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Volk und Land · 1910-04-24 · Heft 17 (24.4.1910) · p. Seite 539-540

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17 (24.4.1910)
Date
1910-04-24
Page
Seite 539-540 (sequence 16)
Language
German
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539 VOLK UND LAND 540 Die im Jahre 1900 im Deutschen Reiche gezählten 4 Millionen Pferde beanspruchen demnach 14 Millionen Morgen oder 3,5 Millionen Hektar, das ist zirka ein Zehntel der gesamten, zurzeit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche des Deutschen Reiches, die mit rund 35 Millionen Hektar anzunehmen ist. Würde die Pferdezucht im Deutschen Reiche bis auf das äußerst mögliche Minimum eingestellt und durph motorische Kraftgespanne ersetzt werden, so würde sich also Deutschlands bebaubares Land um rund 3y2 Millionen Hektar für Viehhaltung (Milch- und Mastvieh) und für den Anbau von Feldfrüchten für menschliche Ernährung erhöhen. Es wäre ein Areal gewonnen, das den Umfang allen Adker- und Gartenlandes Bayerns übertrifft, denn nach den amtlichen Erhebungen im Jahre 1900 entfielen vom Gesamtflächeninhalt Bayerns 40,1 % gleich 3,05 Millionen Hektar auf Acker- und Gartenland, also eine Fläche, die nicht allein dlie Ernährung von mehr als 6 Millionen Menschen und dem dazu gehörigen Vieh sichert, sondern noch eine ansehnliche Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte gestattet. Hier also haben wir die Gewinnung bedeutenden Areals für die deutsche Volksernährung; hier ruhen gleichzeitig gewaltige Arbeitsmöglichkeiten für die deutsche Industrie; hierin bietet sich nutzbringende Arbeit für die jetzt nach Beschäftigung suchenden Kriegs- und Rüstungswerke, die Flugzeugfabriken usw., und keinerlei sentimentale Neigung, keinerlei Rücksichtnahme darf hindern, die naturgemäß stufenweise durchzusetzende Ausrottung des Pferdes mit aller Energie zu betreiben. Nur der Zucht von Remonte-, Wagen- und Luxuspferden bewillige ich im Interesse ihres europäischen Rufs und ihrer Bedeutung für die deutsche Ausfuhr eine Gnadenfrist, denn ich sehe auch für das übrige Europa eine Zeit kommen, da es sich, wenigstens soweit es auf die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte angewiesen ist, vom Pferd freimachen wird. Also: an Stelle , der Pferdedroschken und Lastfuhrwerke: Autos, für die Ackerpferde: motorisch betriebene Traktoren, damit die Anspannung vor Bindern, Pflügen, Kultivatoren, Eggen und der Transport der Feldfrüchte nur noch durch maschinelle Kraft besorgt wird. G. H. PALAESTINA Das neue Jerusalem Die Londoner „Times“ brachte kürzlich einen ausführlichen Artikel, über die bestehenden Pläne zum Wiederaufbau Jerusalems. Dieser Aufsatz geht von dem 'Standpunkt aus, daß Jerusalem das Zentrum der drei großen Weltrejigionen, der jüdischen, der christlichen und der mohammedanischen, ist, und daß es von Wichtigkeit ist, die Stätten der Traditionen dieser drei Religionen zu erhalten und zu erneuern. In dem Aufsatz heißt es; „Es war notwendig, das Werk des Wiederaufbaus der heiligen Stadt in gewisse Abteilungen zu gliedern, nämlich: a) Wiederherstellung von Werkstätten und Handelsindustrien; b) Erhaltung des eigentlichen Jerusalem; c) Anlage der neuen Stadt im Norden bzw. eine systematische Ausgestaltung dieser neuen Stadt; d) Reform der Stadtverwaltung und Schaffung einer Organisation hierzu; e) Festsetzung von Bauvorschriften und Bestimmungen über die Erhaltung palästinensischer Altertümer, Futterration nicht einihält, so daß also meine Schätzung, wie ich es wollte, als äußerst vorsichtig entworfen, zu betrachten ist. Im allgemeinen rechnen Landwirt? pro Pferd weit höhere Anbauflächen. archäologischer Werte