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Volk und Land · 1910-04-24 · Heft 17 (24.4.1910) · p. Seite 537-538

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Journal
Volk und Land
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 17 (24.4.1910)
Date
1910-04-24
Page
Seite 537-538 (sequence 15)
Language
German
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537 VOLK UND LAND 538 Die freigewordenen Flächen, Flächen \x>n unerwartet hohem Ausmaß, würden durch Bebauung init Körner früchten, Gemüse und Obst Ernährung für Millionen von Menschen bringen und die Vergrößerung der Milch und Fleisch liefernden Viehzucht gestatten. Liefert uns das Pferd (wenigstens vorzugsweise und nach seiner Hauptbestimmung) gegen die Früchte von Millionen von Hektaren nur Kraft, so würde die Zucht anderer landwirtschaftlicher Nntztiere entweder neben Kraft noch Fleisch liefern (ich denke an Zugochsen) oder ohne Kraftleistung Fleisch, Fett, Milch usw. Nun wird man mir entgegenhalten, daß das Ochsengespann nie ein vollwertiger Ersatz für das Pferd sein kann; man wird mir ferner erwidern, daß die Aufzucht von Zugochsen nicht in dem Maßet möglich ist, daß meine Forderung erfüllt werden könnte, an die radikale Ausrottung unseres Pferdebestandes heranzugehen. Das ist richtig! Die erhöhte Heranziehung der Odtsen zu landwirtschaftlichen Arbeitsleistungen soll nach meinem Programm auch nur eine unterstützende und geringe sein. Den hauptsächlichsten Ersatz des Pferdes sehe ich in der maschinellen Kraft. Motorpflüge müssen in weit größerem Maßstabe als bisher gebaut werden, und vor allem) sind, worauf bis heute von seiten der Industrie noch viel zu wenig Wert gelegt worden ist, Traktoren herbeizuschaffen, die gewissermaßen das „eiserne Pferd“ des Landwirts abgeben sollen. Der mittlere landwirtschaftliche Betrieb, der heute 20 bis 25 Pferde für die Landbestellung beschäftigt, soll in Zukunft einen oder zwei Traktoren haben, die die gleichen Arbeiten in kürzerer Zeit verrichten, und damit wären in einem derartigen Gutsbetrieb genügend Flächen, für die Ernährung der Einwohnerschaft eines kleinen Dorfes erschlossen worden. Ganz abgesehen hiervon würde Menschenkraft frei, denn während zur Führung und Bedienung eines Motors nur 1 oder 2 Leute nötig sind, bedürfen 20 bis 25 Pferde 8 bis 10 Knechte zur Wartung und Pflege, es würden die durch Seuchen jährlich vernichteten Werte gespart, undi für Beschaffung eines oder zweier Traktoren als Ersatz für 20 bis 25 Pferde wäre weniger oder nicht viel mehr Kapital anzulegen als für jene. Mein nachfolgendes Zahlenmaterial wird dem Leser klarmachen, welch anderes Bild unsere Ernährungswirtschaft von dem Augenblicke an haben würde, wo wir uns von der Kraft des bodenfressenden Pferdes emanzipiert und auf den maschinellen landwirtschaftlichen Be trieb eingestellt hätten. Ich betrachte es daher als eine der vornehmsten Aufgaben jener Instanzen, denen die Verantwortung für die Volksernährung zukommt, diesen Vorschlägen ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Die deutsche Industrie muß sich jedoch zwecks Verwirklichung dieses Programms von dem Gedanken freimachen, daß dem Landwirt mit dem Motorpflug allein gedient sei. Der Motorpflug macht zwar Pferde frei, bedingt aber, da die meisten Systeme nur unzureichende Traktoren darstellen, die Weiterhaltung eines Zugviehstandes für die Erledigung der sonstigen landwirtschaftlichen Arbeiten, und diese „sonstigen“ Arbeiten sind der weitaus größere Teil der Gespannarbeiten. Nicht um Motorpflüge also handelt es sich, die zur Verwirklichung meines Projekts