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Volk und Land · 1919-05-03 · Heft 18 (3.5.1919) · p. Seite 571-572

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18 (3.5.1919)
Date
1919-05-03
Page
Seite 571-572 (sequence 16)
Language
German
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571 VOLK UND LAND 572 des Krieges sich Vermögen erwarben, bähen schwere Verluste. Die ärmeren Klassen sind jetzt glücklich, da sie soviel Brot essen können, wie sie wollen. Viele Firmen und Privatpersonen besitzen noch Hunderttausende in Rubeln, die jetzt zum Kurse von 280 Türkischen Piastern pro Tausend eingetauscht werden. Die Landwirtschaft in Mesopotamien Bei der Besetzung Mesopotamiens durch die Engländer war der Landwirtschaftsbetrieb fast gänzlich vernichtet. Dazu kam, daß es damals schon das dritte Jahr war, daß das Land unter der Dürre gelitten hatte; alle landwirtschaftlichen Produkte waren zurückgegangen und der Viehbestand aus Futtermangel völlig ungenügend geworden, so daß die einheimischen Stämme ihre Wohnsitze hatten verlassen, müssen, ganz abgesehen davon, daß in vielen Fällen die Türken sie vertrieben hatten. Die Lage östlich des Tigris nach der persischen Grenze zu war nicht besser, denn was die Türken übrig gelassen, hatten die Russen verwüstet oder vernichtet; die neue Ernte war nur gering. Die Wasserwege und Kanäle waren zum Teil durch rasch ausgeführte Bahu- und Wegebauten für die Truppen verstopft worden. Auch die Stämme selber, die alles Interesse daran gehabt hätten, ihre Betriebe aufrechtzuerhalten, befaßten sich nur mit Kleinkämpfen untereinander und gegen die Türken. Die Lage im ganzen Mesopotamien war daher verzweifelt, und die erste Sorge der vorrückenden Engländer war, die vielen kleinen Kanäle, die zum Teil Privateigentum der Landbesitzer sind, wiederherzustellen, um die Bewässerung der Grundstücke zu ermöglichen. Nachdem hierin eine gewisse Ordnung geschaffen war, wurden den Stämmen Grundstücke, zur Bebauung überwiesen; das erste Ernteergebnis erzielte allerdings nur einen Wert von 1360 £; selbst in dem im allgemeinen sehr fruchtbaren Bezirk von Hilleh war die Ernte gering; es wird auch dort größerer Kapitalsanlagen bedürfen, vor allein aber organisierter Arbeitskräfte, um das Land wieder zu einigem Wohlstand zu bringen. Nach einem neuen Projekt des Landwirtschaftsamtes von Mesopotamien sind nun vorläufig 400 000 £ für die Entwicklung der Landwirtschaftsbetriebe ausgeworfen worden. Die englischen Behörden haben die Besitzer eingeladen, sich an den dafür erforderlichen Arbeiten zu beteiligen, den führenden Scheichs sollen dafür besondere Landkonzessionen zugebilligt werden. PALAEST1N A Die Grenzen von Erez-Israel Erez-Jisrael so lautet die historisch einzig berechtigte Benennung des Landes unserer Väter — ist ein Gebiet, dessen Grenzen im Laufe einer wechselvollen 'Geschichte mehrfach geschwankt haben. Bibel und Talmud und ihre Exegeten befassen sich nicht selten mit der Bestimmung der Grenzen des heiligen Landes, doch sind die Stellen, auch wenn sie sich auf dieselbe Zeit beziehen, schwer in Einklang zu bringen, um so schwieriger, als es bisher noch nicht gelungen ist, alle dort genannten Grenzen mit Sicherheit zu identifizieren. Die älteste Grenzbestimmung des gelobten Landes in einer göttlichen Verkündung an den Erzvater Abraham ist zugleich auch die weitgehendste: das Gebiet von zehn Völkern, die zwischen dem „Strome Aegyptens“, d. h. dem östlichen Arme des Nils und dem Euphratstrome wohnten. Nach den agadischen Exegeten reichte dieses Gebiet von der Küste bis zum Nordabhang des Amanusgebirges und den Pforten Ciliciens (Aulae Ciliciae), es umfaßt somit ganz Syrien. Auch Moses spricht in der Bibel mehrmals von einem Erez-Jisrael, das den Libanon umfaßt und bis zum Euphrat reicht. Diese weitgesteckten Grenzen sind das territorial-politische