Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1919)
- Date
- 1919-05-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2649276-2649277-2649293--0379-2649727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
VOLK «fUEDISC wms LA MD FUER POLITIK, WIRTSCHAFT UND PALAESTINA ARBEIT HERAUSGE6EBEN VON DAVIS TRIETSCH 10. MAI 1919 HEFT 19 I. JAHRGANG DER KAMPF UM DEN BESITZ PALAESTINAS IN AELTESTER ZEIT (3400—1450 v. d. g. Z.) Von Dr. J. Zlo Jedes Staatsgebilde des Zweistrom lan des (Euphrat und Tigris), das über seine natürlichen Grenzen sich ausdehnen wollte, um nicht Binnenland zu bleiben, mußte zu diesem Ziele ungehinderten Zugang zum Mittelländischen Meere zu gewinnen suchen. Das gleiche Streben hatten auch die Herrscher Aegyptens, weil die Küste des Nildeltas für ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen zu schmal und hafenarm war. Das Hinterland dieser von Osten und Süden her begehrten Mittelmeerküste war das nordwestliche Syrien und P a I ä s t i n a. Diese beiden Länder bildeten zugleich das Durchgangsgebiet für den Verkehr zwischen Aegypten und dem Zweistromland. Gerade der kürzeste Verbindungsweg durchkreuzte das eigentliche Palästina. Er rührte von Damaskus aus durch das spätere Gebiet der Stämme Gad und Manasse im Ostjordanland, überschritt etwa 18 km nördlich vom Toten Meer den Jordan, durchquerte sodann über Jericho und Jerusalem Südpalästina und vereinigte Sich etwas nördlich von Gaza mit der großen Karawanenstraße. Diese nahm gleichfalls von Damaskus ihren Anfang, ging aber in westlicher Richtung, von israelitischem Gebiete nur Dan, also den nördlichsten Punkt, berührend, direkt nach der phönizischen Stadt Tyrus. Von hier aus zog sie sich immer nahe an der Meeresküste entlang nach Süden und erreichte über Asdod, Gaza und Raphia bei Pelusium das Nildelta. Für die Herrscher Aegyptens im besonderen kam noch hinzu, daß der Reichtum der Sinaihalbinsel an Kupfer- und Türkisminen die Begehrlichkeit reizte, Und ihnen daher der ungestörte Besitz der Halbinsel selbst, wie der angrenzenden Gebiete Südpalästinas sehr am Herzen lag. So ist Palästina infolge seiner geographischen Lage sowohl für die jeweiligen Staaten des Zweistromlandes wie für Aegypten von hoher Bedeutung gewesen. Der friedliche wie zumeist kriegerische Wettbewerb um das Land unserer Väter bildete den beinahe ausschließlichen Gegenstand seiner äußeren politischen Geschichte in alter Zeit. Sbweii unsere Kenntnisse zurückreichen, war der erste Herrscher aus dem Gebiete 'des Zwe’istromlandes, der den Zugang zum Mittelländischen Meere erstrebte, L u ga Iz a ggi s i, de r Pate st (König) von Gischchu. Spätestens um2600 c i s t i - Insterburg. hatte er die Länder ,,vom Aufgang bis zum Untergang“, „vom unteren Meer bis zum oberen Meer“, d. i. Vorderasien bis zur Küste des Mittelmeeres und somit wohl auch Palästina erobert. Ohne Zweifel ist hundert Jahre später (um 2500) Sargon I von Agadc (Akkad) bis hierher vorgedrungen. In seinen Berichten nennt er das Land .,Amuru“,' weil der größte Teil der Bewohner „Ämoriter“ w'aren. Sic hatten diese Gegenden schon vor der Mitte des dritten Jahrtausends in Besitz genommen und bedrohten in der Folge expansionslüstern den angrenzenden Osten, bis Sargon ihrem weiteren Vordringen in einem erfolgreichen Kriegs2uge nach dem Westlande für lange Zeit ein Ende machte und sie unter seine Botmäßjgkeit zwang. Sein Sohn und Nachfolger Maramsin" (ca. 2470—2440) hielt die Eroberungen mit kräftigem Arm aufrecht. Sieger und Besiegte traten bald in lebhaften Verkehr. In den mannigfachen Beziehungen äußerer Kultur wie Handel und Handwerk, nicht minder' aber in Dingen der Kunst, Wissenschaft und Religionsanschauung begann reger 'Austausch und gegenseitige Beeinflussung. Hierbei scheinen die Babylonier im allgemeinen die Gebenden gewesen zu sein, ohne daß die politisch abhängigen Ämoriter lediglich die Empfangenden gewesen wären. Es gewinnt immer mehr an Wahrscheinlichkeit, daß bekannte urgeschichtliche Sagen und Mythen in Amuru entstanden und von hier nach dem Osten — nicht umgekehrt, wie man bisher ohne Einschränkung annahm — gedrungen sind. Ueber den amoritischen Ursprung der babylonischen Gottheiten Hadad, Aschrat, Dagan u. a. besteht jedenfalls kein Zweifel. In Dingen der Religion und somit der sittlichen Kultur wurde also schon jetzt Baby, lonien von Palästina als gebendem Teil in. nicht geringem Maße beeinflußt (vgl. A. T. Clav, Amurru, The home of the Northern Semites). Die regen Beziehungen zwischen beiden Ländern begünstigten eine friedliche Invasion von Amoritern nach Babylonien. Sie kamen als Bauern, Handwerker, Kauf-’ leute und wohl auch als Soldner ins Land und machten bald einen so großen Teil der Bevölkerung aus, daß sie anfingen eine Gefahr für das Reich zu werden, zumal gleichzeitige kriegerische Invasionen ihrer noch nicht seßhaften Stammesgenossen —. Amoritern in weiterem Sinne — sich immer häufiger wiederholten. Um* die1 Einfälle wirksam abzuwehren, errichtete G i m i I s i n (ca. 2400),