Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1919)
- Date
- 1919-05-10
- Page
- Seite 579-580 (sequence 4)
- Language
- German
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579 VOLK UND LAND 580 der vorletzte Herrscher der das Reiclvvon Akkad ablösenden Dynastie von U r, als Sperrfort die sogenannte Amoritermauer. Seine Bemühungen blieben ohne Erfolg. Amoriter.drangen selbst in die regierenden Kreise ein, wie denn schon der dritte und vierte Herrscher der aut IJr folgenden Dynastie von I s i n amoritische Namen führen. Vollends als das Reich von Akkad dem gänzlichen Verfall nahe war, riß es der Amoriterführer S u m u - a b u um 2060 an sich und vvurde hier der Gründer der Dynastie von Babel. (Vgl. Kittel, Gesell, d. Volkes Israel. 2. Aufl., I., 73.) Unter der Regierung seines Sohnes und Nachfolgers Sumuailu wuchs das neue Reich gewaltig an-Macht-und Ansehen. Bald darauf trat indessen ein Stillstand ein, als es den Elamiten gelang, die H e r r s c h a f t so wo h ( rm Zwe i stro m I a n d wie im westlichen Vorderasien an sich zu reißen. Auch Palästina war von ihnen abhängig (ca. 2000), und, zwar etwa .zwölf Jahre fang. Darüber sind wir durch das 14.’ Kapitel des ersten Buches Mose unterrichtet. Es erzählt uns, daß die palästinensischen Stadtkönige Bera von Sodom, Birsa von Gomorra, Sinab von Adma, Semeber von Zebojim und der König yon Bela (Zoar) zwölf Jahre lang dem König Kedorlaomer von Elam unterworfen waren. Als sie sich, so erzählt die heilige Schrift weiter, im dreizehnten Jahre wider ihn empörten, unternahm er mit Unterstützung des Amrafel von Sinear, Ariok von Ellassar und Tidal von Gojim einen Kriegszug nach Palästina. Nach Besiegung der Refaiter, Susim, Emim, Amalekiter und des Amoriterreiches in Hazazon-Tamar kam es im Tale Siddim zum Kampf mit den Empörern. Kedorlaomer war zunächst siegreich und wollte schon mit reicher Beute an Menschen und Sachen abziehen, als er durch das entschlossene Eingreifen Abrams, der seinem mitgefangenen Neffen Lot zu Hilfe eilte, noch in letzter Stunde um seinen Erfolg gebracht wurde. Dieser Bericht der Thora wurde ehedem auf Grund von ,,gesichteten Resultaten der Wissenschaft“ in seinem ganzen Umfange für ungeschichtlich erklärt und in das Reich der Fabel verwiesen, eine Auffassung, die heute als abgetan gelten darf. Sprachlich ist der Name Kedorlaomer die genaue hebräische Wiedergabe des elamitischen Kuhur- Lagamara. Zwar ist uns ein König dieses Namens sonst nicht weiter bezeugt. Gleichwohl ist er keine Erfindung der J3ibel. 'Wir finden nämlich' bei anderen elamitischen Königsnamen „Kudür“ als ersten Bestandteil, dem dann ein Göttername — als solcher ist Lagamar (= hebr. Ia’omer) für Elam bezeugt — als zweiter folgt. (Vgl. Lehmann-Haupt, Israel, S. 8.) Amrafel ist trotz des sprachlich undeutbaren Schlußkonsonanten 1, nachdem die assyrische Schreibung Ammurapi nachgewiesen ist, gleichbedeutend mit dem berühmten König (vgl. unten) Hammurabi, zumal dessen Land Sinear, wie immer das Wort zu erklären sei, sachlich unbestritten Babylonien bezeichnet. Hammurabi hat Später, wie wir wissen, einen König von Larsa besiegt, dessen Name „Diener des MondgotteS“, sumerisch Eri-Aku gelautet haben muß:. In sprachlich genauer Wiedergabe nennt daher die Thora diesen König Ariok, wie sie kich sein Land Larsa unter Umstellung der Konsonanten s lind r richtig Ellassar bezeichnet. Somit dürfen wir Kedorlaomer, obgleich wir einen König dieses Namens bis jetzt noch nicht aus andern Quellen kennen, auf Grund