Volk und Land
- Journal
- Volk und Land
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1910)
- Date
- 1910-04-24
- Page
- Seite 541-542 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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541 VOLK UND LAND 542 arbeitsfähig bzw. diese Aktionen schon durchgeführt sein müssen. 3. Der D. T. erblickt in der Nationalisierung des Bodens ein wertvolles Mittel auf dem Wege zu sozialer Gerechtigkeit, welches ohne Schaden für die Entwicklungsmöglichkeiten sofort vollständig durchführbar ist. 4. Der D. T. fordert alle Zionisten auf, die Arbeiten des PaLästinaamfes in jeder Weise zu fördern, insbesondere die Registrierung aller ernsthaft nach Palästina Strebenden mit aller Schnelligkeit durchzuführen, die Vorbereitung für alle für Palästina in Betracht kommenden produktiven Berufe durch Vermittlung von Lehrstellen und namentlich durch Stärkung des von dem Palästinaamt gegründeten „Palästina-Schulungsfonds“ zu unterstützen und ihr Augenmerk der Förderung des Hebräischstudiums zuzuwenden. Oelindustrie in Palästina Der russische Kapitalist Herr Ilia Paenson aus Petrograd und Herr Moses Wilbuschewitsch aus Zürich, der durch seine Erfindungen zur Härtung von Fetten bekannt ist und in Rußland große Fabriken dafür errichtet hat, haben zusammen unter dem Namen „The Palestine Oil Industry Shamen Limited“ eine Gesellschaft für .Oelindustrie in Palästina gegründet. Die! Gesellschaft wird sich mit der Herstellung aller Arten von Oelen in Palästina befassen. Das voll eingezahlte Kapital der Gesellschaft beträgt 250 000 £. Die Gesellschaft will ihre Vorbereitungsarbeiten so beschleunigen, j daß sie möglichst schon zu Beginn des Jahres 1920 I ihre Tätigkeit aufnehmen kann. Infolge des großen! Kapitals der Gesellschaft und bei den hervorragenden j kaufmännischen und technischen Fähigkeiten ihrer Dii rektoren ist anzunehmen, daß die Gesellschaft in I Palästina sehr gute Aussichten hat. Die Gesellschaft hat sich übrigens für den Boden, den sie für ihre Fabrikanlagen und für Arbeiterhäuser in Palästina kaufen wird, de^. Bodenprinzipien des Jüdischen Nationalfonds i unterworfen und will auch eine Beteiligung der Arbeiter am Gewinn und an der Verwaltung einführen. SOZIALES Das jüdische Nervensanatorium in Palästina Gerade jetzt, wo wir vor den Toren Palästinas stehen, und eine Menge verschiedenartiger Vorschläge zum Aufbau unseres Zukunftsland.es voriiegen, um unser nationales und soziales Leben auf ein gesundes und lebensfähiges Niveau zu heben, werden Anregungen auf medizinischem Gebiete willkommen sein. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, und in dier medizinischen Welt eine feststehende Tatsache, daß wir Juden den Nerven- und Gemütskrankheiten mehr unterworfen sind, als die uns umgebenden Völker. Die Häufigkeit dieser traurigen Erscheinung habe ich mich bemüht, an anderer Stelle eingehend zu erörtern. Dort konnte ich feststellen, daß die Ursachen nicht in uns, sondern in den Verhältnissen, unter denen wir Juden in der Diaspora leben, zu suchen sind*). *) Interessenten verweise ich auf meine Arbeiten: 1. Die jüdische Nervosität, ihre Art, Entstehung und Bekämpfung. Vortrag. Verlag: Speidel & Wurzel, Zürich* 1 1918. 