und Ausgrabungen und Erziehung der Bürgerschaft zum Verständnis dieser Bestimmungen, kurz: die Einführung einer Art von Bürgerkunde; f) Schaffung einer Körperschaft beratender Natur,! die von alten religiösen und nationalistischen Vorurteilen | frei sein muß, zur Wahrung der Interessen der heiligen I Stadt. | Der „.Times“ zufolge ist dieser Arbeitsplan von Gej neral Sir Arthur Money, dem obersten Verwaltungs- . beamten in Palästina, und! General Storrs, dem Gou- I verneur von Jerusalem, aufgestellt worden, denen eine Reihe von Forschern zur Seite steht. Weiter heißt es in dem Aufsatz: „Unter allen Unternehmungen zum Wiederaufbau Jerusalems ist vielleicht die interessanteste und wichtigste das Pro-Jerusalem-Komitee, das von General Storrs geschaffen wurde. Das Komitee ist eine beratende Körperschaft, die in allen Fragen der Bautechnik und der Verbesserung der städtischen Anlagen Vollmacht hat. Sie ist durchaus international; Mohammedaner, Christen und Juden sind in ihr vertreten. Der Gouverneur hat den Posten des Vorsitzenden übernommen. Die Verhandlungen werden in französischer Sprache geführt. Ihm steht der Großmufti,, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, der griechische Patriarch, der armenische Bischof, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde und der bekannte französische Orientalist Piere Abel zur Seite. Auch führende Italiener und amerikanische und englische Sachverständige sind vertreten. Das Pro- Jerusalem-Komitee, das von dem Gouverneur ins Leben gerufen ist, will die heilige Stadt nach Jahrhunderten des Elends und der Mißwirtschaft leiten und einigen. Folgende Arbeiten sind in Aussicht genommen: 1. Die Freilegung der alten Stadt von Salomos bis auf Suleiman des Großen Zeiten, die Erhaltung der Stadtmauer und der alten flauten; 2. die Errichtung einer neuen Stadt außerhalb dieses Terrains, für die ein besonderer Stadtplan ausgearbeitet wird; 3. die Anlage von Parks; 4. die Pflege des Kunsthandwerks, Eröffnung von Sulcs und Bazaren, Aufstellung von Webstühlen und Einrichtung von Handwerksstuben; 5. die Erhaltung besonders der heiligen Stätten des Islam, des Felsen-Doms, der Al Aksah-Moschee und der übrigen Gebäude auf demfrüheren Tempelplatze; 6. die Einrichtung eines Systerps technischer Schulen, wenn möglich eine Entwicklung der Bezalel- Schule. Beabsichtigtist, die traditionellen Werkstätten zu fördern durch Einrichtung von städtisch unterstützten Lehrwerkstätten, mit einem eigentlichen Lehriingssystem; 7. die Anlage eines festen Planes für künftige Ausgrabungsarbeiten.“ Palästina-Thesen Das Palästina-Amt in Prag gibt folgende Thesen für den Distrikttag der Zionisten in Tschecho-Slowakien bekannt: 1. Da eine möglichst «rroße organisierte Masseneinwanderung sofort nach Freigabe Palästinas notwendig ist, jedoch vollständig von dem Umfang der erst zu schaffenden Arbeitsmöglichkeiten abhängig sein wird, fordert der D. T. die Zionistische Leitung auf, sofort unabhängig von der politischen Lage, im Sinne der Beschlüsse der Londoner Zionistischen Konferenz unter Heranziehung der Zionisten aller Länder, ein Kolonisations- und Emigrations-Amt zu errichten, welches unverzüglich mit den oft langwierigen technischen Vorarbeiten in- und außerhalb Palästinas zu beginnen hätte. 2. Der D. T. empfiehlt der Leitung rascheste Inangriffnahme und Organisierung der finanziellen Fundierung der Kolonisation. Insbesondere wäre die Frage der Jüdischen Volksanleihe und die Gründung von Bankinstituten in allen Emigrationsländern einer sofortigen Entscheidung zuzuführen, da auch diese Institutionen gut vorbereitet und bei Beginn des Kblonisationsvverkes schon

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