des Zeugnisses der Thora — die sich auch in dieser Hinsicht als eine Lehre der Wahrheit erweist — für eine geschichtliche Persönlichkeit halten; Die Herrschaft Elams überhaupt steht zudem auch sonst urkundlich fest! Wir kennen aus der Zeit kurz vor Hammurabi einen Gouverneur Elams im ,,W e s 11 a n d“. Der elamitischen Vorherrschaft, machte spätestens um 1950 Hammurabi von Babel in siegreichen Kämpfen ein Ende. Ihm gelang es ferner, die staatliche Zerrissenheit des Zweistrorhlandes zu beseitigen und ganz Babylonien unter seinem Szepter zu einigen. Auch Palästina vv ir d wohl von ihm abhängig gewesen sein. Zwar ist ein Feldzug Hanunurabis nach Syrien nicht besonders bezeugt. Die Tatsache, daß er .jKönig' der Amoriter“ hieß und in ,,mat Amurru“ (= Amoriterland) einen Verweser — er hieß Siniddinam — eingesetzt hatte, ist noch kein zwingender Beweis. Denn die Wahl dieser Bezeichnung kann damit Erklärt werden, daß in dieser Zeit Amoriter einen sehr erheblichen Teil der Bevölkerung Babyloniens bildeten (vgl. Böhl, Kanaanäer und Hebräer, S. 36) und hier wie darüber hinaus gerade durch Hammurabi den Höhepunkt ihres Einflusses erreicht hatten. Vollends er selbst war ja seiner Abstammung nach wie nicht minder in seinem Kulturbewußtsein und in seinen religiösen Anschauungen Amoriter. Immerhin darf mit größter Wahrscheinlichkeit angenommen werden, daß er Palästina unter seine Botmäßigkeit gebracht hat; war er doch der anerkannte Oberherrscher des westlichen Vorderasien überhaupt und durfte sich im besonderen als Erbe der Fürsten von Akkad und Elam fühlen, die im Westland die Herrschaft ausgeübt haben. Hammurabis Reich hat ihn selbst nicht lange überdauert. Die Nachrichten über die politischen Beziehungen Palästinas zum Zweistromlande sind für die folgenden Jahrhunderte zu dürftig und unsicher, um erwähnt zu werden. Ein deutliches Bild ist aus ihnen nicht zu gewinnen. Als sichere geschichtliche Tatsache kann daher nur gelten , daß Palästina etwa ein Jahrtausend — von ca. 26.00 bis ca. 1950 — unter babylonischer (kurze Zeit elamjtischer) Herrschaft gestanden hat. II. Von Aegypten aus haben schon die Herrscher der ersten Dynastie, die von 3400 an regierte, versucht, in Palästina und den angrenzenden Gebieten festen Fuß zu fassen. Zünächst ist es die Sinaihalbinsel, deren Reichtum an Bergwerken sie anlockte. Wir besitzen ein Elfenbeintäfelchen aus dem Grabe Usaphaias, des fünften Königs der ersten Dynastie, das diesen abbildet, wie er einen Semiten niederschlägt. Ebenfalls ins vierte Jahrtausend weist eine ähnliche Darstellung im Grabe des Königs Sen. (Vgl. Greßmann, Altorient. Texte und Bilder zum A. 7, Abb. 242.) Mit großer Energie setzte König Zaser von der 3. Dynastie (seit ca. 2980), die erste hervorragende Gestalt des Alten Reiches, die Ausnutzung der Kupferminen im Sinai fort und fand hierin wie überhaupt in seiner 'Eroberungspolitik einen weitschauenden Nachfolger in Snofru aus der vierten Dynastie (ca. '2930), der die einheimischen Stämme besiegte. Er galt deshalb später als der Begründer der ägyptischen Oberherrschaft im Sinai. Er war vollends der erste, der seinen Blick bereits weiter nordwärts richtete. So entsandte er eine Flotte von vierzig Schiffen nach der phönizischen Küste, um für seine Bauten Zedern des Libanon zu holen. Aus diesen zunächst friedlichen Handelsverbindungen entwickelten sich gar bald, vielleicht noch unter Snofru selbst, kriegerische Beziehungen. Sicher aber hat etwa um 2740 Sahure aus der fünften Dynastie eine Kriegs-