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Volk und Land · 1919-05-03 · Heft 18 (3.5.1919) · p. Seite 561-562

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18 (3.5.1919)
Date
1919-05-03
Page
Seite 561-562 (sequence 11)
Language
German
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VOLK und LAND 562 561 Deutschland, die Monatsschrift ,,Ost und West“, den deutschen Juden klar zum; ichen versuchte, daß ihr Rücktritt für die A. I. U. wenigstens finanziell keine allzu große Einbuße bedeuten würde. Und dem ist in der Tat so. Der A. I. U. stehen nämlich aus dem Vermögen der Jewish Colonisation Association (Ica) unbeschränkte Mittel zur Verfügung. Die Ica ist eine Testamentsstiftung des Londoner Baron Hirsch und ist aus Eigenem imstande, das Schulwerk der A. LU. fortzusetzen und aufrechtzuerhalten. Die A. I. U. hat andererseits in ihrer politischen Wirksamkeit so oft die Unterstützung der französischen Regierung gesucht und gefunden, daß sie gänzlich außerstande ist, den französischen Wünschen gegenüber sich immer ganz objektiv zu verhalten. Es muß abgewartet werden, in welcher Weise die A. I. U. ihre Schulpolitik weiterzuführen gedenkt. Während des Krieges wurde einmal die Nachricht verbreitet, sie habe ihr gesamtes orientalisches Schulwerk liquidiert, doch dürfte das kaum den Tatsachen entsprechen. Als sicher darf angenommen werden, daß nach Friedensschluß in irgendeiner Form die Arbeit wieder aufgenommen werden wird. Und da wird es von entscheidender; Bedeutung sein, ob die A. I. U. weiterhin in erster i Linie ein mehr oder minder bewußtes Instrument der französischen Methode, der „penetration pacifique“, bleiben will, oder ob sie die Konsequenten ziehen wird aus der Entwicklung des nationaljüdischen Gedankens und sich ihm unterzuo|dnen vermag. In diesem Falle darf von ihrer musterhaften Organisation und ihrer reichen Erfahrung in den praktischen Fragen noch Großes erwartet werden. Im anderen Fall werden ihr auch noch so viele Millionen keine Geltung mehr im jüdischen Leben zu verschaffen wissen. Denn es darf in Zukunft weder eine deutsch-jüdische noch französisch-jüdische, noch sonsteine von irgendwelchen politischen Interessen berührte Schulpolitik für uns geben, sondern nur die nationaljüdische, die hebräische Schule. EINE REDE AN JUNGE ZIONISTINNEN Von Frau Dr. Noch in Palästina hatte ich das Bedürfnis, einmal zu meinen Gesinnungsgenossinnen in der Diaspora zu sprechen. Denn soweit ich diejenigen, die nach Palästina kommen, kennen lernte, hatte ich immer das Gefühl, das man in der Diaspora nicht im Klaren ist, was uns in Palästina nottut. Seitdem ich jetzt wieder in Europa bin, und nachdem viele sich an mich mit Anfragen wandten, ist dies Bedürfnis in mir stärker geworden. Und trotzdem mußte ich jedesmal, wrenn ich die Feder in die Hand nahm, um meinem Wunsche gerecht zu werden, diese schnell zurücklegen, so einfach und selbstverständlich schienen mir die Dinge, über die ich sprechen wollte. Und ich hätte deshalb diesem Wunsche wahrscheinlich nie nachgegeben, wenn ich dazu nicht direkt aufgefordert worden wäre. I. Was haben die meisten Mädchen, die nach Palästina kamen, mitgebracht? Die besten unter ihnen sehr viel Idealismus, sehr viel Hingabe, einen starken Willen der Sache des Volkes zu dienen und ihr das ganze Leben zu widmen, aber absolut keine Vorbereitung dazu. So sehr ich die große innere