erforderlich wären, sondern mit Traktoren, die neben Pflügen auch jedes andere Gerät, also Mähmaschinen, Grubber, Eggen, Walzen usw. ziehen können, die ferner für den Straßen- und Feldtransport geeignet sind zur Abfuhr der landwirtschaftlichen Produkte, oder deren Motor leicht auszubauen ist, um in eine noch zu konstruierende, motorisch angetriebene Mähmaschine eingebaut zu werden, um, wo bisher noch mit Göpel gedroschen wurde, als Antrieb für Dreschmaschinen zu dienen usw. Hier mein Zahlenmaterial zur Illustrierung und Bekräftigung meiner Vorschläge. Nach Kellner-Möckern ist der tägliche Bedarf eines Arbeitspferdes bei mittlerer Leistung und einem Lebendgewicht von 500 kg folgender; 300 g Eiweiß*) 5000 g Stärkewert 800 g Rohprotein 300 g Fett 5650 g stickstoffreier Extraktstoff, Rohfaser usw. Nach der gleichen Quelle befinden sich die für ein 10 Zentner wiegendes, mittelschwer arbeitendes Pferd oben genannten, täglich benötigten Nährstoffe, B. in folgenden Futtermengen**), die eine beliebte Zusammenstellung für Pferde darstellen: 4 kg Hafer, 3 „ Kleeheu, 7i/o kg Wiesenheu, Va kg Winterhalmstroh. Diese Angabe ermöglicht eine schätzungsweise Be rechnung, welche Anbauflächen ein Pferd benötigt, da mit sein Futterbedarf für ein Jahr bzw. Wirtschaftsjahr gedeckt sei. Nach Remy-Bonn ist der Ertrag der einzelnen Feldfrüchte, der obiger Futterzusammenstellung zugrunde gelegt wird, pro preußischen Morgen folgender: an Hafer (Körnerertrag) 8—15,2 Ztr. durchschn. also 11,7 Ztr. an Wiesenheu***) 70—100 Ztr. durchschn. also 85 Ztr. Unter Zugrundelegung des obigen Beispiels einer Futterzusammenstellung laut Kellner benötigt also ein 10 Rentner schweres Pferd, immer nur mittlere Arbeitsleistung vorausgesetzt, im Jahre: an Hafer: 4 kg X 365 Tage 1460 kg 29,2 Ztr. das ergibt nach Remy eine Anbaufläche von -4- 2,5 Morgen i an Wiesenheu: j 7i/2 kg X 365 Tage 2737,5 kg 54,75 Ztr. { das ergibt nach Remy eine Anbaufläche von -f- 0,7 Morgen an Kleeheu: 3 kg X 365 Tage 1095 kg 21,90 Ztr. das ergibt nach Remy eine Anbaufläche von -f- 0,25 Morgen an Winterhalmstroh: 1/2 kg X 365 Tage 182,5 kg 3,65 Ztr. j das ergibt nach Remy eine Anbaufläche von -j- 0,2 Morgen Total also -j- 3,65 Morgen Unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die letzte Position ungefähr nur zur Hälfte in Anspruch genommen werden kann, da der Körnerertrag außer Acht gelassen wurde, ist die von einem Arbeitspferd mittlerer Leistung benötigte Anbaufläche mit 3,5 Morgen zu schätzen****). *) Demgegenüber benötigt nach Förster ein 36 bis 38 Jafire alter Arbeiter von 70 kg Gewicht täglich und bei mittlerer Leistung: 132 g Eiweiß, 90 g Fett, 450 g Kohlehydrate, und die Kriegszeit hat bewiesen, daß selbst diese Mengen noch weit über der unbedingten Bedarfsnorm liegen. **) Je nach einer anders gewählten Zusammenstellung des Futters wird sich natürlich meine weiterhin folgende schätzungsweise Berechnung verschieben, in ihrer Schlußsumme immer ungefähr aber das gleiche Resultat ergeben. ***) Angenommen eine mittelgute zweischürige Wiese an Kleeheu 60—120 Ztr. durchschn. also 90 Ztr. an Winterhalmstroh 16—21 Ztr. durchschn. also 18,15 Zentner. **•*) Andererseits ist in dieser Berechnung das für Streu benötigte Stroh nicht in Ansatz gebracht. £s sind ferner alle die Verluste unberücksichtigt gebüebn, welche durch Verderben der Futtermittel, Verschleudern usw. hervorgerufen werden. Auch darauf ist nicht Rücksicht enommen, daß der praktische Landwirt in Friedenszeiten ie fachmännisch als unumgänglich notwendig berechnete

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