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Volk und Land · 1919-05-03 · Heft 18 (3.5.1919) · p. Seite 563-564

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18 (3.5.1919)
Date
1919-05-03
Page
Seite 563-564 (sequence 12)
Language
German
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563 564 VOLK und LAND fehlte und fehlt noch heute an jeglicher Einrichtung, durch die man Arbeit spart oder erleichtert. Die Mädchen arbeiteten meistens in den Küchen von h Uhr morgens bis 11 Uhr abends, ohne daß sie dabei je richtig fertig wurden. Es war selten sauber genug, das Essen meist geschmacklos, schlecht und besonders in den ersten Jahren oft angebrannt oder mit Ruß. Das Menu bestand aus einer Suppe und einem Brei, ln der Suppe blieb jedes Bestandteil meist für sich, das heißt, das Fett schwamm oben, die Graupen unten, das Wasser mitten drin, es wollte nie etwas Gemeinschaftliches, Zusammenhängendes werden. Im Verhältnis /u dem Verdienste der Arbeiter war das Essen auch zu teuer. Die Arbeiter waren oft ungeduldig- und un zufrieden mit dem Essen, die Mädchen, da sie doch ihr bestes taten, ihr bestes gaben und keine Mühe scheuten, tief gekränkt. Diese Umstände führten dazu, daß diese Arbeit den Mädchen gänzlich verleidet ist, lind daß sie sich ihr nicht mehr mit Liebe widimen, sondern aus Not, da sie diese Arbeit nicht umgehen können. Einerseits sahen sie ein, daß diese Arbeit von der Frau gemacht werden muß, andererseits wird auf allen Farmen und in allen Arbeitergenossenschaften den dort Arbeit suchenden Mädchen zur Pflicht gemacht, eine gewisse Zeit abwechselndt mit den anderen in der Küche und bei den sonstigen Haushaltungsarbeiten tätig zu sein. Nicht viel besser ist es in den Arbeiterfamilien, da auchhier die Einrichtung* sehr schlecht ist, oder besser gesagt, es fehlt gänzlich jede Einrichtung und jede Kenntnis, wodurch die Arbeit vermehrt und erschwert ist. Die MädchCnr trotz des ungeheuer großen Kapitals an Fleiß und Liebe zur Arbeit, das sie mitbrachten, wurden ihrer Aufgabe, ein einfaches gemütliches, gesundes, billiges und den sonstigen Verhältnissen angepaßtes Heim für Alleinstehende oder Familienarbeiter zu srfiaffen, nicht gerecht. ICh sehe "die einzige Ursache dieses Mißlingens im völligen Mangel jeder Ausbildung. Ich habe binnen acht Jahre, die ich in Palästina zubrachte, unter den Arbeiterinnen, denen ich -begegnete, und unter denen sehr viele intelligente, zuweilen auch gebildete und wohlhabende Mädchen waren, keine einzige getroffen, die, bevor sie nach Palästina ging, sich in der Ffaushaltung mehr oder weniger ausgebildet hatte, trotzdem sie Im Lande immer ausnahmslos eine gewisse Zeit einen größeren Arbeiterhaushalt versorgen mußte. Weder kannten sic die Arbeit, noch wußten sie, wie man sie richtig eintcilt, noch weniger, wie das Haus und die Küche eingerichtet sein mußten, und was dazu gehört, um da richtig zu arbeiten. Sie hatten keine Ahnung von der Ernährungskunde, von der Hausökonomie usw. In keinem Arbeiterhaushalte wurden irgendwelche Konserven in der Zeit der Fülle vorbereitet, vor dem Kriege überhaupt keine Vorräte in der billigen Zeit angeschafft; es sind auch keine richtigen Vorratskammern und Keller beim Bau der Arbeitsküchen und Häuser vorgesehen. Durch lange Jahre schwerer Arbeit haben die älteren Arbeiterinnen gelernt die Suppe, den Brei und die gewöhnlichen Gemüsearten leidlich zuzubereiten, ihre Arbeit etwas besser einzuteilen und dadurch auch viel leichter fertig zu werden. Darüber hinaus sind sie nicht gekommen. Es steht jetzt, wie bisher, vor der einwandernden Frau die große Aufgabe, den einfachen, gesunden, rationell und kulturell eingerichteten Haushalt zu schaffen. Um diese Aufgabe in Palästina gut zu lösen, bedarf es einer großen Anzahl gut ausgebildeter Mädchen und Frauen, die hier, in Europa, alles dazu gehörige theoretische und praktische Wissen erworben haben und m den besten großen und kleinen Haushaltungsbetrieben viel Erfahrungen gesammelt haben. Denn es muß ja klar sein, daß wir in Palästina vorläufig weder Haushaltungsschulen, noch