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Volk und Land · 1919-05-03 · Heft 18 (3.5.1919) · p. Seite 555-556

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18 (3.5.1919)
Date
1919-05-03
Page
Seite 555-556 (sequence 8)
Language
German
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555 -=■ .■ ■'== ■■■■■ VOLK UND LAND ■-■= 556 durchgeführt werden. Dein einzelnen Kolonisten soll ein ewiges Recht auf seinen Boden gegeben werden, welches ihm und seinen Kindern ein sorgenfreies Dasein auf der von ihm bearbeiteten Scholle sichert. Das Jobeljahr soll aber dafür sorgen, daß diese Rechte von ihm nicht monopolartig ausgebaut werden, daß seine Unfähigkeit, mit den Fortschritten der Technik gleichen Schritt zu halten, die Produktion des Landes nicht hemmt^ die Gemeinschaft schädigt und neuen Schichten den .Weg zum Boden sperrt. Das Jobeljahr gibt uns auch die Sicherheit, daß eventuelle Fehler in unseren Kolonisationsmethoden später gutgemacht werden können. Zusammenfassend kann man sagen, daß es immer wieder einer größeren Anzahl von jüdischen Bewerbern Zutritt zu Land und Boden .verschaffen! und die Monopolstellung des landwirtschaftlichen Grund und Bodens brechen wird. Es wird auch die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion lind ihre Intensivierung veranlassen und die Gemeinschaft durch entsprechende Festsetzung des Kanons der neuen Kolonistenstellen an derjenigen Steigerung der Grund- und Bodenwerte teilnehmen lassen, die ein Produkt des sozialen Fortschrittes der Gesellschaft ist. Dem gemäß müssen auch die Erbpachtkontrakte des J. N. F. erweitert werden. Wenn ich im ersten Aufsatze eine ewige zeitlich unbeschränkte Erbpacht vertreten habe, so ist mir klar, daß eine solche Erbpacht unbedingt der Ergänzung durch das 'Jobeljahr bedarf. Trägt die ewige, zeitlich unbeschränkte Erbpacht den Forderungen ifnd Wünschen der Einzelnen, sich ihrem Boden ewiglich.zu yermählen, Rechnung, so entspricht das Jobeljahr der Sehnsucht der breiten Masse des jüdischen Volkes, den Bund mit dem Lande Israels inpiglich zu erneuern und an ihm zu genesen. DIE SCHULPOLITIK DER ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE Von C. Z. K1 ötze I. Beim Eintritt der Türkei in den Weltkrieg sind!die französischen, englischen, russischen und1 italienischen Schulen im Osmanischen Reiche geschlossen worden. Eine Ausnahme ist erfolgt: die Schulen der Alliance Israelite Universelle haben nach einer kurzen Pause ihre Pforten wieder öffnen dürfen. Um die Voraussetzungen dieser Ausnahmestellung der A. I. U. mutmaßen zu können, bedarf es der Kenntnis einiger der wichtigsten Daten aus ihrer Entwicklung. Man findet sie in den „Cinquante Ans D’Histoire“ ihres, verstorbenen Präsidenten Narcisse Leven. (Paris. Librairie Felix Alcan. 1911.) Der erste Anstoß zur Gründung der A.I.U. kam aus dem Orient, dem ein großer Teil ihrer Gesamtarbeit gegolten hat. Die Affaire von Damaskus (1840), wo der Ritualmordglaube anläßlich des Verschwindens eines Paters blutige Opfer forderte, führte neben Sir Moses Montefiore als Vertreter des englischen Judentums, Cremieux als den Abgesandten der Juden Frankreichs nach Aegypten. Der Eindruck, den Cremieux auf dieser Reise von der unhaltbaren Lage des orientalischen Judentums empfing, wirkte in ihm fort. Es war ihm nicht entgangen, daß diese jüdische Misere nicht begründet war in Ausnahmezuständen, unter denen das Judentum dort leide, sondern in den allgemeinen Uebeln in den orientalischen Ländern. Er fand auch den Weg zur Abhilfe: Hebung der jüdischen Bevölkerung durch Vermehrung ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten. Die beiden Schulen, die er in Verbindung mit Montefiore in Aegypten gründete, wurden die Keimzellen zu dem jüdischen Sch ul werk im Orient. - Etwa 20 Jahre nach der Damaskusaffäre brachte der Mortarafall große Erregung in das Judentum. Die Erfahrung, daß es in Italien möglich war, daß ein Kind seinen Eltern geraubt, ins Kloster gebracht und zwangsweise getauft wurde, bereitete den Boden für einen Aufruf, den jüdische junge Leute in Paris an das Judentum ergehen ließen, und der mit den Worten endigte: „Wenn Ihr glaubt, daß es Eurem Glauben zur Ehre gereichen würde, daß cs den Völkern eine Lehre, der Humanität einen Fortschritt, der Wahrheit und dem Völkerrecht einen Triumph bereiten würde, Wenn man sähe, wie alle Kräfte im Judentum sich vereinigten, klein an. Zahl^ aber stark in der Liebe und im Willen zum Guten, so kommt zu uns, die wir die Alliance Israelite Universelle gründen wollen!“; Schon hier betont werden, was für das Ergebnis unserer Ausführungen von Wichtigkeit ist, daß das Lebensgesetz der A. I. U. durchaus bestimmt wurde von Auffassungen, deren französischer Ursprung unverkennbar ist. Cremieux, der große französische Staatsmann und bedeutendste jüdische Politiker seiner Zeit, hat der A. I. U. den Stempel seines Wesens aufgedrückt, und sein Wesen War tief verankert im französischen Volksgedanken. Der .Gedanke, der die A. I. U. geschaffen hat, War kein anderer, als der jener „Kulturmission“ gegenüber den „zurückgebliebenen Völkern der Erde“, von dem Frankreich sich bis auf den heutigen Tag erfüllt weiß. Es sei hier von vornherein gesagt, daß es jedem unbefangenen Beurteiler fern liegen muß, den Leitern der A. I. U. daraus einen Vorwurf zu machen, daß sie im Fahrwasser der französischen Kulturpolitik segelten. Die bona fides wird ihnen niemand absprechen können. Es muß aber auch darauf hingewiesen werden, daß es ein Irrtum der Alliance war, wenn sie glaubte, die Vollstrecke rin des jüdischen Gedankens zu sein. Die Tatsache, daß die A.I.U. niemals den Versuch gemacht, das Judentum — oder Teile desselben — 3U einem geistig-kulturellen Ganzen zusammenzufügen, der örtlichen Zerstreuung eine seelische Konzentration gegenüberzustellen, zeigt deutlich, wie wenig jüdischen Inhalt das Alliancewerk besitzt. Im Gegenteil, wo immer ein jüdischer Gedanke, sei es religiösen oder nationalen Inhalts, Wirklichkeit zu werden begann, sah sich die Alliance alsbald von ihm befehdet. Ehe Stellungnahme der palästinensischen Judenheit £u den Schulen der A. I. U. ist hierfür bezeichnend. Was die A.I.U. für das Judentum getan hat, geschah für den einzelnen Juden als Menschen und

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