2. Die Nervositätbeidenjuden. Ein Beitrag zur Rassenpsychiatrie. Verlag: Orell Füssli. Zürich 1919. Hier möchte ich mir darauf hinweisen, wie solchen Juden, die aus ihrem seelischen Gleichgewicht herausgebracht wurden, am besten zu helfen ist. Der erste Grundsatz der psychiatrischen Behandlung, .und der dem Patienten am meisten Nutzen bringt, ist, wie bekannt, sein Milieuwechsel. Schon dies allein, daß man ihn aus der Umgebung, wo er krank wurde, herausnimmt, und in eine neue versetzt, kann auf ihn sehr beruhigend wirken. Und gerade beim Juden ist 'es seine Umgebung, die ihn in erster Linie krank macht, eine Umgebung, in der er sich nicht vollwertig fühlt. Daß dieses Gefühl der Minderwertigkeit beim nervös erkrankten Juden seine ganze Psyche beherrscht, habe ich unzählige Male beobachten können. Es ist schwer zu schildern, mit welcher Erleichterung und Zuversicht solche Kranke sich von einem jüdisdien Arzt, der sie ganz versteht, behandeln lassen. Nur einem solchen Arzte schenken sie ihr volles Vertrauen, das so wichtig für die Etehandlung ist. Daß diese meine Beobachtung richtig ist, darin haben mir auch namhafte nichtjüdische Psychiater beigestimmt. Es ist ihnen auch aufgefallten, wie die jüdischen Patienten ihnen gegenüber besonders zurückhaltend eingestellt sind. Allein schon die Anwesenheit des jüdisdien Arztes erleichtert bis zu einem gewissen Grade ejnem solchen Kranken das Gefühl dier Einsamkeit und Nichtverstandenseins. Wiewohl die Umgebung im Grunde genommen die gleiche geblieben ist. Aus dem Galuthleben draußen ist ein solcher Patient in den Galuth der Anstalt versetzt wordien, wo er sich auch weiter geniert fühlt, und nie ganz zur innerlichen Ruhe kommt. Und wenn man für die jüdischen körperlich Erkrankten verschiedene Spitäler baut, wo sie nebst spezieller Behandlung auch die jüdisch-rituelle Küche haben, so ist es gerade noch notwendiger, für solch nervös-crkrankte Juden eine jüdische Nervenheilanstalt zu schaffen, wo sie das fehlende Verständnis für ihre Leiden, das sie, weil ihnen gelbst die Krankheitsursache nicht immer bewußt ist, Jn dtr Umgebung um so schwerer vermissen, finden werden. Mit <fer Versetzung in diese neue und erfrischende Umgebung wird hei solchen Kranken erst die richtige Therapie beginnen. Darüber läßt sich noch vieles sagen, ich behalte es mir aber für ein fachmedizinisches Organ vor. Hier möchte ich nur betonen, daß die Gründung einer richtigen jüdischen Nervenheilanstalt seitens der jüdischen Patienten als eine wohltuende Tat empfunden werden wird. Und der geeigneteste Ort für ein solches Nervenheilsanatorium ist zweifellos Palästina. Nur dort in unserem Lande, wo wir ein ganz anderes Leben zu führen imstande sein werden, kann sich auch unsere Psyche wandieln, da wir eine ganze Menge seelischer Komplexe, die sich in der Diaspora am Juden ansetzten, los sein werden. Dort werden wir uns eine gesunde Umgebung schäften, die jedes Volk braucht, und die jedes normal lebende Volk hat. Und es ist kein Zweitel, daß ein auf solchem Boden gegründetes Nervensanatorium anziehend auf jüdische Kranke wirken wird. Dort werden sie am besten ihre, durch die Hast des Lebens zerrütteten Nerven erholen können, viel besser als an verschiedenen Weltkurorten. Die Anregung zur Gründung eines jüdischen Nervensanatoriums in Palästina zum Wohle unserer Kranken, habe ich nur vom medizinischen Standpunkte aus begründet. Was die materielle Seite anbetrifft, Und ob ein solches Sanatorium auf Staats- oder Privatkosten zu errichten wäre, überlasse ich das Wort denen, die mit den ökonomischen Verhältnissen in Palästina besser vertraut sind, ich bin aber fest überzeugt, daß auch in diesem Sinne eine solche Gründung für Palästina von Vorteil wäre. Zürich. Dr. med. Raphael Becker.