musterhafte Haushaltungen haben, in denen man das nötige Wjisseti erwerben könnte, daß die Mehrzahl der nach Palästina Einwandernden aus Osteuropa stammt, wo der Haushalt beim Mittelstände nicht auf der Höhe steht mul noch vieler kultureller Einrichtungen entbehrt, und daß wir uns in Palästina mitten in einer kulturell sehr niedrig sichenden jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung befinden, deren Einflüssen wir unbewußt unterliegen. Es ist klar, daß es ein zu langer Weg ist, durch Selbsterfahrn/ig alles zu erlernen. Es ist meiner Meinung nach die direkte Aufgabe der deutsch-jüdischen Frau, die durch jahrelange Erfahrung und Studium auf diesem Gebiete in Deutschland angesammelte Kultur und Wissen sich anzueignen, um so weit es den palästinensischen Verhältnissen nach möglich ist, in Palästina zu verwerten, umzugestalten lind weiter zu entwickeln. Könnte die deutsch-jüdische Frau zu solchem Wissen und Können die Aufopferungsfähigkeit und den moralischen Mut der russisch-jüdischen Pionierin gesellen, dann würde ihre Arbeit von großem Segen für unsere Kolonisation sein. Denn es braucht ja kaum der Betonung, von welchem großen Einflüsse ein einfacher rationeller, kulturell eingerichteter Haushalt auf den wirtschaftlichen, hygienischen und sogar geistigen Zustand sein kann. Ebenso könnte die Frau durch Einrichtung passender, einfacher, billiger, gemütlicher Heime in der Stadt für die Neuankonrmenden, diesen manch schwere Stunde und schwere Enttäuschung sparen. Es ließen sich viele notwendigen Dinge auf diesem Gebiete einrichten, wenn die passenden, gut ausgehildeteii Arbeitskräfte dazu da wären. II. Außer im Haushalte sollten die Mädchen auf den Gebieten der Landwirtschaft, die für die Frau besonders geeignet sind, tätig sein. Nun brachten sie auch auf diesen Gebieten keine* Kenntnisse, keine Ausbildung mit. Welche sind die landwirtschaftlichen Zweige, die für die Frau in Frage kommen? Wie bekannt: der Gartenbau, speziell Gemüsebau, die Geflügelzucht und die Milchwirtschaft. Bis ganz zuletzt mangelte es gerade in diesen Zweigen, wahrscheinlich, weil siu der Kolonistenfrau meist fremd waren. Während des Krieges wurde in den Kolonien viel mehr Gemüsebau getrieben, aber doch nicht in solchem Maßstabe, daß die Kolonistenfrau eine Hilfe in Form von einem Lehrlinge nötig hätte. Auch die Genossenschaften haben mit dem Gemüsebau nur erst in den letzten Jahren angefangen, und hauptsächlich zwecks Deckung des eigenen Bedarfs. Geflügelzucht wird bei den Kolonisten, in den Genossenschaften und auf den verschiedenen Farmen nur in sehr kleinem Maßstabe getrieben. Die Milchwirtschaft wurde in den letzten Jahren, besonders in den Genossenschaften, etwas mehr entwickelt. Die Genossenschaften aber möchten mit Recht gut ausgebildete weibliche Genossinnen haben und nicht unausgebildete, schwächliche Arbeiterinnen, mußten sich aber leider meistens aus Mangel an ersteren mit den letzteren begnügen, weshalb auch die Zweige der Wirtschaft, die gewissermaßen der Frau gehören, nicht auf der Höhe standen, wie die rein männlichen Arbeitsgebiete. Auf der Farin Ben-Schemen sind seit einigen Jahren Geflügelzucht, Milchwirtschaft und Gemüsebau eingeführt und werden gut bestellt, so daß hier eine gewisse Anzahl von Mädchen sich landwirtschaftlich in diesem oder im anderen Zweige auisbilden kann, je nach dem der jeweilige praktische Leiter dieses oder des anderen Zweiges dafür Interesse oder Neigung hat. Die einzige Ausbildungsstätte für Mädchen war die Mädchenfarin. Leider war sie viel zu klein im Vergleich zu den vorhandenen Bedürfnissen, und war auch nicht auf der gewünschten Höhe was die Technik und die Einrichtung betrifft. Und trotzdem sind die Mädchen, die in der Mädchenfarm ausgebildet wurden, die einzigen Trägerinnen der landwirtschaftlichen Kultur, was die Zweige betrifft, in denen die Frau sich hauptsächlich betätigt. Nur dank diesen leidlich ausgebildeten Mädchen wurde es möglich, die große Zahl der beschäftigungslosen Arbeiterinnen in Gemüsebaugruppen zu ver-

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