Kraft dieser Mädchen immer bewunderte, taten sie mir doch auch immer herzlich leid- Denn trotz der großen moralischen Kraft und den unglaublichen Anstrengungen dieser Mädchen waren die Resultate ihrer Arbeit meist sehr erbärmlich. Das w'ar kein Wunder. Mädchen, die in der Stadt aufgewachsen sind, die mie früher praktisch beschäftigt waren, die nie früher durch ihrer Hände Arbeit sich ernährt hatten, die keime Handfertigkeit besaßen, standen in ganz neue und sehr schwere Verhältnisse versetzt, vor großen, praktischen Aufgaben. Und trotz der großen Schwierigkeiten und trotz der absoluten Unkenntnis dessen, was zu leisten war, traten sie an die Arbeit. War es Mut, war es „Chuzpe?“ Weder dies noch jenes. Es war einerseits die heilige Einfalt, die große Naivität der meisten Idealisten, die die Wirklichkeit nicht sehen, und andererseits die Not, Brot zu erwerben. Alle waren aber tief überzeugt, daß sie etw'as Großes leisten, indem sie das müßiggängerische Leben des Golus verlassen haben und an der produktiven schaffenden Arbeit in Palästina teil- M a i s e 1 - Schochat. i nahmen, und dieser Glaube machte sie glückselig und gab ihnen den Mut 'und die moralische Kraft, ihr schweres Da sein mit Freude und Leichtigkeit zu tragen. Und I schwer, fürchterlich schwer mußte .doch das Leben! für sie sein. Schon die umgewohnte physische Arbeit i den ganzen Tag hindurch, dann besonders im Somlmer die große Hitze, die die Arbeit selbstverständlich noch sehr erschwert, das häufige Fiebern, das Wiederkehren zur anstrengenden Arbeit, bevor man sich noch einigermaßen erholt hat, das ungewohnt schlechte Essen, das Fehlen von Fleisch, an das man in den Golusländern so gewohnt ist, das ewige eintönige und fade Gemüse und Himmelsmanne, sehr schlechte und enge Wohnungs gelegenheiten, meistens mit ein paar fremden, unbekannten Mädchen zusammen, oft Mangel an den nötigsten j Kleidungsstücken, deren Wert sich sehr schwer vom kleinen Lohn absparen läßt, und über alles die Unsicherheit in der Arbeit, das nie Fertigwerdenkömnen, das nie Gerechtwerden der Arbeit. Und trotz all dieser und noch anderer unzähliger Schwierigkeiten waren sie so glückselig, wie ich es noch nirgends auf Erden sah, und das geschah, weil sie ihren Willem durchgesetzt hatten. Trotzdem taten sie mir furchtbar leid, und das nicht der Schwere ihres Lebens wegen, nein, denn diese machte sie ja glücklich: sie glaubten, ihre Bedeutung, ihr Wert sei gleich der Schwiere, die sie trugen. Ich bedauerte sie nicht ihretwegen, sondern der Sache wegen, unserer Sache wegen. Was hätten diese Mädchen bei ihrem starken Willen, bei ihrer Ausdauer, Arbeitslust, Anspruchslosigkeit leisten können, wrenn sie richtig ausgebildet gekommen wären, und was haben sie in der Wirklichkeit geleistet? Was war die Hauptaufgabe und Hauptbesdhäfti gung der Mädchen? Zu allererst, wie überall auf Erden, die Beschäftigung im Haushalte. Da die meisten Arbeiter unverheiratet und ohne jeglichen Familienanschluß dastanden, war die erste Aufgabe der Frau, eine Art Heimstätte oder Arbeiterküche für diese zu schaffen und zu versorgen. Die ersten arbeitenden Mädchen betrachteten es als ihre heilige Pflicht und widmeten sich ihrer Arbeit mit viel Liebe. Aber trotz der großen Mühe, die die Mädchen sich gaben, war die Organisation der meisten Küchen immer sehr schlecht. Es

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