Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1919)
- Date
- 1919-05-03
- Page
- Seite 549-550 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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549 VOLK UND LAND 550 regeln können. Ls gibt noch mehr Fragen. Ls gibt die Frage der Wiederbelebung des Judentums auf dem Boden deutscher Kultur, an der ja die Zionisten auch mitarbeiten können; denn Sie werden auf ihrem Kongreß gehört haben, wie wenige Juden sie erst in 30 Jahren dort werden unterbringen können“. Das sind die Worte, die mir den Vorwurf der Ehrlosigkeit eingetragen haben. Ihr warmer Appell an den inneren Frieden ist für mich eine willkommene Gelegenheit, eine Angelegenheit aufzuklären, bei der Mißverständnisse und 'Entstellungen die Wahrheit getrübt und Haß und Verblendung Orgien gefeiert haben. Die Kränkungen, die man mir persönlich zugefügt hat, schlage ich gering an. Mich schmerzt nur der Schaden, den die Arbeitsgemeinschaft und der innere Frieden durch die maßlosen Angriffe von Heißspornen erleiden, die in ihrem Charakter und in ihrer Erziehung keine Hemmungen ihrer Leidenschaft haben. Um so wohltuender berührt mich die Aussprache mit einem warm empfindenden und sachlichen Gegner. Mit vorzüglicher Hochachtung bin ich Ihr ganz ergebener Dr. Eugen Fuchs, Geheimer Justizrat. NACHSCHRIFT Diese „Offene Antwort“ hat neben manchen Vorzügen einen Nachteil, der ihren Wert im Sinne einer zielfördernden Aussprache illusorisch macht: sie geht an dem Versuch, zu praktischer Arbeit zu gelangen, achtlos vorbei. Denn das war doch wohl der nicht mißzuverstehende Sinn meines Briefes, daß er Herrn Justizrat Fuchs Gelegenheit geben sollte, seine Legitimation als Führer der deutschen Juden dadurch aufs. neue zu erbringen, daß er sie aufruft zur Palästina-Arbeit. Das hat Herr Justizrat Fuchs nicht bemerkt, und darum ist seine Antwort keine Antwort, wenigstens keine Antwort auf die Frage, die ihm vorgelegt \yurde. Oder täusche ich mich? Schreibt nicht Herr Justizrat Fuchs: „Ihr Wunsch, daß das deutsche .Judentum durch praktische Palästinaarbeit den inneren Frieden erhalten soll, begegnet sich mit Wünschen und Bestrebungen, denen ich seit Jahren in dem Ostkomitee, der Viod, den Verhandlungen mit der zionistischen Parteileitung nachgelebt habe“? Und hat er, Justizrat Fuchs, damit nicht alles getan, was billigerweise von ihm verlangt werden konnte, obwohl er „nicht viel Befriedigung“' dabei erlebt hat? Hier liegt der Kernpunkt der ganzen Frage. Herr Justizrat Fuchs glaubt die Viod, das Ostkomitee, und die zionistische Parteileitung nötig zu haben, um eine Palästinaarbeit der deutschen Juden jpu organisieren. Er meint es sicher gut. Aber von dieser seiner Arbeit weiß außerhalb des engen Kreises der Beteiligten niemand etwas. Palästina-Arbeit ist nichts, \vozu es erst langer Beratungen bedarf. Herr Justizrat Fuchs hätte in diesen Tagen eine glänzende Gelegenheit gehabt, seinen Palästinawillen zu betätigen. Er hätte nur den deutschen Juden zu sagen brauchen: „Der Jüdische Nationalfonds veranstaltet eine Palästina-Woche. Das geht Euch So gut an, wie jeden Zionisten, denn die Ziele des Nationalfonds muß jeder Jude billigen. Tut Eure Pflicht.“ Wenn Herr Justizrat Fuchs so gesprochen hätte, ^o hätte er bewiesen, daß er die vornehmste Führereigenschaft besitzt, das rechte Wort zur rechten Stunde zu finden. Wir haben uns in der Erwartung solches Beweises getäuscht. Dafür haben wir das Gegenteil erfahren: daß es Herr Justizrat Fuchs fertig bringt, das unseligste Wort zur unseligsten Stunde auszusprechen. Ihm hat es sehr ans Herz gegriffen, daß ein Wiener Zionistenblatt alle Flüche Oerisims auf seinen Scheitel häuft wegen einer Aeußerung, die nicht so wiedergegeben worden ist, wie er sie getan hat. Uns aber scheint diese Aeußerung in der authentischen Fassung fast noch unbegreiflicher, als jn der entstellten. Und so sehr wir es mißbilligen, daß . die Wiener Gesinnungsj genossen ihrer Empörung einen so unkonziliantcn Ausdruck verliehen haben, so scharf und nach- | drücklich möchten auch wir Protest gegen diese | Aeußerung einlegen. Herr Justizrat Fuchs hat nämlich, wie er im Vorstehenden selbst berichtet, gesagt: „Palästina wird als eine jüdische Heimstätte erstehen. ... Ich darf die Fäden, welche die deutschen Juden mit Palästina verbinden, nicht zerreißen und wir müssen auch an Palästina Anteil nehmen. Und zwar tue ich das schon um des Deutschtums wegen, weil es deutschen Interessen entspricht, daß wir die Fäden zu Palästina aufrecht er-; halten, ganz abgesehen davon, daß schließlich Palästina für viele Juden das Land der religiösen Sehnsucht ist.“ Ist sich Herr Justizrat Fuchs denn garnicht dessen bewußt, was e^ heißt, im selben Augenblick, in dem die jüdische Heimstätte in Palästina durch die Entente errichtet wjrd und England das Mandat übernimmt, es nafhens der größten jüdischen Organisation Deutschlands auszusprechen, daß es sich für die deutschen Juden lohnen werde, sich um Palästina zu kümmern, „schon um des Deutschtums willen, weil es deutschen Interessen entspricht, daß wir die Fäden nach Palästina aufrecht erhalten?“ Ahnt er denn nicht, daß er die P^lästinaarbeit der deutschen Juden durch solche Argumentation einfach unmöglich macht, daß nicht nur die Mandätarmächt mit Miß- ’ trauen, sondern auch die palästinensische Judenj heit mit Verachtung auf diejenigen blicken wird, j deren Palästinafreundlichkeit auch nur im geringsten von dem Motiv beeinflußt wird, irgendwelchen | „Interessen“ europäischer Völker in Palästina i dienen zu wollen? Solcher Kreise gibt es heute nur zwei: den der englischen Assimilanten, die j aus englischem Patriotismus jüdisch-national wer- | den, und den der deutschen Juden um Herrn Justiz- I rat Fuchs. Die deutsche Vaterlandsliebe des Herrn Justizrat Fuchs in allen gebührenden Ehren, aber in Palästina hat sie nichts zu suchen. Wenn er dennoch dem deutschen Volk dort unten einen Dienst erweisen will, so sorge er für schnelles Vergessen der Grausamkeiten, die ein Djemal Pascha gegen die palästinensischen Juden mit Wissen und unter der Duldung der deutschen Militärbehörden verüben durfte. Die deutschen Templer in Wilhelmina und Sarona haben einmal durch ihren Fleiß und durch ihr Geschick dem deutschen Namen in Palästina Ehre gemacht; niemand hat das lieber anerkannt, als ihre zionistischen Nachbarn. Herrn Liman von Sanders ist es