Mannheim
Compact Memory

Volk und Land · 1919-05-03 · Heft 18 (3.5.1919) · p. Seite 551-552

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 18 (3.5.1919)
Date
1919-05-03
Page
Seite 551-552 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2649276-2649277-2649292--0361-2649708
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

551 ■-■= ==^=-=^=-----.=-^-VOLK UND LAND--552 gelungen, den deutschen Namen zu einem Fluch j im nahen Orient zu machen, wie die Tirpitz und Ludendorf cs in der übrigen Welt besorgt haben.! Herr Justizrat Fuchs vergesse nicht, daß Djemal Pascha sich heute noch in Tfeutschland aufhält! j Will er dem deutschen Volke irgendeinen Dienst erweisen, so hüte er sich ängstlich, Deutschland i und Palästina in einen wie auch immer gearteten i Zusammenhang zu bringen! Der Zionismus wird jeden Versuch, Palästina zu | einem „Interessengebiet“ zu machen, mit äußerster j Kraft bekämpfen. Wir glauben so wenig wie i Herr Justizrat Fuchs, daß England die jüdische Heimstätte „um unserer schönen Augen willen“ j errichtet, so wenig, wie wir je vergessen werden, j daß England mit dem jüdischen Volk als politischem j Faktor schon zu rechnen wußte in einer Zeit, in | der man in anderen Ländern unsere Bewegung i kaum dem Namen nach kannte. Wir wissen, was wir England wert sind: das gibt uns Sicherheit! Wir wissen aber auch, was England uns wert ist. Wir wissen, daß England das einzige Land neben Amerika war, ist, und wahrscheinlich auf lange Zeit hinaus bleiben wird, das seine „Geschäfte“ mit ,dem Judentum in derselben fairen Weise abwickelt, wie mit anderen Völkern. Und wir haben unsererseits keine Lust, in den Verdacht zu gelangen, als beteiligten wir uns an diesem „Geschäft“ mit irgendwelchen Hintergedanken. Wenn ich im „Offenen Brief“ an Herrn Justizrat Fuchs die Aufforderung gerichtet habe, zur Palästinaarbeit seine Gefolgschaft aufzurufen, so betrachte ich es heute als ein Glück, daß er sich dazu nicht berufen fühlt. Er ist es in der Tat nicht. Und wenn ich cs bedaure, daß man Herrn Justizrat Fuchs mit törichten Schimpfworten bedacht hat, die ihn mit Recht kränken mußten, so scheint mir doch: die trübere Erfahrung haben wi r gemacht! Palästina-Arbeit — das sei allen gesagt, die mit dabei sein wollen — muß aus einem Herzen und aus einem Sinn kommen, die nichts wollen, als das jüdische Palästina. Wer weniger will, dessen Arbeit hat keinen Zweck. Wer aber mehr will und anderes will, dem rufen wur zu: „Hände weg!“ C. Z. K.. DIE PROBLEME DER ERBPACHT Von Nathan ben Nathan, Jerusalem, z. Z. Heidelberg II. Jobei ja hr. x Der Streit, ob Palästina nur eine Heimstätte für die jüdische Kultur oder eine Heimstätte für das jüdische Volk werden soll, entbehrte vor dem Krieg jeder praktischen Bedeutung. Das Schneckentempo der Kolonisation blieb hinter den Mindestforderungen auch der radikalsten Achad-Haamisten zurück. Es war ein Zeichen der stillen Resignation angesichts der mehr als bescheidenen Wirklichkeit, daß der Zionismus sich mit den Worten Achad-Haams abgefunden hat: „...allen denjenigen, die in ihrer Armut vergehen und von Zion Hilfe und Erlösung erhofften, sagen wir: „Sehnt euch nicht nach Zion, denn Zion ist keine Antwort auf das Leid des Einzelnen.“ Die teilweise Resignation in Bezug auf die Aufnahmefähigkeit Palästinas für den Aufbruch der befreiten jüdischen Massen hatte allerdings den Vorteil, daß sie die zionistische Organisation veranlaßte, den Kulturangelegehheiten Palästinas eine erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen. Mit dem Augenblicke aber, wo eine wirklich großzügige Organisationsarbeit in Palästina möglich wurde, verlor die oben angeführte Frage auf einmal ihren früheren rein theoretischen Charakter und wurde ,zu einem Prüfstein, an dem sich die Geister schieden. Während sich die einen mit einer recht bescheidenen Einwanderungsziffer und mit graduell recht intensivierten, aber im Wesen nicht veränderten Vorkriegskolonisationsmethoden begnügen, erträumen die anderen eine auf die Umbildung der sozialen Struktur der ganzen jüdischen Welt eingestellte Kolonisation und eine Umleitung der gesamten jüdischen Emigration in neue Bahnen. Beide Parteien argumentieren mit Ziffern und Beweisschlüssen, welche auf Wissenschaftlichkeit Anspruch erheben. Es handelt sich aber zunächst gar nicht um eine wissenschaftliche Meinungsverschiedenheit, sondern vielmehr um die Verschiedenbett"der prinzipiellen Einstellung. Es ist nicht vorauszusehen, ob die zukünftige Kolonisation Palästinas nach dem System Oettinger-Ruppin oder Trietsch-Ballod durchgeführt werden wird. Es hängt vieles von den noch zu machenden Erfahrungen ab. Es wäre demnach notwendig, allem in Palästina zu Schaffenden die Möglichkeit der Anpassung an spätere Ergebnisse zu wahren. Nicht etwa, daß aller Arbeit in Palästina der Stempel des Provisorischen, des Experimentellen aufgedrückt werden soll, aber man muß für Bedingungen und Einrichtungen sorgen, welche die volle Ausnutzung der neugemachten Erfahrungen nicht nur für die zukünftigen Gründungen, sondern auch für die bereits vorhandenen ermöglichen. Auf das Gebiet der Landwirtschaft übertragen würde dieses Prinzip als Forderung aufstellen: Es soll dafür gesorgt werden, daß die einzelnen Kolonistenw'irtschaften in bezug auf das Areal des von ihnen beanspruchten Bodens den Fortschritten der Technik und der Intensivierung des landwirtschaftlichen Betriebs von Zeit zu Zeit sich anpassen können. Dies liegt vor allem im Interesse der Steigerung der Aufnahmefähigkeit Pa'ästin:s. Der Boden Palästinas soll in Wirklichkeit nicht gesperrt sein, sondern in stetiger Anpassung an neue Möglichkeiten einen Tummelplatz für die freie Betätigung immer breiterer Schichten des jüdischen Volkes bilden. Von besonderer Bedeutung ist die Sicherung einer solchen Anpassungsfähigkeit bei der Erbpacht des J. N. F. Die Herrschaft des freien privaten Eigentums kann eine solche Anpassung unter dem Zwange der gesteigerten Rentabilität auf dem Wege der freien Veräußerung bewirken, indem der Kolonist die für ihn überflüssig und für die intensive Bewirtschaftung seiner Stelle hinderlich gewordenen Parzellen veräußert. Bei der Erbpacht des J. N. F. ist eine solche Parzellenveräußerung mit Recht untersagt, denn in allen Ländern ist das Recht der freien Veräußerung des Bodens, richtiger der freien Parzellierung, die Ursache der Bodenspekulation, der Ueberparzellierung und der Ausbeutung von neugeschaffenen landwirtschaftlichen Pro’etarierexistenzen durch unternehmungslustige Bodenbesitzer und Bodenspekulanten geworden. Soll daher die Erbpacht des J. N. F. die Existenz eines gesunden Bauernstandes in Palästina sichern, so

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.