Ztikunftsprograinm der Bibel, das auch in den Zeiten der stärksten Machtentfaltung des jüdischen Staates noch nicht in Erfüllung gegangen ist, ebenso wie die ethischen und religiösen Forderungen der Schrift. Damaskus war nur vorübergehend kurze Zeit tributpflichtig und die phönizischen Küstenstädte haben auch Salomo gegenüber ihre Unabhängigkeit gewahrt. Im Osten gehörte die Oase Palmyra zeitweilig zum jüdischen Reiche, im Südosten hatte König Salomo einen Hafen im Golfe von Akaba. Das verlassene Land der Viiter in seiner vollen Ausdehnung blieb eine süße, messianische Hoffnung. De Halacha, für welche die Begrenzung des geheiligten Landes praktische Bedeutung hatte, weil an Erez-JisracI besondere religiöse Vorschriften und soziale Pflichten geknüpft wurden, befaßt sich oft mit der Grenzfrage. Sie unterscheidet ausdrücklich das Gebiet der vorexiüschen oder josuanischen Eroberung von dem viel engeren nachexijischen oder dem von Esra und Nehemian wieder geheiligten Territorium. Letzteres war von einem größeren Ausmaß religiöser Pflichten als das erstere betroffen. Das ideelle oder messianische Gebiet kommt für die Halacha nicht in Betracht. Die Mischna, d. h. die offizielle Halachasammtung, befaßt sich nur mit der Bestimmung der Nordgrenze, denn bis an die Süd- und Ostgrenze reichten im zweiten nachexilischen Jahrhundert die jüdischen Siedlungen nicht mehr. Die betreffenden Mischnoth sind kurz so zusammenzufassen: Es gibt dreierlei Erez-Jisrael; das engere nachbabylonische bis zur Breite von Kesib (Echippo, Ez-Zib); das .weitere vorexilische, welches von Kesib bis zum „Strom“ und bis ,,Amana“ reicht^ und ein noch weiteres, nicht bestimmtes, vom Strome und Amana und weiter (land-)einwärts. Die Erklärung dieser Mischnoth gehört zu den schwierigsten Aufgaben der talmudischen Geographie. Auf Grund der neuesten Forschungen halte ich folgende Auffassung für die richtigste: unter „Strom“ ist nicht der Euphrat gemeint, sondern der Nahr-el- Kasimije, der einzige Wasserlauf im Norden 'Erez-jisraels, der diesen Namen verdient; Amana hat mit Taurus Amanus der Exegeten nichts gemein, sondern ist mit dem biblischen Amana identisch, das im Hohenliede neben Hermon erwähnt wird. Vielleicht entspricht es den Bergen el Mani südlich von Damaskus. Die halachische, d. h. von der jüdischen Gesetzgebung festgelegte Nordgrenze Erez-jisraels wäre somit eine natürliche; das tiefeingeschnittene Tal des unteren Nahr-el-Kasimije, der Fuß des Hermon und von ihm eine Linie der Wasserscheide bis zum ei Mani. Für diese Auffassung spricht auch die Tatsache, daß die oft als nördlicher Grenzort genannte Stadt Dan („von Dan bis Beerscheba“) in der östlichen Verlängerung des unteren Nahr-el- Kasimije liegt. Als Südgrenzc ward in der Tosefta, die in Ermangelung einer mischnaitischen Entscheidung als Halacha gilt, der „Bach Aegyptens“, d. h. der Wadi-el-Arisch genannt. Auch diese Grenze wird bereits in der Bibel erwähnt und entspricht einer Senke zwischen dem südjudäischen und sinaitischen Hochland. Am schwierigsten ist die genaue Bestimmung der Ostgrenze, denn die Wüste., welche als solche erwähnt wird, ist in Epochen hoher Kulturentfaltung zurückgedrängt worden, um später, in den Zeiten des Verfalles, wieder gewaltig an Ausdehnung zu gewinnen. Nach einer genauen Aufzahlung der Grenzorte, die uns in vier Relationen in der talmudischen Literatur erhalten geblieben ist, gehörten Kanatha, Namara und Bostra samt ihrem Gebiete halachisch zu Erez-Jisrael. Die Zuzählung dieses Gebietes zum historisdien Erez-Jisrael entspricht durchaus den natürlichen Verhältnissen, da sich der Hauran nach Westen gegen die Jordansecke neigt und dorthin entwässert. Die Wasserscheide zwischen dem Einzugsgebiete des Jordan ,und der gegen Osten geneigten Wadis ist auch weiter südlich die natür-

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