen Anforderungen genügen können, gerecht gegenüber dem Erbpächter aber auch gegenüber der vererbpachtenden Gemeinschaft. „Denn mit Gerechtigkeit soll Zion erbaut werden.“ BALKANZIONISMUS Von Dr. Oskar R o s e n f e I d , Wien. Die Entwicklung des nationaljüdischen Gedankens auf dem Balkan nahm einen anderen Weg, als in den mitteleuropäischen Ländern. Hierfür waren zwei Gründe maßgebend: der eine lag darin, daß es dort nirgends größere Ansiedlungsgebiete,, nirgends jüdische Volkskörper in größerem Umfang gab, uindi ferner darin, daß die sozialen Umwandlungen der unterdrückten Balkannationalitäten und ihre Rückspiegelung auf die europäische Politik unter der Spitzmarke „Die orientalische Frage“ das jüdische Element in den Hintergrund treten ließen. Der Kampf der Südosteuropäer war nicht nur nationaler, sondern vornehmlich sozialer Art. Es galt hier, eine neue Wirtschaftsordnung herbeizuführen, die sich auf dem Boden der türkischen Feudalherrschaft Geltung zu verschaffen hatte, wozu in erster Linie die großeuropäische Kapital- und Industriewirtschaft den Anstoß gab. Von den Freiheitsideen der französischen Revolution und ihren Nachwirkungen in Zentraleuropa blieb auch der Balkan nicht unberührt: die Aufstände in Serbien, Makedonien und in Bulgarien liefern hierfür den klarsten Beweis. Der französische Formalismus, der so-' rasch und gründlich von Konstantinopel aus den Balkan umsponnen hatte, war die beste Vorbereitung für die Verpflanzung der westlichen Zivilisation, die in demokratischer Verkleidung die Herzen der von Freiheit schwärmenden Balkaniker entzündete. Das französische Schul- und Erziehungssystem ließ sich hier leicht auf eine niedrige Kultur übertragen und blühte besonders in den Hafenstädten — man denke an Saloniki — sehr schnell auf. Daß in diese Geisteswelt die aus den westlichen Ländern eingewanderten, Handel treibenden Juden ohne jede Hemmung eintreten konnten, ist mehr als begreiflich. Und diese westlich orientierte Geistes- und Gefühlsrichtung war es auch, die dem Balkanjuden eine Art Sicherheit, Gleichgewicht und! Ueberlegenheit verlieh gegenüber den sozial ungefbrmten, schweigsamen, geschichtslosen autodhthonen Bewohnern. Auf der anderen Seite aber war Mitteleuropa, war die alte Habsburgermonarchie noch genug, um ihr Scherflein zu der verlogenen Formel vom europäischen Gleichgewicht beizutragen und durch ihre bloße Existenz den agrarischen Formbestrebungen der Balkanslawen entgegenzutreten. Serbische, albanische, makedonische, bulgarische Kaufleufe und einzelne Intellektuelle, <Uren Bildungsdrang sich in den Grenzen der Heimat beengt fühlte, erschienen auf den Märkten in Temesvar, Budapest, Wien, München, beziehungsweise in. den Bildungsstätten Oesterreichs und Deutschlands. Das Schicksal der Balkanslawen trat in den Gesichtskreis Europas. Diese Atmosphäre könnte der Entwicklung des nationaljüdischen Gedankens nur günstig sein. Bulgarien war das erste Balkanland, das den Zionismus aufnahm und in Serbien, Bosnien und Herzegowina verbreitete. Allmählich wurden die Beziehungen zu Wien rege, sogar in der Türkei, trotz der Mißgunst Abdul Hamids und der jungtürkischen Clique. Man darf allerdings nicht vergessen, daß das jü dische Element, soweit es kulturellen Ideen zugänglich war, hauptsächlich aus Spaniolen bestand, aus Juden also, die schon im Mittelalter eingewandert waren und dank ihrer Tüchtigkeit, ihres stark entwickelten Nationalbewußtseins und Nationalstolzes, und nicht zu’etzt durch die materiellen Früchte ihres Erwerbfleißes sich eine soziale Stellung erworben hatten, die nicht so leicht entwurzelt werden konnte. Im' übrigen wurden sie, solange der Balkan türkisch war, von der osmanischen Regierung als Orientalen angesehen und gegenüber den unterdrückten Slawen und Griechen begünstigt. Sie verkörperten in Sitte und Sprache die 'westliche Kultur und brauchten daher an dem Kampf, den die anderen Nationen hier zu führen hatten, nicht teilzunehmen. Da sie ferner nur in den Randgebieten und an den Küsten zahlreicher wohnten, war ihre Freizügigkeit ebenso wie der Seeverkehr, das heißt die Berührung mit den Vertretern der Handelsschiffahrt, gesichert. Hier soll also zunächst eine grundlegende Tatsache konstatiert werden: das Emkanjudentum kennt keine Assimilation. Diese Erscheinung erklärt sich vor allem aus dem Umstande, daß die Juden unter der türkischen Herrschaft volle Gleichberechtigung besaßen, hauptsächlich gegenüber den älteren Balkanvölkern, und in der Ausübung ihres Ritus nach keinerlei Hinsicht-eingeschränkt waren. So standen sie als ökonomische Vermittler zwischen den anderen Rassen. Was insbesondere die Völker anlangt, unter denen sie lebten, so war deren Kultur eine zu niedrige, als daß die Juden durch Assimilation etwas hätten gewinnen können. Sie hätten von den Stufen ihrer geistigen, westlich orientierten Bildung herabsteigen müssen, um sich den Balkanvölkern anzubiedern, anzuschmiegen,;n ihnen aufzugehen. Auf der

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